8. Januar 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Nachfolge-Zeitreise

PRAXIS: Es gibt eine ganze Reihe dieser Art von Coaching-Übungen, die auch gerne in Teams eingesetzt werden. Die Klienten werden gebeten, sich in die Zukunft zu versetzen und aus dieser Perspektive heraus Ideen für ihre Aktivitäten in der Gegenwart zu entwickeln (Blick zurück aus der Zukunft). Ich arbeite auch sehr gerne mit solchen Tools, wenn Menschen sich schwer tun, Prioritäten zu setzen und ratlos sind, wie es in ihrem Leben weitergehen soll.

Das folgende Tool kommt zum Einsatz bei Klienten, die vor der Übernahme ihres Familienunternehmens stehen und sich mithilfe des Coachs darauf vorbereiten wollen. Und weil sie den schwierigen Prozess für sich und auch den Übergebenden harmonisch gestalten wollen.

Alles, was es dazu braucht, sind Moderationskarten und ein Flipchart oder, wer gerne mit Bodenankern arbeitet, ein Band, um einen Bereich auf dem Fußboden zu markieren.

Der Ablauf in fünf Schritten

1. Einstimmung

Der Coach erklärt, dass das kommende Ereignis ein ganz besonderes ist und vermutlich nur zweimal im Leben geschieht: Einmal bei der Übernahme des Unternehmens und dann wieder, wenn es an den eigenen Nachfolger übergeben wird. Deshalb schlägt er einen Perspektivenwechsel vor, und zwar dergestalt, dass sich der Klient in den Moment versetzt, in dem er selbst das Unternehmen in vielen Jahren übergibt.

2. Vision erkunden

Als erstes wird der Bereich der Zukunft auf dem Boden markiert. Sodann nennt der Klient eine Jahreszahl, in der er vermutlich das Unternehmen weitergeben wird. Diese Zahl wird auf einer Moderationskarte in den Bereich gelegt.

Nun tritt der Klient in den Bereich und versetzt sich in das Jahr. Der Coach hilft mit Fragen, sich in diese Zeit hineinzuversetzen. Die Erkenntnisse werden auf Moderationskarten notiert und in der Zukunft abgelegt.
Die Fragen betreffen:

  • die Zukunft des Unternehmens: Wo steht es? Was bietet es an? Was hat sich geändert in der Zeit?
  • die Umgebung: Wie sehen die Arbeitsplätze aus? Das Büro des Klienten? Besondere Orte?
  • die Mitarbeitenden: Wer sind die wichtigsten Verbündeten? Wie sind seine Beziehungen zu ihnen? Welche Werte vertritt der Klient als Unternehmer?
  • Kunden und Lieferanten: Wer sind diese? Welche sind neu? Wie sind die Beziehungen? Wie ist sein Ruf als Unternehmer?
  • die Familie: Wie ist die Eigentümerstruktur? Wer ist noch aktiv dabei? Wie sind die Beziehungen innerhalb der Familie?
  • der Klient: Worauf ist er stolz? Was hat er geändert? Wie blickt er auf seine Zeit als Unternehmer zurück?

3. Übergabe des Unternehmens

Der Klient befindet sich immer noch in der Zukunft, ist aber nun selbst in der Situation des Übergebenden. Auf andersfarbigen Karten werden die Ergebnisse der nächsten Fragen notiert, die sich am gleichen Schema orientieren. Nun aber in Bezug auf die Zeit nach seinem Ausscheiden:

Was soll vom Unternehmen bleiben und darf sich nicht verändern? Welche Sorgen hat er? Was passiert mit dem Büro? Was nimmt er mit? Wie reagieren die Mitarbeitenden auf sein Ausscheiden? Wie reagieren die Kunden und Lieferanten? Was, wenn die Beziehungen sich verschlechtern? Wer aus der Familie übernimmt das Unternehmen? Welche Rolle spielt er selbst bei der Übergabe? Wie stellt er sich sein Leben danach vor? Wo könnte er sich sinnvoll engagieren?

4. Reflexion

Nun geht es zurück in die Gegenwart, auf neuen Karten werden die Antworten auf weitere Fragen notiert:

  • Wie fühlt es sich als Übergebender an?
  • Was davon könnte auch für den aktuellen Übergebenden gelten?
  • Welche Wünsche hätte er als Übergebender an seinen Nachfolger in der jetzigen Situation?
  • Was kann er tun, um die Situation zu erleichtern?
  • Was möchte er als erstes umsetzen?
  • Was kann er allein umsetzen, wobei braucht er Unterstützung und von wem?

5. Vertiefung

Sinnvolle Tools zur weiteren Unterstützung der Vorhaben können sein:

  • Ein Brief aus der Zukunft an sich selbst – vom Zukunfts-Ich an das heutige Ich mit den wichtigsten Tipps.
  • Eine Sprachnachricht aus der Zukunft – für alle, die nicht so gerne schreiben.
  • Eine Visualisierung der Erkenntnisse in Form einer Collage oder eines Bildes.

(Nach: Nadia Wachter – Die Nachfolge-Zeitreise: Aus der Zukunft lernen. Coaching Magazin, 03/2025, S. 41-44)

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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