KRITIK: Unternehmen müssen sich umstellen, lautet die Botschaft. GEO (Generative Engine Optimization) statt SEO (Search Engine Optimization) heißt der neue Trend. Denn KI hat das Spiel der Personalsuche auf den Kopf gestellt.
Hatten wir das nicht letztens erst? Bewerber befragen nicht mehr Google oder Jobportale nach Jobs, sondern KI (Haste mal ne Idee?). Sie fragen auch eher unspezifisch, lassen sich auf den Dialog mit der KI ein und trudeln dann irgendwohin. Das betraf vor allem Jugendliche, die eine Ausbildungsstelle suchen. Ist es bei Berufstätigen auch schon so weit?
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logic systems versteht sich als IT-Unternehmensberatung mit dem Schwerpunkt auf der Entwicklung betriebswirtschaftlicher Softwarelösungen. Seit 1993 ist die Entwicklung von PC-gestützten Unternehmensplanspielen eine der Kernkompetenzen des Unternehmens. Zur Webseite...

Die beiden Autoren, ihres Zeichens Unternehmensberater für Arbeitgeberattraktivität (Abgetaucht in die Tiefen der KI), sehen auch die traditionelle internetbasierte Jobsuche betroffen. Was das Geschäftsmodell der Jobbörsen gefährde. Diese wurden klassischerweise über die Google-Suche angesteuert. Heute wird es Jobsuchenden schon während der ersten Schritte ihrer Suche mit Gen-KI ermöglicht, in eine tiefgehende Arbeitgeberrecherche zu tauchen. Die Jobportale bleiben links liegen. Und auch die klassische Arbeitgeber-Werbung verpufft zusehends, weil sie die Kandidaten gar nicht mehr erreicht.
Generische Suchstrategie
Und auch Anforderungsprofile kommen erst einmal nicht in den Blick. Weil die Kandidaten anders suchen. Die Kandidatinnen erhalten durch die KI-Suche „relevante Informationen dazu, welcher Arbeitgeber, welche Position und welche Arbeitgeberleistung konkret zu ihnen passen. Erst wenn das geklärt ist, kommt eine Stellenanzeige ins Spiel“. Das klingt echt verwöhnt. Und lustig!
Die Autoren präsentieren ein Suchszenario, um zu demonstrieren, wie das Spiel läuft: „Ein IT-Softwareentwickler ist von der Entlassungswelle in einem großen IT-Unternehmen betroffen und sucht einen Job, für den er seinen Wohnort Köln nicht verlassen muss. Er möchte eine angemessene, nicht unterdurchschnittliche Vergütung, will ganz oder überwiegend im Homeoffice arbeiten und an den Bürotagen seinen Hund mitnehmen. Und er will an den Präsenztagen zu Mittag essen, braucht also eine Kantine.“
Haben Sie gerade auch laut aufgelacht? Offensichtlich haben die Autoren etwas übertrieben … Aber man könnte sich auch gleich fragen, ob der Kollege den berühmten Schuss nicht gehört hat. Denn angeblich – wie man immer wieder hört – braucht niemand mehr solche Mitarbeitenden. Das erledigt heute KI …
„Elchtest“
Wie auch immer, die Autoren wollen ihren Leser:innen demonstrieren, wie langweilig und mühsam die Google-Suche war und wie einfach die KI-gesteuerte Jobsuche ist. Die KI filtert nämlich mittels der Kriterien „Bürohund“, „Homeoffice“ etc. und präsentiert konkrete Jobangebote in einer Top-3-Liste. Also: Wunschliste an den Weihnachtsmann schicken und Wünsche erfüllt bekommen. Wobei en passant erwähnt wird, dass es doch ein bisschen mehr an Prompting dafür brauchte.
Jetzt geht es für den Jobsuchenden an die Hintergrundrecherche zu den Treffern – von den Autoren „Elchtest“ genannt. Die Google-Suche würde gleich auf Kununu routen. Und auf die Karriereseite des Unternehmens. Die KI-Recherche mittels der Rolle eines investigativen IT-Journalisten bezieht nun auch externe Quellen mit ein: „Was weißt du über XY als Arbeitgeber?“. Als Ergebnis werden Pros- und Cons mit Quellenangabe aufgelistet, bewertet und in ein Ranking transformiert. Auch eine konkrete Nachrecherche zum Thema „Weiterbildung“ absolviert Chattie – nebst Einschätzungen und detektierten „Transparenzlücken“. Damit hat der Suchende schon den Spickzettel fürs Vorstellungsgespräch zur Hand.
Ein neues Spiel
Arbeitgeber müssen sich auf dieses neue Spiel einstellen, so das Fazit der Autoren. Wenn Gen-KI so stark auch externe „Reputationsbelege“ sichtet und bewertet, dann müssen Unternehmen weniger Werbung, aber mehr PR machen: „Large Language Models decken Inkonsistenzen zwischen der Eigenkommunikation von Arbeitgebern (Selbstbild) und Presseberichten sowie Kununu-Bewertungen (Fremdbild) gnadenlos auf.“
Tja, mag sein, dass sich die Spielregeln verändern. Aber zum Spielen gehören immer mindestens zwei! Der Beitrag erzeugt den Eindruck, Unternehmen könnten gar nicht anders, als den Weihnachtsmann zu geben (chicken game). Vielleicht müssen sie das aber nicht – Fachkräftemangel hin oder her. Und was, wenn sie Aspekte in ihrem „Total Compensation“-Korb haben, auf die der Kandidat nicht gekommen wäre, z. B. Altersvorsorge? Und was, wenn sie keinen „Maschinenmenschen“, sondern einen sozialkompetenten Mitarbeitenden suchten? Eine teamfähige, kreative Kollegin?
Vermutlich werden mir die Autoren antworten, das sei für KI auch kein Problem … (Please Santa Please) Ich würde mir dann vermutlich einen grinsen und sagen, na, dann warten wir mal Weihnachten ab …
