22. Januar 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Macht der Stifte

PRAXIS: Da scheint die Digitalisierung durch nichts mehr aufzuhalten zu sein, und dann kommt ein Unternehmen daher und erklärt, dass bei ihm Stifte und Zettel eine Hauptrolle spielen. Nein, nicht als Produkte, sondern als Medien. Wie das?

Beim Maschinenhersteller Grimme treffen sich die Mitarbeitenden jeden Morgen zu Beginn der Schicht, um 6:00 Uhr und schauen auf eine Tafel. Dort kleben alle möglichen Zettel, die Symole stehen für Arbeitsunfälle, Produktion, Probleme usw. Da können auch mal solche ”Kleinigkeiten” wie ”Ein Staubsauger steht im Weg” auftauchen. Für ihn muss ein neuer Platz gefunden werden. Nach spätestens 10 Minuten gehen alle an die Arbeit (Die Macht der Stifte). Das Procedere findet parallel an 42 solcher Tafeln statt – jeden Morgen.

Kennt man? Na klar, solche Boards finden man in vielen Produktionsstätten. Aber werden sie auch so konsequent genutzt wie hier? Zwei Stunden später das gleiche Bild, nun sitzen die Leiter der verschiedenen Teams zusammen. Und wieder geht es um Alltägliches: Wie viele Krankmeldungen? Gab es Arbeitsunfälle? Qualitätsmängel? Da werden auch wieder ”Kleinigkeiten” wie eine unsaubere Schweißnaht besprochen und Maßnahmen festgelegt.

Meeting-Kaskade

Um 9:45 Uhr das nächste Treffen, das Management-Information-Center (MIC). Auch Schaltzentrale genannt. Wieder geht es um Krankenstand, Urlaubszeiten, Arbeitsunfälle, Produktionsmängel. Auf diese Art und Weise erfahren alle Bereiche, was bei den anderen los ist. Und welche Auswirkungen das auf die eigene Arbeit hat.

Zwei Dinge finde ich besonders interessant: Vor der Einführung dieser Treffen war die Skepsis groß. Viele befürchteten, dass dabei zu viel Zeit draufgehen würde. Also stellte man eine Uhr und versprach, dass es maximal 10 Minuten dauern würde. So ist es bis heute, die Zeit wird selten ausgeschöpft.

Und es kommt vor, dass Produktionsmitarbeiter je nach Thema ihre Führungskräfte zu den höheren Meetings begleiten – dort stellen sie dann fest, dass hier tatsächlich über ihre Themen gesprochen wird und entschieden wird, was zu tun ist, um die Probleme zu lösen. Das sorgt nicht nur für Transparenz, sondern auch für Vertrauen.

Vorteil Haptik

Noch mal zur Frage der Konsequenz: Ich kenne viele Firmen, in denen solche kurzen Meetings zu Beginn des Tages irgendwann mal eingeführt, aber auch ebenso rasch wieder eingeschlafen sind. Mag sein, dass der Nutzen in Produktionsbetrieben besonders deutlich wird, aber ich glaube, jede Organisation würde von einer solchen Meeting-Kaskade profitieren. Und was die Zettelwirtschaft betrifft: Sie hat nicht nur den Vorteil, dass die Zettel für alle sichtbar hängenbleiben, sondern Stift und Zettel lassen sich auch noch anfassen. Wenn das mal kein Vorteil gegenüber digitalen Tools ist.

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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