KRITIK: Über die Ausflüge von deutschen Managern in die weite Welt, wo sie staunen und mit neuen Ideen zurückkehren, habe ich mich hier schon häufiger lustig gemacht (Valley Tourismus). Bei thyssenkrupp ist man vom Nutzen überzeugt, und das klingt auch glaubwürdig. Das Unternehmen hat schon 350 Führungskräfte auf Reisen geschickt, dabei besuchen diese innerhalb von fünf Tagen 15 bis 20 Organisationen, ein volles Programm.
Die Intensität ist beabsichtigt. Zu den Besichtigungen kommen Vorträge, Kamin-Abende und Team-Events, wobei man auch schon mal im Regen durch Oslo mit dem Rad fährt und Fragen zu Gebäuden und Stadtteilen beantworten muss. Haben wir auf Kindergeburtstagen auch gemacht (das mit den Fragen). Oder man fährt an der Garage vorbei, in der Steve Jobs und seine Kumpels den ersten Mac zusammengeschraubt haben, und alle spüren die Faszination.
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Jeden Morgen gibt es ein Debriefing – dort wird über das gesprochen, was man am Vortag erlebt hat und nach einer Nacht noch nachwirkt. Ein festes Ziel oder klare Erwartungen haben die Teilnehmer nicht und sollten sie auch nicht haben, es geht darum, mit offenen Augen durch die Unternehmen zu gehen und sich inspirieren zu lassen.
In dem Beitrag der managerSeminare (Trip in die Zukunft) werden einige Teilnehmer zitiert. Sie berichten, was sie nach der Rückkehr geändert haben – vieles läuft auf das Thema „Führung“ hinaus.
Und nun? Wann schicken Sie Ihre Führungskräfte auf Reisen? Die Frage stellt sich ja berechtigt: Wo bekommen Manager neue Impulse her? Es muss ja nicht immer San Franzisco sein. Ich habe vor einiger Zeit einem Unternehmen geholfen, interessante Firmen in Berlin zu finden. Tatsächlich lassen sich viele Unternehmen, die stolz darauf sind, etwas anders zu sein oder Besonderes zu leisten, gerne über die Schulter schauen. Wie bei so vielen Weiterbildungsaktivitäten dürfte es auch hier schwierig sein, den Effekt solcher Reise zu messen (von wegen Weiterbildungsevaluation). Aber ein wenig Experimentieren dürfte sicher nicht schaden, und warum sollte sich der Personalentwickler nicht mal als Reiseleiter betätigen?
