18. August 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Kopfmenschen

INSPIRATION: Ein eher gesellschaftliches Thema – oder eines, das auch Manager und Führungskräfte unmittelbar betrifft? Ich glaube, letzteres ist der Fall. Mehr noch: Aus dem Unternehmensalltag lässt sich einiges ableiten über die aktuelle Diskussion um Verdrossenheit vieler Menschen mit Politik und Eliten. In der Wirtschaftswoche beschreibt Sven Böll, dass viele Top-Manager sehr verunsichert sind, mehr noch – ein Personalberater wird zitiert: „Ich habe noch nie so viel Angst in den Chefetagen erlebt.“ (Die verunsicherte Elite).

Gemeint ist, dass viele in den Top-Etagen, mehr vermutlich noch in den Spitzen der Politik, nicht nachvollziehen können, warum ein Großteil der Menschen so unzufrieden sind. Dort sitzen eben vor allem Kopfmenschen, die aus Excel-Tabellen ablesen, wie es um uns bestellt ist. Die Statistik zeigt, dass es den meisten deutlich besser als je zuvor. Die Wirtschaft boomt, viele haben Arbeit und verdienen mehr als früher, wir werden immer älter und das bei besserer Gesundheit, können überall hinreisen und unseren Kindern Ausbildung und Studium ermöglichen.


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Warum diese Wut?

Soll heißen: Natürlich gibt es heute wie zu allen Zeiten Menschen, denen es nicht so gut geht. Und die gute Gründe haben, sich zu beschweren. Weil die Mieten steigen, sie nur mit mehreren Jobs überleben können, ihre Kinder nicht in gute Schulen schicken können oder nicht wissen, wie sie mit einer kleinen Rente über die Runden kommen sollen. Das gab es aber schon immer, und deutlich schlimmer. Wenn es aber viel mehr Menschen heute wirtschaftlich besser geht – warum dann diese Wut? Und das quer durch alle Bevölkerungsschichten?

Weil es hier um Gefühle und nicht um Geld geht. Weil viele verunsichert sind und nicht wissen, ob sie noch eine Zukunft in der Welt der Globalisierung und Digitalisierung haben, so ein Teil der Erklärung. Weil heute Minderheiten über die sozialen Medien Stimmungen verbreiten können, die sonst kaum zu Wort kamen. Weil wir an die Grenzen des Wachstums stoßen und es nur noch schlechter werden kann. Früher gab es ein „Aufstiegsversprechen“, das eingehalten wurde: Wer vom Land in die Stadt ging, verbesserte sich. Wer sich weiterbildete, ebenfalls. Mit Fleiß und Einsatz machte man Karriere. All das ist in Gefahr, und wenn Bestehendes oder vermeintlich Sicheres nicht mehr sicher ist, führt das zu Angst. Erklärt das die Wut? Zum Teil schon.

Unsicherheiten

Fragen wir uns mal selbst an ganz einfachen Beispielen wie diesem: Wir haben eine Festanstellung und ein sicheres Gehalt. Wir bekommen eine Gehaltserhöhung und ne…

Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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