15. Juli 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Doppelrolle

SATIRE: Man stelle sich mal vor, der Chef von Aldi ist gleichzeitig der Chef von Edeka. Nur mal zum Spaß. Undenkbar? Sollte man meinen. Aber tatsächlich ist der Chef von VW auch gleichzeitig CEO von Porsche. Nicht ganz vergleichbar? Ich finde schon. Aber dafür hinkt der Vergleich mit der Doppelrolle „Eigentümer“ und „Manager“. 

Bekanntlich bin ich ein Freund von Doppelspitzen – und zwar nahezu auf jeder Führungsposition, gar nicht mal unbedingt an der Unternehmensspitze. Mehr noch: Ich würde die Führungsaufgabe gerne noch auf viel mehr Schultern verteilen. Aber eine Doppelrolle? Bei der ein CEO zwei börsennotierte Unternehmen führt? Die zudem noch aus einer Branche stammen? Der zwei Büros belegt, zwei Sekretariate hat, zwei Kalender, zwei Laptops, zwei Gehälter – und alles strikt voneinander getrennt, versteht sich. 


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Wie soll das funktionieren? Auf das Beispiel von oben bezogen: Da tagt der Vorstand von Edeka und macht sich Gedanken über die Preisgestaltung, speziell bei Markenartikeln. Die werden auch bei Aldi angeboten, davon sollte der Chef des Konkurrenten möglichst nichts erfahren. Da er aber gleichzeitig der eigenen Chef ist, wird es schwierig. Einfache Lösung: Wenn es um Themen geht, die das andere Unternehmen betreffen, verlässt der CEO den Raum. Schließlich könnte er ja in einen Interessenkonflikt geraten.

Interessenkonflikte

Sie finden das absurd? Weil Sie denken: „Naja, dann liest er natürlich nachher auch nicht das Protokoll, erfährt auch von keinem Vorstandskollegen, wofür sich das Gremium entschieden hat, übt auch vorher keinerlei Einfluss auf die anderen aus …“ Ein anderes Szenario: Man ist auf der Suche nach einem neuen Manager und diskutiert einen Kandidaten. Der CEO weiß, dass auch das andere Unternehmen an dem potenziellen Manager interessiert ist, aber er sagt natürlich nichts. Und erzählt auch im anderen Vorstand nichts davon. Das Gleiche bei Verhandlungen mit Lieferanten. Oder gar bei Geschäften untereinander – dann sitzt der CEO praktisch auf beiden Seiten des Verhandlungstisches.

Irgendwie nicht nur seltsam, sondern völlig unrealistisch, sollte man meinen. Und doch führt ein Manager gleichzeitig die Auto-Großgewichte VW und Porsche und findet, dass diese Doppelrolle so manche Vorteile hat (Zwei Jobs sind einer zu viel). Manche Dinge kann man sich nicht ausdenken.

Den Autoren der Wirtschaftswoche war das nicht Thema genug für einen Artikel und sie vergleichen diese Art der Doppelrolle mit der eines Eigentümers in Familienunternehmen auf der einen und die des Managers auf der anderen Seite. Hier hätten auch beide unterschiedliche Interessen. Wirklich? Als Eigentümer bin ich interessiert, dass das Unternehmen gesund, langfristig erfolgreich, profitabel ist, für Kunden und alle Stakeholder Nutzen stiftet und sinnvolle Produkte herstellt. Woran sonst? Und welche Interessen eines Managers könnten diesen Zielen in der Doppelrolle widersprechen?

Oder ist damit gemeint, dass Eigentümer möglichst viel Gewinn abschöpfen möchten? Dahinter steckt wohl eher eine bestimmte Vorstellung von einem Investor, der zum Beispiel auf der einen Seite als Chef eines in Schieflage geratenen Unternehmens darum kämpfen sollte, dass die Schuldner von ihren Forderungen abrücken, als Geldgeber aber natürlich gerne seine Forderungen durchsetzen möchte. 

Aber all das ist wohl nichts im Vergleich zu den Interessenkonflikten, die man als CEO zweier Unternehmen hat. Da behauptet doch allen Ernstes ein Experte, dass man diese Konflikte durch klare Regeln und Strukturen lösen kann. Zum Beispiel durch ein „Kooperationsboard“, wie es bei VW eingerichtet werden soll. Oder ein Vertragswerk, das vorschreibt, wie zu entscheiden ist. Dass der CEO tatsächlich den Raum verlässt, wenn Interessenkonflikte drohen. Diese Vorkehrungen seien im Aufbau, sagt man bei VW. Das ist mal so richtig spaßig: Da werden also Strukturen und Regeln geschaffen, damit ein Mann als Doppelspitze keinen Unsinn anrichten kann. Statt das Naheliegenste zu tun: Auf die Doppelrolle zu verzichten. Was für ein Superheld dieser Oliver Blume sein muss und wie erbärmlich dagegen all die anderen CEOs wirken, die lediglich einen Konzern führen. Da fällt einem als Steigerung nur noch Elon Musk ein …

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