4. März 2024

Das Beste aus der Fachliteratur

52 Challenges

PRAXIS: Sich coachen zu lassen bedeutet immer, sich auf neues Gebiet zu wagen, von alten Gewohnheiten und eingefahrenen Mustern zu verabschieden. Und auch, sich mit seinen Ängsten auseinander zu setzen, die sich in diesen Momenten zu Wort melden. Dieses „Tool“ ist eine Art langfristiges Trainingsprogramm.

Die Idee ist einfach: Der Klient sucht sich Woche für Woche eine Aufgabe, die für ihn eine Herausforderung darstellt, und das ein ganzes Jahr lang. Das können kleine Dinge sein wie mit dem Rad zur Arbeit zu fahren, dem eigenen Chef mitzuteilen, wie man sich seine Aufgabe vorstellt, dem Nachbarn zu sagen, dass das Rasenmähen in der Mittagszeit stört, sich für ein Verhalten zu entschuldigen usw. Aber natürlich auch größere Herausforderungen wie um eine Gehaltserhöhung zu bitten, die Arbeitsstelle zu wechseln…


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Gut nachzuvollziehen, dass es Menschen ungemein stärken kann, wenn sie feststellen, dass sie diese Angst auslösenden Situationen bewältigen. Nach einem Jahr sind es „nicht mehr dieselben wie vorher… der Unterschied ist beeindruckend“ (52 Challenges). 

Praktisch läuft das so ab: Der Coach fragt, ob der Klient bereit ist, etwas Neues auszuprobieren, an den angesprochenen Limitierungen und Ängsten zu arbeiten. Er macht deutlich, dass es mit Anstrengungen verbunden ist, auch unangenehm sein wird, aber auch mit vielen Erfolgserlebnissen einhergehen wird. Zur Vorbereitung bittet er ihn, ein paar Minuten lang intensiv an Situationen zu denken, die ihm Angst oder zumindest Respekt einflößen. 

Wenn der Klient sich diese vorstellt, achtet der Coach sehr genau auf seine die Art der Reaktion, auf Mimik und Körpersprache. Wird deutlich, dass allein diese Vorstellung Panik und die Tendenz zum Weglaufen auslöst, wird das Vorgehen eher nicht geeignet sein. Zeigt sich aber ein gewisse Neugier oder sogar Vorfreude, sich den betreffenden Situationen zu stellen, kann es weiter gehen. 

Der Coach bittet den Klienten, fünf bis acht solcher Respekt einflößenden Situationen aufzuschreiben. Das muss nicht in der Sitzung selbst geschehen, sondern kann auch als „Hausaufgabe“ mitgegeben werden.

In der nächsten Sitzung schaut der Coach, ob die Motivation für die Umsetzung nach wie vor gegeben ist. Dann wird festgelegt, wann der Klient mit dem „Training“ beginnt, vielleicht auch, mit welcher Aufgabe (wobei es nicht wichtig ist, diese dem Coach mitzuteilen), am besten mit klarem Startdatum und sogar der Uhrzeit. 

Auf diese Weise nimmt sich der Coachee Woche für Woche eine neue Herausforderung vor. Der Coach begleitet ihn, hilft ihm, hinderliche Glaubenssätze und innere Antreiber zu reflektieren, indem z.B. diese Reflexion fester Bestandteil jeder Sitzung ist. Dabei sollte er sehr genau darauf achten, welche Wirkungen auftreten. Die emotionalen Reaktionen können heftig sein. Wenn die Ängste verstärkt auftreten und es dem Klienten nicht gelingt, seine Vorhaben umzusetzen, sollte das Tool abgebrochen werden und eine psychotherapeutische Behandlung zum Umgang mit den angstbesetzten Situationen nahegelegt werden.

Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits glaube ich, dass es tatsächlich extrem befriedigend sein kann, sich seinen Ängsten zu stellen und zu bemerken, zu welchen Dingen man in der Lage ist, ohne dass die Katastrophe eintritt. Ich glaube auch, dass ein solches „Training“ (ich finde, es ist mehr Training als Coaching-Tool) einen großen Effekt hat und die eigenen Handlungsoptionen deutlich erweitert. 

Andererseits: Wie viele Coachingsitzungen werden hier nötig sein? Was, wenn ich den Coach nur in größeren Abständen treffe und dann berichte, dass ich die Aufgaben nicht angegangen bin? Wie stark muss hier „gecoacht“ werden? Man kennt ja schon von einfachen „Trainingsprogrammen“ die Schwierigkeit, sie durchzuhalten – wie groß muss da die Motivation und die Kraft sein, sich Woche für Woche seinen Ängsten zu stellen? Der Coach sollte in der Tat sehr sorgfältig hinschauen, ob ein Klient hierfür „geeignet“ bzw. bereit ist.

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