12. September 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Den Stachel ins Fleisch piksen

INSPIRATION: Eine wunderschöne Geschichte des Kulturwandels im fernen Indien. Fast zu schön, um wahr zu sein. Aber selbst, wenn sie geschönt sein sollte – wir können viel davon lernen für das Change-Management.

Im Sommer 2014 setzte die Autorin (Gestört, gestärkt, gewachsen) einen besonderen Impuls: Sie ließ mitten in einem indischen Dorf einen Skatepark errichten. Spinnert? Oder eine Intervention der besonderen Art? Ulrike Reinhard, die sich selbst eine digitale Nomadin nennt, reiste durch den „Wilden Westen“ Indiens auf Einladung eines Landlords ins unscheinbare Dorf Janwaar. Dort schien die Zeit stillzustehen. Und der Landlord hatte die Idee, die Deutsche zu bitten, in seinem „Reich“ ein Sozialprojekt zu starten. Denn damit hatte die Autorin schon Erfahrungen sammeln können, und der Landlord hoffte auf etwas touristische Publicity.


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Ulrike Reinhards Idee war verrückt: ein Skatepark. Warum gerade das? „Wegen der Kultur des Sports Skateboarding.“ Sie ist Gegenkultur – nicht nur in westlichen Ländern. „Es geht beim Skateboarding um Ungehorsam, Widerstandsfähigkeit und darum, seinen eigenen Weg zu finden.“ All das war in Janwaar kein Thema. Der Skatepark trifft also auf das Dorf wie ein Meteorit aus heiterem Himmel: Antimaterie auf Materie – eine völlige Irritation!

Eine verrückte Idee

Nun ist das die Methode, mit dem systemisch denkende Beraterinnen gerne arbeiten. Und Ulrike Reinhard stammt aus dieser Denkschule. Sie hat etliche Zeit mit der Mastermind-Legende Peter Kruse zusammengearbeitet, habe ich mal recherchiert. Was genau hat sie also damals gemacht? Sie trifft auf einen Ort, der hermetisch in sich ruht. Und beschließt einen Clash of Culture. „Natürlich wusste ich nicht, was (!) durch diese Intervention geschehen würde, aber ich wusste, dass (!) etwas geschehen würde.“ Ganz schön mutig! Wobei – einige Jahre zuvor hatte sie ein ähnliches Experiment in Afghanistan ausprobiert. Das lief nicht ganz so, wie sie sich das gedacht hatte. Die Erfahrungen aus diesem Projekt lehrte sie, dass es sinnvoll wäre, einige Spielregeln für das Experiment zu setzen. In der Synergetik, der systemtheoretischen Richtung, die hierzulande noch weniger Beachtung findet als die inzwischen zur Pop-Kultur avancierte Luhmannsche Lehre, nennt man solche Kontrollparameter. Ulrike Reinhard setzt also bewusst drei Bedingungen:

  1. Der Skatepark wird als „offenes System“ konzipiert. Er ist für alle zugänglich, es gibt keinen Zaun, keinen Gatekeeper und er steht mitten im Dorf. Man kann ihn nicht ignorieren. Er ist wie eine offene Wunde. Und wird ständig von allen beobachtet.
  2. Spielregel Nr. 1 für die User: „No School, no Skateboarding“. Keine Konkurrenz zur Dorfschule, sondern eher ein Anreiz für diese. Spielregel Nr. 2 für die User: „Girls first!“. Eine „Frauenquote“: „Wenn es nicht genug Skateboards für alle gibt, muss ein Junge sein Board an ein Mädchen, das ihn darum bittet, abtreten.“
  3. Partizipation: Nicht Ulrike Reinhard bestimmt die Richtung des Wandels, sondern die Dorfbewohner. Sie ist bloß Beraterin.

Na ja, ganz so blauäugig ist die Beraterin nicht vorgegangen. Sie hat sich nicht nur ein paar Locals als Unterstützer gesichert, sondern auc…

Thomas Webers

Dipl.-Psych., Dipl.-Theol., Fachpsychologe ABO-Psychologie (DGPs/BDP), Lehrbeauftragter der Hochschule Fresenius (Köln), Business-Coach, Publizist

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