KRITIK: Führen agile Arbeitspraktiken dazu, besser mit hohen Arbeitsanforderungen umzugehen zu können? Oder produzieren sie vielmehr Selbstausbeutung, Konflikte und Stress? Solche Fragen werden seit einigen Jahren kontrovers diskutiert.
Eine Forschungsstudie (Healthy New Work) – vermutlich eine wissenschaftliche Abschlussarbeit – nimmt das „Job Demands-Resources“-Modell als theoretischen Rahmen. Dieses vor 20 Jahren in der Arbeitspsychologie entwickelte Modell hat sich in der Wissenschaft inzwischen bewährt und etabliert. Es postuliert, dass hohe Arbeitsanforderungen nicht direkt in Überforderung, Stress und Burnout führen müssen. Bedingung dafür ist allerdings, dass die Mitarbeitenden zugleich auf Ressourcen zugreifen können. Wer nun leichtfertig glaubt, damit das Perpetuum Mobile des Arbeitslebens gefunden zu haben, sollte zunächst genauer hinschauen, was mit Ressourcen gemeint ist. Denn die haben es in sich: Selbstorganisation, Handlungsspielraum, soziale Unterstützung, gute Führung und gute Organisation.
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Geht Agilität zulasten der Gesundheit?
Potenzielle „Ausbeuter“ werden sich da bedanken und schnell verabschieden. Es sei denn sie kommen auf die schlaue Idee, das Ding in Richtung Selbstausbeutung zu drehen. Genau solche Kritik wird seit geraumer Zeit an agilen Arbeitsmodellen geäußert. Die entscheidende Frage lautet folglich, ob Agilität zulasten der Gesundheit geht.
Als Arbeitsanforderungen nahmen die Forscher:innen aus Leipzig Arbeitslast, Zeitdruck und Arbeitsunterbrechungen in den Blick. Zugleich gingen sie – wie das schon die Selbstbestimmungstheorie postuliert – davon aus, dass Autonomie, Feedback und Unterstützung durch die Kollegen solche entscheidenden Grundbedürfnisse sind, die in agilen Arbeitskontexten besonders zum Tragen kommen. Oder kurz gesagt: Die agilen Prinzipien bedingen eine gute Arbeitsgestaltung, die wiederum die Gefahr emotionaler Erschöpfung verringert. Zugleich begünstigt die agile Praxis die Entwicklung von Ressourcen, die wiederum das emotionale Engagement positiv beeinflussen. Eine Win-win-Situation.
Der „Doppel-Wumms“
Die Forscher bauten sich ein Design mit zwei Messzeitpunkten auf und akquirierten Personen, die in agilen Teams arbeiten, als Studienteilnehmerinnen. Zunächst wurden die Praktiken erhoben. Sechs Wochen später wurden die Arbeitsanforde…
