21. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Das Runde ins Eckige

KRITIK: Führung und Fußball, das sind zwei Themen, die gerne in einem Atemzug genannt werden – und immer wieder Anlass für Missverständnisse geben. Da freut man sich, insbesondere, wenn die Natur einem das Fußball-Gen vorenthalten hat, die Sache mal aus berufenem Munde erklärt zu bekommen (Führen lernen mit Vorbildern: Beispiele vom Fußballfeld). Professor Jens Rowold und sein Team von der TU Dortmund machen das klar und plakativ: Jürgen Klinsmann steht für den transformationalen, Joachim Löw für den transaktionalen, Martina Voss-Tecklenburg für den instrumentellen, Felix Magath für den destruktiven und Carlo Ancellotti für den Laissez-faire-Führungsstil. Was für eine schöne (?) holzschnittartige Typologie! Das lacht das Herz des „einfachen“ Mannes, der sich in seinen Stereotypen bestätigt sieht.

Doch der Beitrag schlägt einen abrupten Haken: „Bei der Kommunikation von Fußballtrainern und -trainerinnen muss man zwischen öffentlicher und interner Kommunikation unterscheiden“, argumentieren die Autoren, um sogleich eine weitere Typologie aufzuklappen: Der aufmerksame (Joachim Löw), der dominante (Huub Stevens) und der beeindruckende (Jürgen Klopp) Kommunikationsstil werden beschrieben. Warum jedoch Führungs- und Kommunikationsstile zu unterscheiden sind, und ob und wie sie zusammenhängen, wird nicht erklärt und lässt die Leserschaft in tiefes Grübeln verfallen.


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Typologien – wie langweilig

Die Autoren überraschen abschließend mit der Feststellung: „Alle hier genannten Führungspersönlichkeiten waren oder sind sehr erfolgreich. Es zeigt sich jedoch, dass einige Führungsstile eher nachhaltig und vorbildlich sind als andere.“ Jetzt müsste der Clou kommen – kommt aber nicht. Es wird stattdessen auf mehrere hundert wissenschaftliche Studien verwiesen, die zur Erkenntnis geführt hätten, dass transformationaler und transaktionaler Führungsstil am erfolgreichsten seien. Instrumentelle Führung sei auch nicht schlecht, aber negative sei (natürlich!) negativ. Ein integratives, ausbalanciertes Führungsmodell (was dann nicht mehr ausgeführt wird) sei aber am allerbesten. Da muss man erst einmal tief Luft holen …

Hundert Jahre Führungsforschung und dann eine solch lapidare Antwort? Die Damen und Herren Forscher haben dem Beitrag sogar einen kleinen Textkasten spendiert, in dem drei wissenschaftliche Quellen aufgeführt werden. Seltsam bloß, dass darin die Metaanalyse von Judge & Piccolo (2004), die die Überlegenheit der transformationalen gegenüber der transaktionalen Führung eindrücklich belegt, fehlt. Auch auf das Konzept des Full Range of Leadership wird nicht eingegangen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, die Dortmunder halten sich mit Absicht bedeckt. Die gegnerischen Mannschaften dürfen auf keinen Fall einen Vorteil erhalten.

Der Fußballfan mag ergänzen: Wird bei dieser Betrachtung nicht ausgeblendet, dass die Erfolge nicht nur der 13. „Mann“ allein einfährt, sondern elf Spieler und das Publikum ihren gehörigen Anteil daran haben? Solches lehrt doch schon Bert Brecht in „Fragen eines lesenden Arbeiters“ (1928). Und heißt das heute nicht postheroische Führung?

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