4. März 2024

Das Beste aus der Fachliteratur

Der verdammte Körper

INSPIRATION: Wissensarbeit ist Kopfsache. Denken wir. Aber was fühlen wir? Das spielt keine Rolle im Business … Mit welchen ideologischen Scheuklappen sind wir eigentlich unterwegs? Das kann nicht gut gehen.

Der Autor (Spürst du noch was?) hat den richtigen Schuldigen gefunden, wenn er den französischen Philosophen René Descartes für das Desaster verantwortlich macht, das der Neuzeit die Leib-Seele-Spaltung vermachte. Aber er wäre sicher auch noch Jahrhunderte früher fündig geworden. Die Abwertung des Leibs war immer schon religiös bedingt. Umso strahlender konnte man dem (blutigen, unreinen, sterblichen) Fleisch den (klaren, reinen) Geist gegenüberstellen. Oder die unsterbliche Seele – auf ihrem Weg zum Himmel.


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Ich persönlich ziehe übrigens den Begriff Leib dem des Körpers vor. Weil ich im Begriff Körper schon eine Abwertung sehe. Darüber können auch nicht Fitnesstrend und Körperkult hinweghelfen. Denn sie sind Teil derselben. Aber, sei es drum. Autor Hans Rusinek hangelt sich nach dem Cliff Hanger letztens (Rasender Stillstand) weiter vor: Ist New Work lediglich Old Work mit Tischtennis? Wir verheizen den Planeten! Es wäre naiv, die New-Work-Diskussion nicht auf dieser Basis zu führen. So sein Statement, das Beachtung verdient. Jetzt nimmt er unseren Umgang mit dem Körper in den Blick: „Hat eine Arbeitswelt, die auf Selbstmedikation durch Schmerzmittel, Zeitdruck und natürlich Kaffee angewiesen ist, um den Körper unter Kontrolle zu bringen,“ langfristig Erfolg?

Business as usual wird keinen Erfolg haben in der Arbeitswelt der Zukunft, das ist das klare Fazit des Autors. „Für eine Arbeitswelt, der es aber auf ein Herausarbeiten aus dem Status Quo ankommt, etwa in den Bereichen digitale Transformation, CSR oder New Work heißt dies im Umkehrschluss, dass ein Verstehen des Körpers eine so zentrale, wie derzeit vernachlässigte Aufgabe ist.“ Er verweist auf die Forschung zu „embodied cognition“. Die uns wohlbekannt ist (Die Rückkehr der Gefühle). Hans Rusinek betrachtet zwei Veränderungsdimensionen:

  • Gänsehaut im Management: „Unser Denken beginnt mit Gänsehaut,“ zitiert er den Philosophen Byung Chul Han. Wir müssen Emotionen ernst nehmen und lernen, sie als kompetente Sinnstrukturen zu begreifen. „Führung und Fühlung muss eine neue Synthese eingehen,“ konstatiert der Autor, ohne das weiter auszuführen.
  • Thinking outside the Brain: Es gibt weitere Orte als das Büro oder die Produktionshalle. Wir müssen die Räumlichkeit wieder als Ressource entdecken, die uns die ganze Welt erschließt. Die Zukunft braucht einen holistischen Zugang. Auch das wird nur kursorisch gestriffen.

Leider sind für mich viele Gedanken in diesem Text nur angerissen. Und auch, wenn ich ahne, dass nun noch ein Teil 3 der Artikelserie kommen wird, vermute ich, dass ich wohl doch das ganze Buch (Work-Survive-Balance) werden lesen müssen, um meine Neugier zu befriedigen.

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