31. Oktober 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Grausam

INSPIRATION: Es gibt sicherlich viele Jobs, die wenig Wertschätzung erfahren, obwohl die Gesellschaft sie zum Funktionieren benötigt. Es gibt offensichtlich auch solche, die verschämt versteckt werden, von denen wir möglichst wenig erfahren sollen. Die Rede ist von „Content Moderatoren“. Das sind Menschen, die von den großen digitalen Plattformen beschäftigt werden, in Call Center-artigen großen Büros in Ländern mit geringem Lohnniveau sitzen und im Schichtdienst unliebsame Inhalte löschen. Eine Medienwissenschaftlerin hat sich mit ihrer Situation beschäftigt, und was sie beschreibt, ist grausam (Die Ausputzer des Internets).

Die Tätigkeit muss man sich ungefähr so vorstellen: Die Mitarbeiter, die in der Regel in outgesourcten Unternehmen angestellt sind, erhalten gemeldete Inhalte auf dem Bildschirm angezeigt. Dann entscheiden sie auf Basis der Richtlinien und mehr oder weniger ausführlicher Kontextinformation nach eigenem Ermessen, ob sie den Text, das Bild oder das Video löschen. Manche dieser „Moderatoren“ sind auf bestimmte Inhalte spezialisiert – man mag sich kaum vorstellen, was das wohl sein wird.


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Die „Müllabfuhr“ des Internets

Hinzu kommt, dass die Technik oft veraltet ist, was dazu führt, dass es eine Weile dauert, bis die Inhalte verschwunden sind – also müssen sie diese länger als unbedingt nötig anschauen. Ist der Inhalt verschwunden, wird der nächste angezeigt. Und so geht das den ganzen Arbeitstag. Bezahlt werden sie in der Regeln nach „Produktivität“, was in diesem Fall bedeutet: Nach der Anzahl der Einträge, die sie bearbeitet haben. Dazu gibt es Kontrollen, d.h. der Vorgesetzte überprüft stichprobenartig, ob die Entscheidungen korrekt waren – nach seinem Ermessen.

Die Tätigkeit ist für die Unternehmen zwar wichtig (schließlich können üble Inhalte dem Image schaden, Werbetreibende vergraulen oder rechtliche Probleme erzeugen), aber natürlich auch extrem lästig. Entsprechend schlecht bezahlt wird sie, und sie hat einen extrem schlechten Stellenwert. Klar, dass hier auch nicht sonderlich in neue Technik investiert wird. Wer nun denkt, das könnten doch intelligente Algorithmen übernehmen, der wird enttäuscht: Diese können höchsten Routinefälle übernehmen, Spam aussortieren, der schon bekannt ist.

Sündenfresser

Auch ganz bitter: Die Menschen, die dort arbeiten und sich als „Sündenfresser“ oder „Müllabfuhr“ bezeichnen, benötigen eigentlich eine ziemlich große kulturelle und sprachliche Kompetenz. Sie müssen z.B. bestimmte Symbole erkennen, die für Nazi-Inhalte stehen. Was ihre Arbeit auch erheblich aufwerten könnte: Sie erkennen sicherlich Trends …

Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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