PRAXIS: Die erste Frage müsste lauten: Wozu präsentieren Sie überhaupt? Soll etwas von dem, was Sie präsentieren, bei Ihren Zuhörern hängenbleiben? Sollen diese etwas verstehen, am Ende überzeugt sein oder eine Entscheidung treffen? Mit anderen Worten: Wollen Sie wirklich kommunizieren? Oder geht es darum, Eindruck zu machen, zu beweisen, dass Sie fleißig waren, sich abzusichern, um später belegen zu können, dass Sie alle informiert haben?
Einmal angenommen, Sie wollen wirklich Inhalte vermitteln. Wie steht es dann mit PowerPoint und Co.? Es gibt Studien, die sich mit dem Einfluss von PowerPoint (und ähnlichen Präsentationstools) auf die Erinnerung von Inhalten beschäftigten. Das Ergebnis: Ganz ohne Visualisierung bleibt weniger hängen als mit bildhafter Unterstützung. Ob das nun PowerPoint, Flipchart oder Kreideschrift auf Tafeln ist, macht dabei keinen Unterschied. ALSO: Visualisierung ist sinnvoll.
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ALLERDINGS: Ob die Folien nur Text enthalten oder mit Bildern oder gar Videos versehen werden, wirkt sich auf den Lerneffekt nicht aus. Man kann sich aufwendige Animationen also getrost sparen. Was aber noch gravierender ist: Wenn mit Visualisierungen gearbeitet wird, dann wird vor allem das behalten, was die Adressaten zu sehen bekommen. Was dazu erzählt wird, gerät schnell wieder in Vergessenheit.
Die Erklärung: Offenbar wird das, was zu sehen ist, als wichtig wahrgenommen, während das Gehörte als weniger bedeutsam ausgeblendet und vergessen wird. Was sogar einleuchtet: In der Praxis wimmelt es von Präsentationsunterlagen voller Text. Weil der Präsentierende sie gleichzeitig als Manuskript nutzt oder später als Protokoll. Es soll Universitätsdozenten geben, die ihre Folien als Prüfungsstoff zum Download anbieten. Wenn ich aber weiß, dass ohnehin alles, was ich wissen muss, auf der Folie zu sehen ist, warum sollte ich dann noch dem gesprochenen Wort lauschen? Da wäre es nur konsequent, alles, was man zu sagen hat, auf Folien zu schreiben, an die Wand zu werfen und jeden selbst lesen zu lassen. Oder gleich Handouts zu verteilen und die Präsentation sausen zu lassen.
Was ist die Alternative? Der Wechsel. Man erläutert etwas und lässt dabei die Leinwand leer oder schwarz. Dann zeigt man die dazugehörigen Bilder, Schautafeln, Stichpunkte, Merksätze oder Zusammenfassungen und verankert auf diese Weise das mit Worten vermittelte Wissen. Dann wird wieder mündlich präsentiert. Dabei bleibt tatsächlich deutlich mehr hängen, wie die Studienergebnisse zeigen. Die Mischung macht’s also.
Machbar? Sicher. Aber auch realistisch? Ich fürchte, wenn Sie das nächste Mal vor einem Gremium präsentieren, nach zwei Folien die Taste B drücken und vor leerer Leinwand Ihre Erläuterungen abgeben, werden Sie sich vermutlich den Unwillen der Versammlung zuziehen. Schließlich dienen die meisten Präsentationen gleichzeitig als Protokoll, das abgespeichert und bei Bedarf als Beleg dafür hervorgeholt werden kann, dass der jeweilige Inhalt tatsächlich so präsentiert wurde. Ein weiteres Beispiel dafür, dass Wissenschaft und Praxis nicht unbedingt Hand in Hand gehen. Einen Versuch wäre es allemal wert…
(Aus: Christof Wecker: PowerPoint als Lernhindernis? Eine Präsentation ist keine Datei, Wirtschaftspsychologie aktuell 3/2014)
