24. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Flexteams

PRAXIS: Dass unsere Gesellschaft ein enormes Problem im Gesundheits- und Pflegesystem bekommen wird, haben die meisten wohl inzwischen begriffen. Auch, dass uns hier der Fachkräftemangel besonders hart treffen wird, und dies wie so oft vor allem diejenigen, die eher nicht die Mittel haben, sich selbst zu versorgen bzw. die entsprechenden Leistungen einzukaufen.

Gleichzeitig sind die Arbeitsbedingungen für diejenigen, die in dem Bereich arbeiten, alles andere als ideal. Mal ganz abgesehen von der Bezahlung: Während Büro-Jobs ins Homeoffice verlegt werden können und immer mehr Menschen ihre Arbeitszeit daher flexibel gestalten können, fällt diese Möglichkeit für Pflegekräfte flach. Mit der Konsequenz, dass immer mehr von ihnen sich nach anderen Tätigkeiten umschauen, selbst wenn sie ihren Beruf lieben (Heute hier, morgen dort).


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Arbeitszeiten

Es sind, neben der Bezahlung, vor allem die Arbeitszeiten, die ihnen zu schaffen machen. Es sind nicht nur der Schichtdienst und die Wochenendarbeit, der ein Familienleben massiv beeinträchtigen können, sondern auch die vielen Überstunden. Selbst an ihren freien Tagen müssen sie ständig damit rechnen, angerufen zu werden, weil jemand ausgefallen ist. Verständlich, wenn mancher dann erst gar nicht mehr ans Telefon geht.

Ist nun mal so? Nicht wirklich. Es gibt Kliniken, in denen es gelang, einen Pool an Springern aufzubauen, diese bilden die sogenannten Flexteams. Menschen, die bereit sind, nicht nur an sehr unterschiedlichen Zeiten zu arbeiten, sondern auch an wechselnden Einsatzorten. Der Deal geht so: Die Mitarbeitenden sagen, wann sie arbeiten möchten, dafür darf der Arbeitgeber sie immer dort einsetzen, wo gerade Bedarf besteht. Etwas, dass Mitarbeitende im Normalfall eher gar nicht mögen. Man stelle sich vor, man kommt morgens auf seine Station und erfährt dann, dass hier im Moment nicht so viel zu tun ist und man deshalb heute auf einer anderen eingesetzt ist (Floating).

Der Flex-Deal

Aber offensichtlich gibt es genügend Menschen, die bereit sind, für verlässliche Arbeitszeiten an unterschiedlichen Orten zu arbeiten. Der eine Mitarbeiter möchte gerne in der Woche nur von 8.00 bis 14.00 Uhr, der nächste hat nichts gegen Wochenend-Dienste. Die Dritte mag sogar Nachtschichten, die Vierte wünscht sich drei Monate Auszeit und ist bereit, dafür neun Monate sowohl am Wochenende als auch nachts zu arbeiten. Mit dem Flexteam klappt das, zwei Dinge vorausgesetzt: Der Pool ist groß genug, d.h. es finden sich viele Menschen, die als Springer arbeiten möchten. Und sie sind bereit, sich auf vielen Stationen einarbeiten zu lassen, Neues zu lernen, um ein breites Spektrum abdecken zu können. Sie sind also fachlich extrem breit aufgestellt.

Damit die Leitung planen kann, müssen die Beschäftigten im Flexteam zusagen, die vereinbarten Arbeitszeiten mindestens drei Monate einzuhalten. Das funktioniert? Offensichtlich. Man hat nun die Wahl: Entweder klassischer Schichtdienst, dafür ein festes Team und einen vertrauten Arbeitsplatz, oder aber selbst gewählte, verlässliche Arbeitszeiten, dafür aber ständige Wechsel der Kollegen und des Arbeitsortes. Beides nicht ideal, werden diejenigen sagen, die in ihren Büros oder im heimischen Wohnzimmer vor dem Bildschirm sitzen. Für die Betroffenen aber ein echter Fortschritt.

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