2. März 2024

Das Beste aus der Fachliteratur

Mit dem Hammer behauen

INSPIRATION: Das Narrativ von den Generationenunterschieden ist dumm und falsch. Generationenübergreifende Zusammenarbeit ist Trumpf. Aber will man das in den Unternehmen hören? Oder möchte man lieber die Vorurteile pflegen?

Ich wiederhole mich vermutlich: Die Beiträge dieses Autorenduos gehören seit Jahren zum Besten, was die Zeitschrift PERSONALquarterly zu bieten hat. Kurz und knapp bringen sie wichtige Erkenntnisse auf den Punkt. Dieses Mal: Generationenstereotype und Generativität (Unternehmen sollten Generativität fördern und Generationenstereotypen entgegenwirken).


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Ich mache es – ad 1: Generationenstereotype – annähernd so kurz wie die Autoren: „In der Personalpraxis wird die Bedeutung von Generationenunterschieden häufig herausgestellt, eine wissenschaftliche Basis zu größeren Unterschieden der Werte und Einstellungen zwischen den Generationen gibt es allerdings nicht.“ Punkt! Thema erledigt. Und zwar seit zehn Jahren mit überwältigender empirischer Evidenz. Was etliche Medien und Verlage nicht davon abhält, immer wieder das Feuer anzufachen. Warum? Offensichtlich kann man viel Geld damit verdienen, Vorurteile zu bedienen. Auch wir haben das mehrfach kritisiert, beispielsweise (Mit- statt Gegeneinander).

Generativität – ad 2 – nennt man das „Motiv älterer Beschäftigter, jüngeren Kolleginnen und Kollegen etwas Positives zu hinterlassen“. Solches kennen Baby Boomer (grins!) aus eigener Erfahrung: Unsere Kinder sollen es einmal besser haben als wir! Auch im Business ist dieses Motiv zu beobachten: Die Alten würden gerne den Jüngeren ein Erbe hinterlassen, ihnen Hilfestellungen geben auf dem Karriereweg. Eigentlich eine wunderschöne Vorstellung: Da zeigt mir jemand seine Tricks und, wo die Fettnäpfchen stehen.

Was für ein Geschenk!

Doch wollen die Jüngeren solches von Oma und Opa überhaupt hören und annehmen? Halten sie die Älteren nicht doch für Dinosaurier (s.o.)? Die gute Botschaft fürs People Management vorab: Generativität hängt positiv mit personalwirtschaftlichen Erfolgsgrößen zusammen. „Insgesamt zeigen sich positive und mittelstarke Zusammenhänge zwischen Generativität und personalwirtschaftlichen Erfolgsgrößen wie Motivation (r=0,43) und Zufriedenheit (r=0,34).“ Man müsste also mit dem Klammerbeutel gepudert sein, solche Effekte nicht zu nutzen. Die Älteren, die Jüngeren, das ganze Unternehmen – nur Gewinner.

Nun kann man über die kausale Richtung solcher querschnittlichen Metaanalysen mit Recht streiten – wobei, wir sprechen hier über Stichprobengrößen von mal eben 70.000 Mitarbeitenden. Die Autoren graben also tiefer: Was sind die Determinanten der Generativität? Zentralität der Arbeit ist wichtig. Das meint, wenn mir die Arbeit viel bedeutet, dann sehen wir einen starken Zusammenhang mit der Generativität. Diese Menschen, nicht die 9-to-5-Arbeiter, haben eine hohe Motivation, etwas an die nächste Generation weiterzugeben. Das sollte man nutzen!

Gold schürfen

Also, ihr Personalentwickler und Geschäftsführer: Coaching und Mentoring sind die geeigneten Maßnahmen. Haut rein! Und, vielleicht sollte man das ergänzen – wir leben leider mit Jugendwahn und Altersdiskriminierung zugleich –, setzt auf generationenübergreifende Zusammenarbeit. Und verweigert Euren Senior Experts nicht die Weiterbildungen und das Ausschleichen in Teilzeit: Das Wissen und die Erfahrung in deren Köpfen ist Gold wert. Ihr müsstet mit dem Hammer behauen sein …

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