17. Juli 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Ist Erfolg erblich?

KRITIK: Oh weh, die ewige Frage: Wie groß ist der Anteil der Gene an unserer Persönlichkeit? Oder anders ausgedrückt: Hängt es mehr von unseren Genen ab, ob wir im Leben erfolgreich sind, als wir das wahrhaben möchten? Dieser Frage widmet sich die Verhaltensgenetik, und dafür muss sie ordentlich Kritik einstecken. Das Problem: Die Fragestellung wird sofort zum Politikum: Die einen fühlen sich in der Annahme bestätigt, dass nun mal Menschen gibt, die von Natur aus anderen überlegen sind. Was diejenigen auf den Plan ruft, die behaupten, Gene spielen gar keine Rolle. Und alle, die sich mit dem Thema wissenschaftlich befassen, der Mittäterschaft beschuldigen.

So auch die Psychologin Kathryn Paige Harden, die an Universität Austin in Texas forscht, ein Lehranstalt, deren Vergangenheit nicht gerade rühmlich ist. Die Rassentrennung wurde dort erst 1956 aufgehoben, aber auch danach wurden Schwarze vom Campus noch lange ferngehalten (Die Entschlüsslerin des Erfolgs). Klar, dass die Reaktionen auf solche Forschungen zwiegespalten sind.


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Heißes Thema

Sachlich gibt es offenbar gute Argumente für den Einfluss der Gene. Spätestens seitdem es gelungen ist, die menschliche DNA zu entschlüsseln, lassen sich Zusammenhänge zwischen bestimmten Mustern und Persönlichkeitseigenschaften wie Fleiß oder Lernbereitschaft feststellen. Die Muster können auch bei bestimmten Bevölkerungsgruppen den Erfolg im Schulsystem relativ gut vorhersagen – ähnlich gut wie z.B. das Haushaltseinkommen der Eltern.

Womit wir schon beim Punkt sind: Für unseren Erfolg gibt es viele Faktoren. Dass hierbei auch unsere Persönlichkeit eine Rolle spielt, dürfte klar sein. Dass diese von unseren Genen als auch von unserer Sozialisation geprägt wird, ebenso. Was ist daran so aufregend? Mal an einem einfachen Beispiel illustriert: Wessen Gene eine Körpergröße von 1,65 m ermöglichen, der wird kein erfolgreicher Hochspringer, egal wie stark er gefördert wird. Ist er damit anderen unterlegen? Lediglich im Wettkampf, denn er kann natürlich für seine (!) Verhältnisse immer noch mächtig hoch springen. Oder mit dem Beispiel von Frau Harden: Wer kurzsichtig auf die Welt kommt, kann mit einer Brille immer noch gut sehen, aber in bestimmten Berufen hat er damit kaum eine Chance.

Überflüssige Forschung?

Stellt sich also eine ganz andere Frage: Wozu diese Forschung? Ein Kritiker hält sie für „Müll“, bestenfalls für sinnlos. Finde ich nicht. Schauen wir mal, was theoretisch aus dieser Wissenschaft erwachsen könnte. Wie immer bei genetischen Forschungen könnte jemand auf die Idee kommen, im Erbgut herumzuspielen, um Kindern eine bessere Chance zu ermöglichen. So wie man vielleicht schon von einer bestimmten Augen- oder Haarfarbe aus dem Reagenzglas träumt. Das ist aber das generelle Problem dieser Wissenschaft. Wobei wir hier im Moment noch ganz entspannt bleiben können: Es gibt nämlich nicht DAS Erfolgsgen, die Kombination, die bestimmte Persönlichkeitseigenschaften bestimmt, ist komplex.

Viel spannender ist eine zweite Schlussfolgerung: Klar ist, dass das mit dem „alle Menschen kommen mit den gleichen Chancen auf die Welt“ Unsinn ist – sowohl, was die Umweltbedingungen als auch was ihre genetischen Voraussetzungen betrifft. In beiden Fällen sind es aber die Verhältnisse, die bestimmen, was Erfolg bedeutet. Im Sport ist das klar geregelt: Jemand, der 1,65 m groß ist, betreibt eben keinen Hochsprung als Leistungssport, und wer kurzsichtig ist, wird kein Scharfschütze. Beide können aber auf anderen Gebieten erfolgreich sein – so sie denn gefördert werden.

Unser Schulsystem begünstigt aber bestimmte Menschen. Und, so eine Erkenntnis aus dieser Forschung, nicht nur diejenigen, die in bestimmte familiäre Verhältnisse hineingeboren werden. Sondern auch diejenigen mit bestimmten genetischen Kombinationen. Statt nun zu streiten, ob der Erfolg mehr vom einen oder anderen abhängt, sollte man sich vielleicht mal über die Definition von Erfolg nachdenken. Und darüber, ob wir allen Menschen tatsächlich die gleichen Chancen einräumen wollen. Dann müsste man tatsächlich an den Verhältnisse ansetzen, da hätte man (mehr als) genug zu tun. Um wie viel einfacher ist es da zu argumentieren: „Nun ja, ihr oder ihm fehlen eben bestimmte Gene, da kann man nichts machen…“

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