1. März 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Gründe-Haltung

PRAXIS: Ich mag die kurzen Tipps von Martin Wehrle in der managerSeminare. Die Idee dahinter ist, Haltungen und Techniken aus der Coaching-Praxis in den Führungsalltag zu integrieren, sprich: Was für Coachees funktioniert, sollte auch einem Mitarbeitenden gut tun. Das passt meines Erachtens nicht immer, aber es lässt doch meist auf Situationen übertragen, die alltäglich für uns alle sind. Will sagen: Wenn wir alle uns im Umgang mit unseren Mitmenschen etwas von einer Coaching-Haltung aneignen würden, hätte das viele Vorteile.

In diesem Tipp geht es um vorwurfsvolle Fragen (Die Gründe-Haltung): „Wieso ist das Essen noch nicht fertig?“ – „Was hast du dir dabei gedacht?“ – „Wie sieht es denn hier aus?“. Bei all diesen Fragen geht es nicht um Erkenntnisgewinn. Sie drücken Enttäuschung aus und werden als Vorwurf wahrgenommen. Und auf Vorwürfe reagieren Menschen mit Rechtfertigung oder Gegenangriff – schöner Startpunkt für einen Streit.


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Für alles gibt es gute Gründe

Die „Gründe-Haltung“ bedeutet, dass wir stets davon ausgehen sollten, dass andere Menschen immer einen Grund für ein Verhalten haben, und diesen Grund kennen wir nicht, auch wenn wir das glauben. Wenn der Mitarbeiter, den wir gut kennen, die Unterlagen noch nicht fertiggestellt hat, vermuten wir „mal wieder“ Unorganisiertheit. Oder Nachlässigkeit. Oder Faulheit. Was auch immer.

Das mag stimmen, aber es hilft wenig, wenn wir den Vorwurf in eine Frage kleiden: „Wo bleiben denn die Unterlagen?“ Der Tipp von Martin Wehrle: Erfragen Sie die Gründe. „Wir haben vor vier Tagen vereinbart, dass Sie bis gestern die Unterlagen fertigstellen wollten. Jetzt ist schon Freitag, und mir liegen sie nicht vor. Bitte erklären Sie mir, woran das liegt.“

Wer so freundlich gefragt wird, der ist eher bereit, sich in der Sache zu äußern und nicht sofort in eine Verteidigungsposition zu verfallen, so die These. Das Beispiel für Eltern: „Erkläre mir doch bitte, was dich davon abgehalten hat, dein Zimmer aufzuräumen!“

Gründe für die eigene Reaktion nennen

Vielleicht ist das ein Nachteil der kurzen Artikel – mitunter greifen die Tipps zu kurz. Ich glaube, dass eine so formulierte Frage nicht ausreicht, um die Vorwurfswahrnehmung abzuschwächen. Natürlich hängt das auch davon ab, mit welchem Ohr der andere bevorzugt hinhört. Oder welche Erfahrungen er mit mir gemacht hat. Aber wenn ich aufgefordert werde, die Gründe für mein „Versagen“ zu nennen, kann ich das schwerlich rein sachlich aufnehmen.

Klar ist, dass es gut wäre, wenn wir immer davon ausgingen, dass jeder Mensch gute Gründe für das hat, was er tut. Und nicht, dass dahinter eine negative Absicht steht. Klar ist aber auch, dass solche Fragen immer dann gestellt werden, wenn man enttäuscht ist, sich ärgert oder gar richtig sauer ist. Dann wäre es vielleicht besser, erst mal den eigenen Ärger zu äußern und auch die Gründe hierfür: „Wir hatten abgemacht, dass die Unterlagen bis vorgestern fertig sein sollten. Jetzt ist Freitag, und ich habe sie immer noch nicht. Das regt mich auf, weil ich jetzt in Verzug komme und fürchte, am Wochenende nacharbeiten zu müssen. Da ich nicht weiß, was dich bisher davon abgehalten hat, frage ich jetzt mal nach. Woran lag es?“

Auch noch nicht perfekt, weil damit ja immer noch keine Lösung in Sicht ist. Aber ein Anfang ist gemacht, und anschließend kann man dann an die Klärung der nächsten Schritte gehen.

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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