8. Oktober 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Müllwagen

Hau weg den Scheiß!?

KRITIK: Ist das Bürokratie? Oder kann das weg? Wird im Unternehmen nicht insgeheim eine Menge unnützer Arbeit geleistet? Also die da unten, oder die da oben; die da vorne oder die da hinten. Also irgendwo?

Im Grunde ist die Geschichte mehr als simpel. Und sie knüpft an den gerade veröffentlichten Beitrag von mir an (Risikoaverse Versicherungsmentalität). Und lustigerweise geht es hier tatsächlich um das Beispiel einer Versicherung und das Thema interne Bürokratie (Entrümpeln mit Momentum). Es ist jedoch überhaupt keine neue Erkenntnis, dass Bürokratien dazu neigen, sich mit der Zeit mit einem Schweif an Ausnahme- und Sonderregelungen zu umgeben. Man frisst sich sozusagen einen Speckgürtel an, manche nennen das „Hüftgold“. Denn bürokratische Regeln sind knallhart: Sie trennen das Allgemeine vom Besonderen. Durch eine Mauer. Und da laufen immer mal Einzelne (oder auch mehrere) gegen.


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Aua! Das tut weh! Dem Bürokraten, aber auch dem Politiker, der die Regeln entworfen hat. Und es gibt immer etwas Besonderes oder besondere Ausnahmefälle oder -gruppen, die einem politisch von der Fahne laufen könnten. Also … Manchmal vergisst man auch, dass man irgendwelche Schleichwege für irgendwelche Sonderfälle geschaffen hat, die man heute gar nicht mehr braucht, weil sich inzwischen die Gegebenheiten geändert haben.

Wo bleibt bloß die Müllabfuhr?

Nun, von allein schafft sich das Gestrüpp nicht ab. Da müsste mal einer kommen, der … Kein wirklich lukrativer Job, die „Tatortreinigung“. Es könnten auch interessierte Nachfragen kommen nach dem Motto: Warum, weshalb – und warum (erst) jetzt? Die Müllwerker werden bloß die Achseln zucken. Die Politiker haben bestimmt gerade anders zu tun.

Und so kommt es wie es kommen muss: Die Bundestadt Bonn muss von heute auf morgen eine Autobahnbrücke wegen akuter Einsturzgefahr sperren. Daraufhin fluten 40-Tonner die engen Straßen der Altstadt auf der Suche nach einem Durchkommen, Fahrradfahrer und Fußgänger trauen sich – aus Angst um ihr Leben – kaum mehr aus dem Haus. Zugleich fallen 60 Straßenbahnen wegen akuter Sicherheitsmängel aus. Der Rheinpegel fällt auf 40 Zentimeter und schlaue Logistiker schlagen vor, die Fracht auf die Straße oder Schiene zu bringen. Die rechtsrheinische Bahnstrecke ist aber wegen Sanierung dicht. Und die linke seit Jahren völlig überlastet. Aber an all dem ist natürlich niemand schuld. Wo kämen wir denn dahin? Alles nur Zufall.

Wer tritt auf die Bremse?

Die wuchernde Bürokratie und die damit einhergehende Komplexitätssteigerung, die irgendwann zur totalen Blockade führt, die enorme Kosten und jahrelange Verzögerungen produziert, ist in der Organisationslehre lange bekannt. Aber offensichtlich tritt in der Praxis niemand auf die Bremse. Einfacher ist es offensichtlich, die Staatsverschuldung zu vergrößern.

Dabei mangelt es nicht an starken Beispielen für das Gegenteil. Und dafür steht insbesondere Toyota. Schon in den 1980er-Jahren hat man dort Verschwendung (jap. Muda), Überlastung (jap. Muri) und Abweichung (jap. Mura) als Übertäter entdeckt, die es zu bekämpfen gelte. Kaizen hieß das Konzept, mit dem man der tayloristischen Arbeitsorganisation zu Leibe rückte. Mit Erfolg! Die Aktivierung eigenverantwortlichen Denkens und Verhaltens der Mitarbeitenden lautete die Parole.

Insofern ist das, was heute in der Signal-Iduna-Versicherung passiert, kalter Kaffee, Schnee von gestern. Man installiert eine interne „Müllabfuhr“, oder sollte man aufwertend eher von interner „Hacker“-Truppe sprechen? Das würde jedenfalls besser klingen. Man kauft teure Berater ein, was Robert I. Sutton und „Huggy“ Rao „Friction Project“ nennen, ist meines Erachtens nicht viel anderes als das alte Kaizen-Projekt. Und die radikale Kundenorientierung, die hier auch zum Zuge kommt, ist in der Agilität schon lange tief verwurzelt (Agilität mit Stützrädern).

Die Friction-Fraktion

„Organisationen sind hervorragend darin, neue Dinge hinzuzufügen und erschreckend schlecht darin, überflüssige wieder zu entfernen,“ lässt man „Huggy“ Rao diagnostizieren und es „Addition Sickness“ nennen. Gut gebrüllt Löwe! Die beiden jungen Projektmanagerinnen als Autorinnen dürfen stolz auf ihre Veröffentlichung sein. Doch der Neuigkeitswert tendiert meines Erachtens gegen Null. Was bei Toyota die sieben Arten der Verschwendung waren, sind bei den „Friction“-Fricklern die „Fünf Quellen schädlicher Reibung“ für die es „7 Regeln für erfolgreiches Friction Fixing“ braucht. Alles klar?

Ich sag‘ mal so: Die Gnade der frühen Geburt kann manchmal auch eine arge Bürde sein. Aber vielleicht bin ich ungerecht: Für mich und andere „Baby Bommer“ ist das Kalter Kaffee. Für das Jungvolk ist das vermutlich neu. Vielleicht sollte ich denen den Lernerfolg gönnen? Natürlich braucht es neue Namen für das alte Spiel: Momentum beispielsweise. Bootcamp kommt auch gut. Haltung passt sowieso immer (Spiel den Joker!).

Und dann braucht es noch zwei Wege: Den „Einfach machen“-Modus („Quick Wins“) und den „Missions“-Modus (abteilungsübergreifend mit Unterstützung eines Führungskräftepaten). Natürlich wird es Konflikte geben. Aber man wird auch die Liste an eingesparten Stunden alter, unnötiger Arbeit präsentieren – und jubeln. Und natürlich muss man dranbleiben … Klaro!

Wertschöpfung

So dass sich dann irgendwann die Frage stellen könnte: Wer denn diese überflüssigen Erbsenzähler und Miesmacher, die andere Leute von der Arbeit abhalten, und mit der Zeit immer weniger Mehrwert schöpfen, abschaffen wird? Und was danach kommt? Na ja, man muss ja nicht alle seine Lebensweisheiten preisgeben, denke ich mir, also: for free …

Und dann erinnere ich alter Kunst-Fan mich an die Geschichte, als Anfang der 1970er-Jahre im Leverkusener Museum Schloss Morsbroich ein paar Lokalpolitikerinnen eine vermeintlich vermüllte Badewanne reinigten, um in derselben Biergläser zu spülen. Die Kuratoren des Museums schlugen, als sie es bemerkten, die Hände überm Kopf zusammen und hatten einen fetten Skandal an der Backe: Es handelte sich eben um ein Kunstwerk von Joseph Beuys! So eine Panne würde dem bereichsübergreifenden Friction-Team natürlich niemals passieren …

Können Sie die Kritik nachvollziehen?
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Thomas Webers

Dipl.-Psych., Dipl.-Theol., Fachpsychologe ABO-Psychologie (DGPs/BDP), Lehrbeauftragter der Hochschule Fresenius (Köln), Business-Coach, Publizist

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