22. April 2024

Management auf den Punkt gebracht!

20% Liebe

INSPIRATION: „Liebe was du tust, und du musst nie mehr arbeiten“, sagen die einen und erklären anderen, wie sie zum Traumjob gelangen. „Arbeit als Broterwerb ist völlig okay, Erfüllung findet man auch im Privaten“, sagen die anderen und halten die Vision, nur noch das zu tun, was man wirklich mag, für Unsinn, vielleicht sogar für gefährlich.

Ein „Speaker und Performance-Experte“ namens Buckingham erklärt nun, welche Rolle Liebe am Arbeitsplatz spielt (Liebe ist die mächtigste Kraft in der Wirtschaft). Und das ist im Grunde sehr einfach: Es ist eine Sache zu sagen: „Der Film hat mir Spaß gemacht, er war unterhaltsam und interessant.“ Aber es ist eine andere Sache zu sagen: „Ich liebe diesen Film“. Im zweiten Fall hat uns etwas berührt, wir fühlen uns „klüger, weiser oder größer“.


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Eine Art Schwellenwert

Wie sieht das bei der Arbeit aus? Auch ganz einfach: Wir brauchen hier jeden Tag Dinge, die wir sehr gerne tun. Ohne solche Dinge gibt es kein Lernen, keine Kreativität, keine Innovation, und auf Dauer werden wir krank. Bei einer Studie der Mayo-Kliniken in den USA, bei der die Ursachen von Burnout untersucht wurden, fand man heraus, dass Mitarbeitende die besten Ergebnisse erzielten, wenn sie mindestens 20% ihre Tätigkeiten liebten. Soll heißen: Wir brauchen keinen Traumjob. Niemand, egal was er behauptet, ist rund um die Uhr mit etwas beschäftigt, das er liebt. Aber offenbar gibt es eine Art Schwellenwert, wenn man unter diesem liegt, drohen negative Auswirkungen.

Stellt sich die Frage, ob man nicht durch andere Dinge, also neben seinem Job, sei es Hobby, Ehrenamt oder durch Erfüllung in der Familie, der Partnerschaft, dem sozialen Umfeld, die Defizite „auf der Arbeit“ ausgleichen kann. Aber auch dort gibt es diesen Idealzustand nicht. Man kann sich das so vorstellen: Unsere Erfahrungen bewegen sich auf einem Kontinuum: Auf der einen Seite machen wir ausbeuterische Erfahrungen, in der Mitte transaktionale und auf der anderen Seite zutiefst menschliche Erfahrungen. Vieles spielt sich irgendwo in der Mitte ab: Wir erbringen Leistungen oder bezahlen oder tun etwas für andere und erhalten dafür Gegenleistungen. Aber ohne diese tiefen menschlichen Erfahrungen nehmen wir Schaden, und die Idee, eine Schieflage in einem Lebensbereich woanders auszugleichen, ist unrealistisch.

Wertschätzung bekommen

Mir gefällt der Gedankenansatz gut. Es mag sein, dass man eine Zeitlang lauter ungeliebte Tätigkeiten ausführen kann ohne krank zu werden. Und natürlich hilft es, wenn man dafür in anderen Lebensbereichen über den genannten 20% liegt. Aber auf Dauer wird es schwierig. Umgekehrt ist es tröstlich zu erfahren, dass man nicht alles an seinem Job lieben muss, um keinen psychischen Schaden davon zu tragen.

Und der Arbeitgeber? Hier sind laut Buckingham die Führungskräfte gefragt. Und das Mittel der Wahl heißt: Miteinander reden. Na sowas. Aber eben nicht einmal im Jahr im Mitarbeiterjahresgespräch, das alle hassen, sondern regelmäßig. 15 Minuten in der Woche genügen, wobei einfache Fragen ausreichen: „Wie war die letzte Woche – was hat dir gefallen oder missfallen?“ und „Woran arbeitest du zur Zeit und wie kann ich dir dabei helfen?“

Natürlich habe ich meinem Spaß, wenn ich lese, dass auch er empfiehlt, auf Kompetenzmodelle, standardisierte Feedbackprozesse und starre Karrierelevel ebenso zu verzichten wie auf komplexe Mitarbeiterbefragungen. Menschen sind viel zu individuell, ihre Bedürfnisse zu verschieden, als dass man diese mit solchen Systemen erfassen und ihnen gerecht werden kann. Bittere Nachricht für alls Personalstrategen, die ihre Organisation mit solchen „Tools“ quälen. Was können sie stattdessen tun?

Spuren und Erinnerungen

Auch dazu findet sich in dem Interview ein interessantes Beispiel. Beim Sportartikelhersteller Lululemon. Wenn man in eines seiner Geschäfte geht, hängen dort Fotos ehemaliger Mitarbeiter. Damit wird signalisiert: Was auch immer unsere Mitarbeiter als nächstes machen – wir schätzen sie, wir helfen ihnen, ihre Ziele zu erreichen und zu wachsen. Was natürlich auch dem Unternehmen hilft: Sie werden damit zu Botschaftern des Unternehmens. Interessant, oder? Schauen Sie mal, ob es in den Unternehmen, in denen sie beschäftigt waren, noch Spuren von ihnen gibt. In dem Moment, in dem sich die Tür hinter Ihnen schließt, werden eher alle Erinnerungen an Sie getilgt.

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