INSPIRATION: Ein Zyniker ist ein Mensch, der aufgehört hat, an das Gute zu glauben. Selbst wenn es ihm begegnet, wird er sich weigern, es anzuerkennen. Wenn andere ihm Hilfe anbieten, wird er ihnen verdeckte Motive unterstellen. Dass sie vermutlich nur etwas von ihm wollen. Wenn ihm jemand auf die Schulter klopft, wittert er Kumpanei. Wenn sich jemand über einen schönen Tag freut, hält er ihn für einen unverbesserlichen Romantiker.
Warum werden Menschen zu Zynikern? Eine Vermutung lautet, dass hinter jedem Zyniker ein enttäuschter Idealist steckt (hat mir eine KI namens Gemini verraten). Und wird auch so in dem Beitrag der Wirtschaftswoche erklärt (Es ist nicht alles schlecht).
Zyniker schaden dem Miteinander. Wer hinter allem nur Ungemach wittert und sich abfällig äußert, der verschreckt seine Mitmenschen – in Teams drückt das die Stimmung und schadet der Leistung. Die Kreativität sinkt, andere ziehen sich zurück oder werden gar selbst zynisch. Ein Teufelskreis.
Zynismus schadet allen
Aber auch der Zyniker selbst leidet. Studien zeigen, dass ihre Gesundheit Schaden nimmt, sie verlieren Freunde und ihre Leistung lässt nach. Sie werden nicht mehr eingebunden in interessante Projekte, und sie werden seltener für Beförderungen vorgeschlagen. Weitere Gründe, um zynisch zu reagieren. Interessanter Aspekt: Auch in Intelligenztests schneiden sie schlechter ab. Was wohl auch für die Menschenkenntnis gilt: Forscher fanden heraus, dass ihre Annahme, alle anderen handeln nur eigennützig, dazu führt, dass sie weniger auf Signale von Gestik und Mimik achten und nicht erkennen, wenn sie übers Ohr gehauen werden.
Alles nachvollziehbar. Mir fällt dabei ein, dass es angesichts der aktuellen Geschehnisse extrem schwerfällt, nicht zum Zyniker zu werden. Oder eher in Fatalismus zu verfallen. Denn man mag ja nicht mal mehr spotten, sondern nur fassungslos, ja hilflos registrieren, wie bisher als allgemein verbindliche Werte und Tugenden auf den Müll geworfen werden. Der Zyniker spottet, der Fatalist ergibt sich in sein Schicksal. Auch nicht viel besser.
Blick in den Spiegel?
Was fangen wir nun mit diesen Erkenntnissen an? Tipps an den Zyniker: Freundlichkeit üben, sich entschuldigen, wenn man registriert, dass man mal wieder einen bösen Kommentar abgelassen hat. Andere bitten, zurückzumelden, wenn man sich im Ton vergriffen hat. Den Kommentar lieber mal herunterschlucken und die Gedanken sortieren.
Tja, all das setzt voraus, dass man unter dem eigenen Zynismus leidet und ihn als Problem erkennt. Da braucht es vermutlich Menschen im Umfeld, die einem den Spiegel vorhalten und deutlich machen, was man da mit sich selbst und anderen anstellt. Führungskräfte sollten hier besonders sensibel sein und früh reagieren, wenn sie zynische Bemerkungen mitbekommen (Zynismusfalle). Was aber sicher alles andere als einfach ist. Vielleicht tauscht man sich vorher mit einem Coach aus. Für ein Gespräch mit einem Zyniker sollte man schon gewappnet sein.
