REZENSION: Ralph Schlieper-Damrich (Hg.): Wertecoaching in Krisen: Aus erschütternden Situationen sinnvoll aufbrechen. managerSeminare 2010
Das Buch ist die Fortsetzung des Bandes Wertecoaching. Der Ansatz des Autors und des Teams CoachPro fußt auf der Logotherapie Viktor Frankls. Frankl, Wiener Psychiater, überlebte mehrere Jahre in verschiedenen KZs und entwickelte in dieser Zeit seinen werte- und sinnorientierten Ansatz. Ohne Orientierung auf Werte, ohne Sinn kann das Leben nicht glücken. Das Leben stellt uns Fragen, wir müssen Antworten geben, müssen unser Leben ver-antworten. Das geht nicht ohne Wertestruktur und nur dadurch kann Leben als sinnvoll erlebt werden.
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Schlieper-Damrich führt im ersten Teil des Buches in diese Gedankenwelt ein und schlägt den Bogen zum Coaching, genauer zu einem werteorientierten Coaching in Krisen. Er erläutert, was genau Krisen sind und wie sie verlaufen, Bezug nehmend auf verschiedene Modelle dazu (Petzold, Sonneck, Schuchardt). Er beschreibt außerdem Formen der Krisenintervention, Krisenangst und Sinnkrise.
Im zweiten Teil widmet er sich verschiedenen Methoden der Diagnostik und Methoden, die im Wertecoaching zu Einsatz kommen. Dazu zählen die sinnzentrierte Biografie, das Business-Enneagramm, der Sinnkalender (www.gtgd.eu), die Lebenswerte-Karten (www.wertanalyse.de) und die Osnabrücker Persönlichkeitsdiagnostik. Damit stellt der Autor eine schöne Bandbreite ganz unterschiedlicher Tools vor, die von fachlich Versierten unmittelbar genutzt werden können.
Kapitel 3 widmet sich erneut einem wesentlichen Aspekt der Frankl’schen Logotherapie , dem Geist, genauer, dem Mut zum Geist und dem Zusammenhang mit Willen, Werten und Sinn. Dazu stellt der Autor 10 Thesen vor, die den Transfer in die Coachingpraxis ermöglichen.
Im vierten Kapitel schildern verschiedene Coach-Kollegen insgesamt sieben Fälle, in denen sie unter Einsatz der im Buch vorgestellten – und anderer – Tools Menschen in unterschiedlichen Krisensituationen werteorientiert gecoacht haben. Sowohl die Anlässe als auch die Verläufe decken eine gute Bandbreite ab, so dass sich der Leser ein umfassendes Bild vom konkreten Einsatz machen kann.
Insgesamt ist das Buch gut strukturiert, bietet einen schönen Mix aus Theorie und Praxis an, so dass der Leser ein umfassendes Bild gewinnen kann. Insbesondere die Praxisfälle im vierten Teil sind aufschlussreich. Als einzige Einschränkung für mich als Leserin war der mir bis dahin nicht bekannte logotherapeutische Ansatz Viktor Frankls, weil für mich persönlich in Teilen sperrig und eher schwer verständlich. Man muss, wenn man den Ansatz nicht kennt, vielleicht doch vorher beginnen und Frankls wichtigstes Werk gelesen haben: „Trotzdem Ja zum Leben sagen“.
