9. September 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Zum Steinerweichen

Kritik: Das Wesen der Verwaltung liegt in Effizienz und Effektivität. Und das ist gut so. Aber es reicht nicht für die Bewältigung des Lebens in seiner Dynamik und Komplexität. Daher der allgegenwärtige Ruf nach Bürokratieabbau.

Doch er greift zu kurz, greift sogar daneben. Aber so weit geht der Autor (Das Unveränderbare verändern) – leider – nicht. Er verweist auf drei Faktoren, die sich gegenseitig verstärken:


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  • Gesetzmäßigkeit: Verwaltungen setzen Gesetze um. „Im Ergebnis sieht man in der Verwaltung streng normierte Tätigkeiten, deren prozessuale Umsetzung verfahrensrechtlich festgeschrieben ist.“ Das meint Exploitation – nicht Exploration. Das System an Regeln ist komplex und untereinander hochverwoben. Hinzu kommt ein Tarifrecht mit seiner eigenen Rigidität.
  • Organisationsstrukturen: Hier herrschen hierarchische Strukturen. Somit typische Silos. Das System ist stabil und unterkomplex. Kommt die Pandemie, eine Flüchtlingskrise oder eine andere dynamische Entwicklung, erweist es sich als überfordert.
  • Institutionelle Logik: In der Verwaltung herrschen Normen, Werte, Überzeugungen, die das Verhalten der dort Tätigen prägen. Die Organisationskultur ist durch Risiko-Aversivität, Absicherungsdenken und Spezialisierung geprägt. Juristisches Denken dominiert. Und da es keinen „Markt“ gibt, die Verwaltung ein Monopolist ist, sitzt man Probleme lieber aus, als sie zu lösen. Das System reproduziert sich durch eine veränderungsresistent komplettierende Rekrutierungsstrategie.

Verwaltung oder Gestaltung?

Wie kommen wir aus dem Schlamassel heraus? Die Verwaltung abzuschaffen, ist keine Lösung. Da stimme ich dem Autor zu. Es gäbe sonst bloß Willkür, das Recht des Stärkeren. Autor Kaiser schlägt einen hybriden Ansatz vor. Wo so viel Exploitation herrscht, müsste man Exploration hinzufügen. Er rät zu einer Doppelstruktur, der Ambidextrie: Mehr Projekte, mehr Teams, die parallel und quer arbeiten. Das dürfte zusätzliches Geld kosten. Wer ist bereit, das zu finanzieren? Und, Hand aufs Herz: Gibt es nicht andernorts schon genügend Kritik an ambidextren Experimenten?

Das Konstruktionsprinzip der Verwaltung beruht auf dem Ausklammern des Politischen. Sie setzt nur um: Exekutive. Also liegt der Hebel der Veränderung in der politischen Arena: beim Gesetzgeber. Schafft dieser es, gute Gesetze zu beschließen? Oder solche mit einem Haltbarkeitsdatum? Sicher keine dummen Ideen. Doch Autor Kaiser befasst sich nicht damit. Es sind andere Stimmen im Schwerpunktheft, die solche Impulse geben. Torsten Dubbermann beispielsweise (Augenrollen inklusive) gibt zu bedenken, dass die Mitarbeiter in den Verwaltungen nicht bloß Besitzstandswahrer seien, sondern oftmals auch Bewahrer der Güte und Rechtssicherheit. Dieses hohe Gut sehen sie durch die wütenden Attacken der populistischen „Maschinenstürmer“ – zurecht – bedroht. Und dann gibt es da auch noch die Selbstverwaltung in der Verwaltung – also Mitbestimmungsmöglichkeiten. Politische Gestaltungspotenziale bestehen eben …

Thomas Webers

Dipl.-Psych., Dipl.-Theol., Fachpsychologe ABO-Psychologie (DGPs/BDP), Lehrbeauftragter der Hochschule Fresenius (Köln), Business-Coach, Publizist

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