23. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Selbstnominierung

KRITIK: Bei der Bosch-Tochter BSH Hausgeräte mit 61.000 Mitarbeitern auf allen Kontinenten wurde in einer einjährigen Konzeptionsphase von einem internationalen Team ein neues Talentprogramm namens „Talentify“ entwickelt. Und zwar mithilfe von mehreren „Design Thinking Sprints“. Das macht neugierig, beim Leser kommt Hoffnung auf, spätestens bei dem Satz, dass sich das Programm deutlich von bestehenden Fördermaßnahmen unterscheiden sollte. (Selbst ist das Talent).

Nun weiß ich nicht, was bei BSH zuvor für den Nachwuchs getan wurde, aber das, was hier in einem Jahr mit „Design Thinking“ entwickelt wurde, kommt mir alles andere als innovativ vor – außer den Begriffen. Einen gravierenden Unterschied zu vorherigen Programmen scheint die Tatsache zu sein, dass sich für das neue Programm die Teilnehmer selbst bewerben dürfen und nicht darauf angewiesen sind, dass ihre Führungskräfte sie vorschlagen. Interessanter Nebensatz: Führungskräfte spielen immer noch eine entscheidende Rolle, denn „sie sollen geeignete Mitarbeiter zu einer Bewerbung für das Programm motivieren.“ Weil sie ja am besten einschätzen können, wer Potenzial hat.


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Und der Rest? Er besteht aus vier Teilen:

  1. In der Bewerbungsphase müssen sich die Interessenten mit einem Lebenslauf, einem Essay, einem Pitch-Video und einer Selbstreflexion bewerben. Außerdem führen sie Interviews mit der lokalen HR-Abteilung und einigen Führungskräften. Die zentrale HR-Abteilung trifft dann die endgültige Entscheidung, wer zu dem Programm zugelassen wird. Die abgelehnten Kandidaten erhalten auf Wunsch ein persönliches Feedback zu ihrer Bewerbung.
  2. Es folgt ein zweitägiges Talentify-Lab, ein netter Name für ein Assessment Center mit Rollenspielen und Gruppendiskussionen vor internenen Beobachtern. Hier erhalten die Teilnehmer wertvolles Feedback, die Basis für den resultierenden Entwicklungsplan. Dabei werden „Experiences“ ausgewählt, damit scheinen interne Seminare der hauseigenen Academy gemeint zu sein. Die Teilnahme ist freiwiliig. Zusätzlich können die Teilnehmer auch an „vorübergehenden Projektassignments“ teilnehmen.
  3. Einmal im Jahr findet der Talentify Campus statt, eine Netzwerkveranstaltung, auf der sich die Talente austauschen über ihre Arbeit, ihre Bereiche und Ziele.
  4. Schließlich können die Teilnehmer sich einen „Talent Guide“ wählen, einen erfahrenen Mitarbeiter oder Talent-Alumni, der als Mentor zur Verfügung steht.

Das Programm läuft über zwei Jahre und endet mit einem Entwicklungsgespräch mit der zuständigen Führungskraft. Der Andrang ist groß, es wollen mehr Mitarbeiter aufgenommen werden als es dafür Plätze gibt.

Mit anderen Worten: Eine Variante des klassischen Goldfischteiches, bei dem einmal mehr eine kleine Gruppe einen besonderen Status erhält mit dem Signal: Es gibt Mitarbeiter mit Talent, das offenbar dem Rest fehlt. Oder bei dem es eben nicht ausreicht, um gefördert zu werden. Und ich hatte gehofft, „Design Thinking“ würde tatsächliche Innovationen erzeugen…

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