21. Oktober 2026

Management auf den Punkt gebracht!

In Würde alt werden

INSPIRATION: Gute Geschichten sollte man weiter erzählen – so wie diese von zwei Menschen, die einst selbst als Gründer mit einer neuen Geschäftsidee aktiv werden wollten. Aber dann entdeckten, dass es jede Menge fertige Ideen gibt, die sie übernehmen und weiterentwickeln konnten. Heute sorgen sie dafür, dass die von ihnen übernommenen Familienunternehmen in Würde alt werden dürfen (Es geht, in neuen Händen).

Das klingt sehr sinnvoll und wirkt ungemein sympathisch. Wobei diese Übernahmen wohl durchdacht sein wollen. Oberstes Prinzip: Man muss sich gut überlegen, ”welche Geschäftsfelder in Zukunft noch Chancen haben”. Keine Frage, solche gibt es noch, und zwar richtig viele. Kann ja auch gar nicht anders sein, wenn die Zahlen stimmen: Bis 2029 planen 109.000 Inhaber kleinerer Unternehmen ihren Rückzug und suchen Nachfolger, viele werden wohl dichtmachen.

Was vom Handwerk verstehen

Dass dabei so manche Geschäftsidee noch Potenzial hat, zeigen die beiden ”Gründer”. Da ist die Seifenfirma, ”Deutschlands älteste Seifenmanufaktur”, seit über 150 Jahren in Familienhand. Am Schluss hatte sie noch fünf Mitarbeitende und war seit Jahren defizitär. Jetzt arbeiten dort 25 Menschen, der Umsatz hat sich auf 4,3 Millionen Euro verfünffacht.

Wie gelingt so etwas? Neben dem Geschäftsfeld mit Zukunft (Seifen werden immer gebraucht!) ist das Wichtigste, dass in dem Unternehmen ”Menschen arbeiten, die ihr Handwerk verstehen.” Was in vielen Traditionsunternehmen, die sich in einem Umsatzbereich zwischen 500.000 und zwei Millionen Euro bewegen, meist der Fall ist. Aber ihnen fehlen Dinge, die heute entscheidend sind: ”Struktur, Marketing, Vertrieb, Digitalisierung”. Genau das bringen die neuen Inhaber mit.

Die richtige Geschichte erzählen

Und dann gilt es, eine Geschichte zu erzählen. Im Fall des Seifenherstellers zogen die neuen Inhaber mit einem Koffer durchs Land und hatten sofort Erfolg. Ladeninhaber wussten nur zu gut, dass ihre Kunden Produkte von regionalen Herstellern mit plastikfreien Verpackungen schätzen – wenn das zudem noch von Deutschlands ältester Seifenmanufaktor stammt, dann ist das eine perfekte Geschichte.

Diese führte die Unternehmer dann zu ihrem zweiten Unternehmen, einer Leinenmanufaktur. Auch ein Traditionsunternehmen, ebenfalls kurz vor der Liquidation. Die Söhne des Inhabers wollten sie nicht übernehmen. Als nächstes folgte ein Hersteller von Naturkosmetik, deren 77jährige Inhaberin zögerte, weil sie ihr ganzes Leben ”Schweiß und Tränen” in die Manufaktur gesteckt hatte. Auch ihr war es extrem wichtig, dass ihr Lebenswerk ”in gute Hände übergeht”.

Dann folgt ein interessanter Schritt: Die beiden übernehmen eine Firma, die Pumpenteile von Fetten und Verkrustungen befreit. Völlig andere Branche, aber das gleiche Prinzip: Pumpen werden immer gebraucht, und dort arbeiteten Menschen, die etwas von ihrem Handwerk verstehen. Und die große Sorgen hatten, was wohl aus ihnen wird, wenn Investoren anrücken. Die Veränderungen, die dann eintraten, waren allerdings allesamt positiv.

Eine schöne Geschichte? Auf jeden Fall …

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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