INSPIRATION: Ich bin an einem Essay hängen geblieben, das mich mit einem einfachen Satz angelockt hat: ”Politiker lösen keine Probleme.” Das klingt erst einmal nach Polemik. Ist aber gar nicht so gemeint (Die beste Lösung? Ist gar keine).
Erst einmal zum Begriff – der nämlich kommt aus dem Griechischen und bedeutet, dass einem etwas hingeworfen, quasi in den Weg geworfen wird. Also ein Hindernis, dass weggeräumt wird, damit es weitergeht.
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Wenn also eine Gruppe von Menschen vor einem solchen Hindernis steht und es gemeinsam aus dem Weg räumt, dann stiftet das Problem sogar Gemeinschaft. Zum Beispiel wenn der Strom ausfällt. Dann arbeiten alle daran, dass er wieder läuft. Und in der Tat: Um solche Probleme geht es in der Politik eher selten. Worum dann?
Zusammenprallen
Um Konflikte. Das Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet ”zusammenprallen”. Es gibt hier nicht das Hindernis, das allen im Weg steht, sondern man wird ”einander zum Hindernis”. Das Problem verbindet, der Konflikt spaltet.
Noch eine Schlussfolgerung, die es in sich hat: Wenn jemand ein Konflikt als Problem bezeichnet, dann unterstellt er ”ein gemeinsames Interesse der Beteiligten, das es nicht gibt.”
Man könnte das Wortklauberei nennen. Am Ende kommt es darauf an, das etwas gelöst wird – ein Problem oder ein Konflikt, was macht das für einen Unterschied? Der Autor zeigt ihn an einer ganzen Reihe von aktuellen gesellschaftlichen Konflikten auf: Rente mit 63, soziale Ungerechtigkeit, Zuwanderung … Es geht hier um Verteilungskonflikte, die aber hartnäckig als Probleme betrachtet werden. Und an Expertenkommissionen ausgelagert werden. Was aber nicht wirklich hilft – weil es eben keine Probleme sind.
Einfache Lösungen?
Eine bittere Konsequenz aus diesem Denken: Der Ruf nach einfachen Lösungen. Wie das bei Problemen manchmal tatsächlich funktioniert. Da zerbricht man sich lange den Kopf, am Ende ist es ein kleines Detail, das für das Problem verantwortlich ist – wird es (gemeinsam) beseitigt, ist alles gut.
Entscheidende Kompetenz
Wer also Konflikte als Probleme bezeichnet, darf sich nicht wundern, wenn andere daherkommen und versprechen, dass sie die (einfache) Lösung haben.
Ganz anders sieht die Sache aus, wenn man mal ehrlich ausspricht, dass es massive (Interessens-)Konflikte gibt, die eben nicht einfach mal so gelöst werden können. Um dann Wege zu finden, den Konflikt – ja was: Zu klären? Beizulegen? Zu regulieren, um mit Klaus Eidenschink zu sprechen (Mustererkennungskompetenz)?
Ich gestehe, das würde mir schon sehr zusagen. Wobei ich denke, dass Manager eine ähnliche Funktion haben: Sie lösen auch selten selbst ein Problem, sondern haben es vor allem mit Konflikten zu tun. Wenn sie (wie auch Politiker) in der Lage wären, den konkreten Konflikt beim Namen zu nennen, was wiederum voraussetzt, dass sie wirklich Experten in Sachen Konflikt sind, wäre das ein echter Fortschritt.
Bleibt die Frage, wo sie genau das lernen können?
