KRITIK: Dank der Erkenntnisse der Neurowissenschaften wissen wir jetzt, wie man Mitarbeiter wirklich motiviert. Man muss sie überraschen. Das ist großartig. Aber Blödsinn. Wieso? In der Wirtschaftswoche erklärt der Neurobiologe Henning Beck, dass Motivation ein Zustand ist, der sich im Hirn einstellt, wenn man lange genug wartet. So wie Hunger. Also muss man als Chef nur abwarten, bis das Hirn des Mitarbeiters Lust auf Arbeit bekommt (So motivieren Sie Ihr Team)?
Natürlich nicht. Man kann nämlich Motivation anlocken. Etwa so, wie man Appetit mit einem duftenden Gericht weckt vermutlich. Womit wir doch wieder beim Motivieren sind.
Und womit lockt man Motivation an? Mit Belohnungen, genau. Aber man darf es nicht machen wie an Weihnachten, wenn das Gehirn mit ganz vielen Geschenken rechnet. Da kann man maximal die Erwartungen erfüllen, meist aber eher enttäuschen. Also kein Bonus-Ritual am Ende des Jahres. Stattdessen?
Die Neurowissenschaft bestätigt, dass das Gehirn sich ganz doll freut, wenn man es überrascht. Es jubelt vor lauter Motivation, wenn es nicht mit der Belohnung gerechnet hat. Und am besten direkt nach der Handlung, die man belohnen möchte, dann nämlich kapieren wir auch, wofür wir belohnt werden.
Und das Größte ist: Dabei spart man auch noch Geld! Denn das Gehirn guckt gar nicht auf die Höhe der Summe, sondern freut sich ein Loch in den Bauch über kleine Geschenke, die über das Jahr verteilt vergeben werden.
Was lernen wir daraus? Weihnachten wird abgeschafft, wir schenken uns lieber spontan hin und wieder eine Kleinigkeit, das spart richtig Kohle. Was der Wirtschaft allerdings kaum gefallen wird.
Mal im Ernst: Glaubt wirklich jemand, dass man Mitarbeiter mit kleinen Überraschungen zu Höchstleistungen treibt? Mag ja sein, dass der Hirnscan bunte Flecken zeigt, wenn man Menschen mit spontanem Lob überfällt. Aber ist unser Gehirn nicht ein bisschen schlauer? Ein kleines Bisschen wenigstens? So dass es erkennt: „Mensch, da kommt er wieder mit seinem kleinen Geschenk und hofft, dass ich ihm um den Hals falle. Das kann er sich sonst wo hinstecken und lieber mal diejenigen am Gewinn beteiligen, die ihn eingefahren haben!“
Liebe Neurobiologen, hört auf, Menschen zu veräppeln.
