24. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Working Out Loud

KRITIK: „Mehr Kontrolle über sein Leben und Zugang zu besseren Karrierechancen!“ Wenn uns derartiges versprochen wird, bin ich erst mal vorsichtig. Was verbirgt sich hinter der „neuen Methode“ Working Out Loud?

Vor der Lektüre des Beitrags in der managerSeminare hatte ich noch nichts davon gehört. Der Amerikaner Bryce Williams prägte den Begriff, ein anderer namens John Stepper, ein Banker aus New York, machte ihn bekannt. Die Idee dahinter: Menschen teilen anderen Menschen, mit denen sie real in kleinen Gruppen oder virtuell in kleinen Netzwerken verbunden sind, „lauthals“ mit, woran sie arbeiten, was sie entdeckt haben, was sie lesenswert finden. Und sie verteilen Likes und Lob für die Mitteilungen anderer.


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So etwas kann jeder jederzeit schon tun, dazu braucht es kein festes Programm. Aber es fällt natürlich leichter, wenn man einem strukturierten Konzept folgt. Also gibt es dazu einen einfachen Trainingsplan. Man findet eine bis vier Personen, mit denen man einen WOL-Circle bildet und sich 12 Wochen lang jeweils für eine Stunde trifft – real oder virtuell. Im ersten Schritt definiert jeder, was er gerne erreichen möchte: Berufliche Ziele, Karriereziele, mehr Anerkennung, mehr Fachwissen. Dann stellt man eine Liste von Kontakten zusammen, die einem bei der Erreichung der Ziele helfen können.

In den folgenden Treffen wird an dieser Liste gearbeitet: Die Beziehungen werden vertieft, Anerkennung verteilt, das Zeitmanagement optimiert, eigene Beiträge geleistet und weitergeleitet usw. Bis das regelmäßige Pflegen der Kontakte und das Teilen von Informationen und Wissen zur Gewohnheit geworden ist.

Um welche Informationen es geht? Alle möglichen Inhalte und Wege werden hier vorgestellt: Morgens beim Kaffee erzählt man von seinem Hauptprojekt, der Tag wird nicht beendet, ohne eine Anerkennung ausgesprochen zu haben. Man teilt seine Lesezeichen mit anderen, abonniert Blogs, nutzt Twitter, schreibt Zusammenfassungen über Meetings und Vorträge, teilt seine Gedanken und Ideen…

Woran erinnert mich das? Zunächst an die ersten Versuche in Sachen „Wissensmanagement“. Menschen sollten in großen Datenbanken ihr Wissen teilen. Hat nicht so wirklich geklappt.

Dann an eigene Erfahrungen mit dem Tool „Kollegiale Beratung“ – das mir immer noch sehr gut gefällt. Klappt prima, aber als Standardtool hat es sich nicht wirklich etabliert.

Aber Working Out Loud will mehr. Menschen dazu bringen, automatisch, praktisch gewohnheitsmäßig, alles, was sie tun, daraufhin zu prüfen, ob es für andere nützlich sein könnte und es dann mit einem Kreis von Leuten zu teilen, die ähnlich handeln. Ungefähr so, wie man früher über den Gartenzaun getratscht hat. Oder in der Teeküche des Unternehmens. Mit dem Unterschied, dass bei dieser Form des Wissensaustauschs nicht ein definierter Plan mit klarem Ziel steht und stand, sondern sich der Austausch aus der Begegnung entwickelt.

Mag sein, dass Working Out Loud am Anfang funktioniert und einigen Menschen auch echte Fortschritte ermöglicht. Dennoch würde es mich wundern, wenn wir in zwei Jahren von einem breiten Durchbruch lesen würden – auch wenn man sich bei Bosch Diesel Systems davon erhofft, „so mittelfristig eine kollaborative Kultur im Unternehmen“ entwickeln zu können.

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