5. April 2025

Management auf den Punkt gebracht!

Digitale Totalkontrolle

INSPIRATION: Was passiert, wenn wir wissen, dass wir bei etwas beobachtet werden? Unser Gehirn unterdrückt gewisse Areale, die für die Koordination der einzelnen Hirnregionen zuständig sind. Soll heißen: Wir können uns auf das Eigentliche nicht mehr konzentrieren, erklärt der Neurowissenschaftler Henning Beck in seiner Kolumne in der Wirtschaftswoche (Wer zu viel misst, der misst: Mist).

Das kennen wir aus Prüfungssituationen oder aus Präsentationen. Bei der Generalprobe klappte alles noch prima, aber wenn wir vor Publikum stehen, das jeden Fehler mitbekommt, setzt das Hirn aus. „Selbst routinierte Gedankengänge können komplett aus dem Ruder geraten.“


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Übertragen auf das Phänomen der digitalen Überwachung: Was passiert wohl, wenn, zum Beispiel im Zuge des Homeoffice-Booms, die Arbeitgeber dazu übergehen, die Tätigkeiten ihrer Mitarbeiter mit Hilfe digitaler Tools genauestens zu verfolgen? Ist ja längst Realität: Anzahl der Tastenanschläge, Besuch von Webseiten, Verweildauer auf Webseiten, Häufigkeit und Länge von „Nicht-Aktivitäten“. Das Phänomen ist auch nicht neu, man denke nur an die Messung von Kundenkontakten und Gesprächen in Call-Centern.

Kontrolle lähmt

Becks Vermutung ist, dass die Produktivität eher zurückgeht. Eben weil wir ahnen, dass wir gerade beobachtet und vermessen werden, wird unser Denken im Chaos versinken. Wir werden uns nicht mehr auf das Eigentliche konzentrieren können. Sondern parallel immer mitdenken, dass das, was wir gerade tun, kontrolliert wird. Mal ganz abgesehen davon, dass wichtige „Zutaten“ zur Produktivität wie Wissen, Ideen, Begeisterung und Motivation von den digitalen Messgeräten gar nicht erfasst werden können.

Aber all das wird wohl diejenigen, die glauben, einen neuen Weg zur Kontrolle gefunden zu haben, kaum davon abhalten, so etwas wie einen „Productivity Score“ zu erheben (Microsoft). Einfach weil es möglich ist. Und vermutlich werden die „Heimwerker“ irgendwann auch vergessen, dass sie kontinuierlich vermessen werden, unser Hirn ist ja auch sehr anpassungsfähig. Aber spätestens, wenn Arbeitgeber Konsequenzen ziehen („Sie haben in der letzten Woche deutlich unterdurchschnittlich viele Tastenanschläge getätigt! Was war denn da los?“), werden wir reagieren. Jede Wette, dass Menschen zudem sehr erfinderisch sein werden, solche Systeme auszutricksen. Schade eigentlich, diese Kreativität könnte man besser nutzen …

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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