INSPIRATION: Eine seltsame Vorstellung? Drei Brüder gründen ein Unternehmen und halten jeweils ein Drittel der Anteile. Das Sagen aber hat ein Geschäftsführer, der von außen engagiert wurde. Die Gründer haben sich ins zweite und dritte Glied zurückgezogen.
Mal ehrlich: Welcher Unternehmer hat denn automatisch auch das Zeug zum Geschäftsführer? Eine gute Geschäftsidee und der Mut zum unternehmerischen Risiko qualifizieren noch lange nicht für strategische Entscheidungen und Führungsaufgaben. Aber kann die „Zurückstufung“ funktionieren?
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Bei FabFab (einem Online-Stoffeversand) hat man den Rollenwechsel offenbar bewältigt. Von den drei Brüdern hat sich einer aus dem Geschäft zurückgezogen, der zweite ist Abteilungsleiter, der dritte gar nur Teamleiter in der dritten Ebene. Die Geschäfte werden von einem erfahrenen Manager geleitet, der das Unternehmen in die Gewinnzone führen soll.
Das klingt, als bräuchte man für eine solche Entscheidung viel Mut. Ob das alles ohne Querelen abgelaufen ist, erfahren wir in dem Beitrag „Vom Chef zum Mitarbeiter“ im Handelsblatt nicht. Immerhin ist einer nicht mehr mit an Bord. Einen Hinweis, warum die Konstruktion funktioniert, findet sich in dem Satz: „Unser Ziel war immer, eine Firma zu schaffen, die etwas Besonderes ist.“ Ohne eine solche „Vision“ stelle ich mir so eine Konstruktion schon schwierig vor.
Voraussetzung, dass es funktioniert, sind klare Aufgabenbeschreibungen für alle Führungspositionen. Das klingt banal, aber dürfte in der Praxis gar nicht so oft vorkommen. Die Grenzen einer jeden Position müssen klar klar skizziert werden und jeder muss sich an seine Aufgabenbeschreibungen halten, das erfordert Disziplin. Vor allem vermutlich bei den Unternehmern, die schließlich einen Angestellten als Chef respektieren müssen.
Mir gefällt die Idee – weil hier ganz deutlich wird, dass „Chef“ nur eine Rolle ist, die dem Funktionieren der Organisation dient. Wäre mal interessant zu erfahren, wie der Geschäftsführer sich fühlt, wenn er eine Entscheidung trifft, die bei den ihm „untergeordneten“ Inhabern mal nicht so gut ankommt.
Wie auch immer: Inhaber von Unternehmen, die gerne mitmischen wollen, aber spüren, dass das Management ihrer Firma sie mehr fordert als sie in der Lage oder bereit sind zu erbringen, die aber auch nicht ganz aussteigen möchten, wäre das vielleicht eine Option.
