INSPIRATION: Bevor jemand bei der Lektüre des Beitrags abwinkt und der Meinung ist, so etwas könnten sich nur große Unternehmen leisten, eine Bitte: Urteilen Sie nicht zu früh! Es geht um psychische Erkrankungen und was diese für Unternehmen bedeuten. Die Zahlen aus dem „AXA Mental Health Report 2025“ sind bitter: 34% der Deutschen sind betroffen, aus der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen berichten 54% von psychischen Problemen (Depressionen, Angst-, Ess- oder Zwangsstörungen).
Da muss man nicht besonders helle sein, um zu ahnen, dass dies Folgen für Situationen am Arbeitsplatz hat. Nur: Was tun? Ein Beitrag im Personalmagazin beschreibt, welchen Weg Microsoft Deutschland geht (Raus aus der Tabuzone), und das ist beeindruckend.
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Vorurteile und Falschwissen
Es war den Verantwortlichen bewusst, dass es auf dem Gebiet viele Vorurteile und Falschwissen gibt. Die meisten gehen nicht offen mit ihren Problemen um, auch wenn inzwischen ein Umdenken einsetzt. Nach wie vor aber gelten derartige Erkrankungen eher als Schwäche, die man besser nicht zugibt, sondern besser verheimlicht.
Bei Microsoft versucht man es mit einer ”Entstigmatisierungskampagne”. In Workshops für Führungskräfte wurde die Botschaft vermittelt, dass jeder im Laufe seines Lebens direkt oder indirekt betroffen ist. Und dann produzierte ein Team interne Videobotschaften, in den Führungskräfte und Mitarbeitende von ihren psychischen Erkrankungen berichteten.
Mental Health Ambassadors
Ohne großen Aufwand, maximal 10 Minuten pro Gespräch, aufgezeichnet in einem einfachen Videocall. Mit der Konsequenz, dass sich sofort weitere Betroffene meldeten und ihre Geschichte erzählen wollten.
Der nächste Schritt: Es wurde ein Netzwerk der Mental Health Ambassadors (MHA) ins Leben gerufen. Das Konzept wurde vor 25 Jahren in Australien entwickelt. Dabei werden Menschen in einer Art „Erste Hilfe“ geschult. Inzwischen haben sie 90 Freiwillige ausbilden lassen. Sie werden im Intranet vorgestellt und können darüber kontaktiert werden.
Aber sie gehen auch von sich aus auf Kolleg*innen zu, die Verhaltens- oder Stimmungsänderungen zeigen und bieten vertrauliche Gespräche an. Sie bieten keine Diagnose oder gar Therapie an, sondern vermitteln bei Bedarf zu internen oder externem Stellen.
Den ersten Schritt gehen
Zurück an den Anfang: ”Schon eine einzelne geschulte Person kann einen Unterschied machen.” Kleine Unternehmen sollten bei den Krankenkassen nachfragen, die zum Teil solche Qualifizierungen unterstützen. Ich bin mir sicher, dass allein schon die Information, dass ein Kollege/eine Kollegin diese Fortbildung absolviert hat und Ansprechpartnerin ist, eine Menge bewirken kann. Es braucht nur den Willen der Unternehmensleitung …
