30. August 2025

Management auf den Punkt gebracht!

Rückkehr der Mikromanager

INSPIRATION: Wenn Menschen in Stress geraten, reagiert das Hirn mit alten Mustern: Die Alarmsysteme springen an, Hormone werden ausgeschüttet, wir schalten in den Kampf- oder Fluchtmodus. Das Großhirn wird zwar nicht ganz ausgeschaltet, aber zumindest in seiner Aktivität eingeschränkt. Es versucht, die Oberhoheit über die Strukturen im Kopf zurückzugewinnen und für Sicherheit zu sorgen.

Was das mit Mikromanagement zu tun hat? Nun, wenn alles glatt läuft, können Manager den Mitarbeitenden Autonomie gewähren und sie machen lassen. Aber wenn der Druck wächst (sei es von außen oder von oben), dann gerät halt auch der hartgesottenste Manager in Stress. Und eine Art, die Sicherheit zurückzugewinnen, ist Kontrolle. Wenn man schon die Lage nicht im Griff hat, dann zumindest im Kleinen. Dort, wo man glaubt, sich auszukennen (Zähme den Kontrollfreak in dir!).


Anzeige:

Manchmal stecken wir fest: in der Zusammenarbeit, in Veränderungsprozessen, in Entscheidungs-Zwickmühlen oder in Konflikten. Dann kann Beratung helfen, die Bremsen zu lösen, um wieder Klarheit und Energie zu entwickeln. Wir unterstützen Sie mit: Führungskräfte-Coaching, Teamentwicklung, Konflikt- und Organisationsberatung. Zur Webseite...


Das kann z.B. so aussehen, dass man die Mitarbeitenden im Homeoffice in Ruhe lässt. Und sich sogar freut, dass sie offenbar genauso gut ihren Job machen wie am Schreibtisch in der Firma. Doch wenn dann die Zahlen ins Wackeln geraten, dann setzt der Reflex ein, und dann lautet die Frage nicht: „Was braucht Ihr, um besser voranzukommen?“. Sondern: „Was macht Ihr eigentlich den ganzen Tag?“. Worauf regelmäßige Statusberichte eingefordert werden und neue Meetings angesetzt werden, um zu überprüfen, ob alle auch wirklich fleißig sind.

Motivationskiller

Eine Geschichte, die ich nie vergessen habe. Ich hatte in meinem Angestelltendasein eine Chefin, die mir offenbar sehr vertraute – ich durfte selbstständig Schreiben an interne Kunden aufsetzen und diese – nach Rücksprache – versenden. Bis eines Tages die ersten Briefe zurückkamen, in denen einzelne Sätze verändert oder gar einzelne Worte ausgetauscht worden waren. Nicht nur, dass ich mich fragte, warum sie damit ihre Zeit verschwendete, sondern vor allem, meine Zeit. Und meine Motivation in den Keller trieb.

Die Botschaft ist klar: Wir wollen auf Nummer sicher gehen, vertrauen dir nur bedingt und nehmen in Kauf, dass alles länger dauert und für kreative Aufgaben weniger Zeit bleibt. Denn das ist die logische Konsequenz: Wenn die Gestaltungsfreiheit eingeschränkt wird, leidet die Bereitschaft, eigenständig zu handeln und zu denken. Was gerade in schwierigen Zeiten dringend erforderlich ist.

Eine weitere Konsequenz: Warum sollte noch jemand selbstständig entscheiden? Also wird er jede Angelegenheit, von der er glaubt, dass sie über den Schreibtisch des Chefs gehen sollte, brav nach oben delegieren. Und anschließend abwarten, bis das Okay kommt. Die Führungskraft kommt zu nichts mehr und regt sich furchtbar über das unfähige Volk unter ihr auf.

Maßnahmen gegen Mikromanagement

Aber was tun dagegen? Die Tipps der Experten: Sich Hilfe von außen holen, die eigenen Muster analysieren und sich bewusst entscheiden, loszulassen. Ach nee, ich denke, die Sache mit dem Kontrollwahn ist ein Reflex. Haben Sie mal versucht, einen Reflex abzustellen? Tipp Nr. 2: Die Zuständigkeiten klar regeln. Wenn jedem bewusst ist, wo sein Bereich anfängt und wo er endet und wo ihm niemand reinredet, passiert das mit dem nach oben Delegieren sicher seltener. Dann aber muss sich die Belegschaft aber auch trauen, sich zu wehren, wenn die Führungskraft sich in den Zuständigkeitsbereich einmischt. Auch keine Selbstverständlichkeit.

Noch ein Rat: Klar regeln, wer wen über was informieren muss. Wenn ich als Führungskraft weiß, dass ich bei bestimmten Vorgängen in Kenntnis gesetzt werde, dann kann ich schon mal besser schlafen. Sollte aber keine Einbahnstraße sein.

Weiter geht es: Meeting ansetzen, in denen sich alle über den aktuellen Stand gegenseitig informieren. Nicht zu oft natürlich, aber schon so, dass keine größeren Lücken entstehen und dann plötzlich hektisch reagiert werden muss. Zwischen den Meetings aber die Leute in Ruhe arbeiten lassen.

Und schließlich: Eine Regel einführen, nach der sich jeder Mitarbeitende drei Fragen stellt, ehe er andere damit belästigt: „Was ist genau das Problem? Was habe ich bisher versucht, es zu lösen? Wer außer meinem Chef kann mir helfen, es zu lösen?“ Dazu haben wir doch kürzlich einen schönen Entscheidungsbaum gefunden (Einführung von Führungsrollen). Nun, auch das ist nett gemeint, setzt aber wieder voraus, dass die Führungskraft still hält, wenn sie keine Anfragen mehr bekommt. Was unter Stress schwer fällt – siehe oben.

Teile diesen Beitrag:

Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

Alle Beiträge ansehen von Johannes Thönneßen →

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert