23. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

A Boy named Sue (Johnny Cash)

INSPIRATION: Jetzt kann man einen berufsbegleitenden Master „Female Leadership“ studieren. Da schau an! Ist das eine Errungenschaft? Eine eierlegende Wollmilchsau? Oder ein Etikettenschwindel? Ein Aprilscherz ist es jedenfalls nicht.

„Die Situation für weibliche Führungskräfte könnte besser sein: Nur 29 Prozent der Führungspositionen in deutschen Unternehmen sind mit Frauen besetzt. Damit nimmt Deutschland Platz 20 von 30 in Europa ein. Der Gender-Pay-Gap beträgt 18 Prozent – der drittschlechteste Wert in Europa.“ Was soll man dazu sagen? Das ist schlicht ein Armutszeugnis. Autorin Daniela Furkel (Führen Frauen anders?) trumpft zu Beginn erst einmal richtig auf.


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Doch das ist bloß die Vorlage. Im nächsten Schritt macht sie gleich den Ball rein: Axel Koch, auch dem MWonline-Publikum kein Unbekannter (Gelerntes umsetzen), ist nämlich Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule für angewandtes Management (HAM) in Ismaning bei München. Und dort startet man nun einen berufsbegleitenden Masterstudiengang „Female Leadership“. In Kooperation mit der Berliner Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport (DHGS). Studierende können den Master in Wirtschaftspsychologie, Betriebswirtschaftslehre oder Sportmanagement machen.

Wofür soll das gut sein?

Als Zielgruppen werden Menschen aus den Bereichen Personal, Organisationsentwicklung – aber auch ESG (Enviromental Social Governance) oder DEI (Diversity, Equity, Inclusion) angesprochen. Wenn das nicht eine spannende Bandbreite ist. Und nicht genug: „Es ist kein reines Studium für Frauen. Es ist auch eine Weiterbildung für Männer, weil sie ihnen Skills und Fähigkeiten vermittelt, die ihnen helfen, Klischees abzubauen,“ so Axel Kochs Counterpart, Gunnar Mau, von der DHGS.

Womit natürlich spannende Fragen aufpoppen: Führen Frauen anders? Warum sind Frauen in den Führungsetagen unterrepräsentiert? Und so weiter. Solche Fragen wollen im Master evidenzbasiert beantwortet werden. Das geht also über einen kurzweiligen Weiterbildungstag oder -Modul hinaus – und in die Tiefe. Man soll damit auch handfeste Hebel der Veränderung in die Hand bekommen.

Nun startet der Master in Ismaning/Berlin erst im Sommersemester 2024. Was man im Beitrag liest, ist folglich Zukunftsmusik. Auch wenn man davon ausgehen muss, dass der Master akkreditiert wurde und sich so einem „Qualitätscheck“ hat stellen müssen. Trotzdem wird also Werbung für noch ungelegte Eier gemacht. Fast beiläufig wird im Beitrag darüber berichtet, dass es ähnliche Programme schon längst gibt – kleiner und kürzer – beispielsweise an der ESMT Berlin oder der Universität Mainz. Wirklich zu vergleichen wäre der HAM/DHGS-Master jedoch mit einem berufsbegleitenden Master der Universität Münster. Dort heißt der Master aber, auch wenn ganz viel „Female Leadership“ und Diversity Management drinsteckt, „Führung und Personalmanagement“. Und er läuft schon erfolgreich in der vierten Kohorte.

Und die Inhalte?

Was wir im Beitrag inhaltlich erfahren, stammt fast ausschließlich vom Münsteraner Wirtschaftspsychologieprofessor Guido Hertel. Er berichtet von Forschungsergebnissen zu unterschiedlichen Verhandlungstaktiken von Frauen und Männern, die den Gender-Pay-Gap erklären können. Oder von kleinen, aber offensichtlich wichtigen Unterschieden im Führungsverhalten. Dies führt er auf die soziale Rollentheorie zurück. Die Geschlechter werden mit unterschiedlichen Erwartungen konfrontiert. Frauen sollen sich eher kommunaler (demokratisch, mitarbeiterorientiert) verhalten, Männer eher agentisch (durchsetzungsstark). Erfüllen sie diese Erwartungen nicht, produziert das eine soziale Bestrafung. „Starke“ Frauen oder „schwache“ Männer bekommen Führungsprobleme. Solches sei schon lange bekannt und erforscht.

Das könnte man jetzt abnicken und zum Tagesgeschehen übergehen. Aber einleuchtend ist, dass ein genaueres Verständnis, eines, das über Allgemeinplätze und Stammtischweisheiten hinausgeht, in der Wirtschaft Verbreitung finden sollte. Insofern sind solche Master mit Sicherheit wichtig. Aber vielleicht schießt man mit dem Ausflaggen als „Female Leadership“ auch übers Ziel hinaus? Stellen Sie sich einmal vor, da bewirbt sich jemand mit einem solche Masterabschluss (mit Prädikatsexamen) in Ihrem Unternehmen. Was werden Sie (und Ihre Kolleg:innen) über sie (oder ihn) wohl denken? – Sehen Sie … Vielleicht ist der Ratschlag „Bloß nicht die Fahne hissen!“ doch gar nicht so dumm und abwegig …

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