13. Februar 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Stille im Raum

INSPIRATION: Einsamkeit wird zu einem gesellschaftlichen Problem – und das ist nicht nur im privaten Bereich besorgniserregend. Es gibt auch viele Solo-Selbstständige, die davon betroffen sind. Laut einer britischen Studie fühlen sich ca. 60% der Freelancer häufiger einsam (Wo seid ihr denn alle?). Was niemanden wirklich verwundern dürfte.

Ich kann mich gut an die ersten Tage der Selbstständigkeit erinnern. Ich hatte ein kleines Büro gefunden, in dem drei Schreibtische Platz gehabt hätten – in einem weiteren Raum hatte ich Regale aufgebaut, die das Archiv der sich anhäufenden Zeitschriftenausgaben beherbergten. Da saß ich also, vor mir ein Laptop, Blick in einen Garten – und los ging es.


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Ich genoss die Unabhängigkeit in vollen Zügen. Hin und wieder kam ein ehemaliger Kollege vorbei, potenzielle Kunden riefen an, die sozialen Kontakte hielten sich in Grenzen. War ich einsam? Der Blick zurück verklärt die Vergangenheit – es war eine großartige Zeit. Vor allem ab dem Moment, in dem der erste Ex-Kollege sich meldete und nach einem Schreibtisch fragte. Ab da war es wie in alten Zeiten – man trank einen ersten Kaffee zusammen, erzählte sich mehr oder weniger Belangloses und bemitleidete all jene, die immer noch in Festanstellung den Zwängen des Konzerns ausgesetzt waren.

Rost unter der Oberfläche

Zurück zum Thema Einsamkeit. Die nämlich hält man in der Tat nicht lange aus. Darunter leidet die Qualität der Arbeit, die Kreativität, die Konzentration. Sie „wirkt wie Rost in einem Gebäude: von außen lange unsichtbar – bis dann das Tragwerk nachgibt.“ Ganz neu: Der Dialog mit der KI ersetzt das Gespräch mit einem Kollegen. Aber eine belgische Studie hat gezeigt, dass es damit keineswegs besser, sondern eher schlimmer wird. Wer viel mit der KI arbeitet, schläft schlechter, fühlt sich noch einsamer und greift häufiger zum Alkohol.

Einsamkeit als Berufsrisiko

Wohlgemerkt: Eine KI kann durchaus die Antworten liefern, die sonst die Kollegion von gegenüber oder nebenan gab. Aber es ist nicht Antwort, die fehlt, sondern „der Moment danach – das Nicken, das Lachen, das geteilte Verstehen“. So mancher Einzelkämpfer versucht, aus der Not eine Tugend zu machen und definiert sich neu: Einsamkeit wird als Berufsrisiko verstanden, das der einsame Wolf in Kauf nimmt und ihn nur noch härter macht. Während Nähe als Schwäche umgedeutet wird. „Die Einsamkeit wird Teil der beruflichen Identität.“

Keine gute Idee, sagen Experten, und plädieren für einen Wechsel der Perspektive. Wir sind nun mal „evolutionär auf Bindung angelegt“, längere Zeit allein vor einem Bildschirm zu verbringen, belastet nicht nur den Geist, sondern auch den Körper. Was also tun?

Wenige, aber intensive Kontakte

Unter Leute gehen, lautet der klassische Rat, aber der greift zu kurz. Kontakte ändern nichts an dem Gefühl der Einsamkeit, es geht um die Qualität der Kontakte. Und hier wundert die Empfehlung dann nicht: Suchen Sie die Verbindung zu anderen Solo-Selbstständigen. Die das Gefühl kennen und daher nachvollziehen können, wie es Ihnen geht. Dieses gegenseitige Verstehen macht den Unterschied. Wie man das organisiert, bleibt offen. Ob im Co-Working-Space, als regelmäßiger Austausch, als anlassbezogene gegenseitige Unterstützung – zwei oder drei Menschen genügen. Da hat eine KI keine Chance.

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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3 Gedanken zu „Stille im Raum

  1. Wenn ich einen Menschen habe mit dem ich mich verstehe, dann bin ich nicht einsam. Diesen Einen zu finden, ist manchmal nicht einfach. Plappermäuler befriedigen nicht.
    Vielleicht sind viele auch deshalb einsam, weil sie nichts zusagen haben und besser in einer Herde untergebracht wären, als auf einen Solistenthron.

  2. Einsamkeit: Vielschichtiges Problem. Schwierige, aber nicht unlösbare Situation.
    Diagnostik: Art der Einsamkeit, Auslöser, Ressourcen, Risiken.
    Kognitive Umstrukturierung / CBT (soziale Kognitionen, Zurückweisungsangst)
    Soziale Kompetenzförderung (Kommunikation, Selbstsicherheit, Rollenspiele)
    Aktivierung & Exposition (kleine Schritte, realistische Kontaktziele)
    Gruppenangebote & moderierte Treffpunkte (niedrigschwellig, integriert)
    Technik als Ergänzung (Telefonketten, Video, Nachbarschaftsapps)
    Tiergestützte Ansätze (Besuchsdienste, Haustier – als Brücke)
    Barrierenabbau (Mobilität, Kosten, Pflegebelastung, Zugang)
    Case Management / aufsuchende Arbeit (Beziehungsarbeit, Hausbesuch, Lotsenfunktion)
    Entstigmatisierung & Community (Kampagnen, Alltagsgesten, Nachbarschaft)

    Schon ein umkompliziertes Haustier kann Wunder bewirken. ….
    Wie gesagt. Sehr vielschichtiges Problem.
    Gut es hier in diesem Rahmen zu lesen.
    Lieben Gruß
    Dipl. Psych.

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