21. Oktober 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Kunst und Künstliche Intelligenz

INSPIRATION: Kennen Sie sicher – wir schauen in die Wolken und erkennen in der Regel irgendwo ein Gesicht. Das Gleiche klappt auch mit Felsformationen. Oder mit Steinen. Oder Bäumen. Etwas in zufälligen Mustern zu erkennen nennt man Pareidolie. Wusste ich bisher auch nicht. Was hat das mit KI und Kunst zu tun?

Henning Beck meint, KI sei eine Pareidolie-Maschine. Sie produziert scheinbaren Sinn, ohne etwas ausdrücken zu wollen. Und wir Menschen erkennen darin, was wir uns wünschen oder vorstellen. So wie das auch bei auch bei Kunst passiert: Wir betrachten ein Bild oder hören ein Musikstück, und wir sehen und hören darin etwas, das vielleicht vom Künstler als Botschaft gemeint war, aber nicht so sein muss. Vor allem aber: Wir können uns hierüber auseinander setzen. Anders als bei dem Zufallsgesicht in den Wolken.


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Nun kommt also KI-generierte ”Kunst” daher. Ob Bilder oder Musik – wir können sie nicht mehr von menschengemachter Kunst unterscheiden. Nur gibt es einen gewaltigen Unterschied: Sie enthält mit Sicherheit eben keine Botschaft eines Künstlers, sondern sie ”gibt den Menschen das, was sie am meisten lieben: sich selbst.” Noch deutlicher: Mit KI können wir uns unsere eigene Musik erstellen. Ich brauche keine ”Musiker mehr, die hoffentlich meine innere Gefühlslage treffen”. Womit auch keine Auseinandersetzung mehr stattfindet. Schließlich produziert die KI nur das, was mir gefällt.

Neue Oberflächlichkeit

Mit dem Resultat, dass die Musik immer oberflächlicher wird. Was ohnehin schon lange passiert. Es gibt eine Analyse von 20.000 Musikstücken aus vier Jahrhunderten, die zeigt, dass die Musik immer schlichter geworden ist. Nicht das, was besonders innovativ ist, zählt, sondern das, was die meisten gut finden. Wenn jetzt noch mithilfe von KI produzierte Musik den Markt flutet, deren Herstellung so gut wie nichts mehr kostet – könnte dann nicht bald das umso wertvoller sein, was eben nicht ersetzbar ist, nämlich einzigartige, von Menschen geschaffene Kunst?

Eine nette Parallele aus der darstellenden Kunst: Es gab Zeiten, da wurden diejenigen gefeiert, die möglichst realistische Bilder malen konnten. Das aber ergab keinen Sinn mehr, als die Fotografie sich durchsetzte und jeder seine eigenen höchst realistischen Bilder schießen konnte. Da musste sich die Malerei neu erfinden – es entstanden Impressionismus, Expressionismus und abstrakte Kunst.

Botschaft und Persönlichkeit

So könnte es auch diesmal sein. Wenn massentaugliche ”Kunst” nahezu kostenlos zu haben ist, dann bleiben laut Henning Beck zwei Nischen: Persönlichkeit und Botschaft. Beide können das sein, was KI niemals sein kann: Einzigartig. ”KI ist ein Geschenk, denn sie entwertet die massentaugliche Kultur, um gleichzeitig die nicht digital erzeugbare Botschaft aufzuwerten.” Hat was Tröstliches …

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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