22. Januar 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Berufswahl

Haste mal ne Idee?

INSPIRATION: Das ist ein interessanter Trend: Immer mehr Jugendliche fragen ChatGPT zum Thema Berufsorientierung: „Ich weiß nicht, was ich nach der Schule machen soll … Irgendwas mit Menschen. Haste mal ne Idee?“

Früher waren Schule, Familie und das Berufsinformationszentrum der Arbeitsagentur (BIZ) Quellen für junge Leute. Die wurden dann später von Google und Social Media ersetzt. Schnee von gestern: Jetzt ist KI die Anlaufstelle. Für Arbeitgeber eine Zeitenwende, so Autor Felix von Zittwitz (Frag nicht Google – frag die KI). Wie macht man da Azubi-Recruiting? Oder Employer Branding? „Bereits heute kommt bei Ausbildung.de ein mittlerer einstelliger Prozentanteil des Traffics von LLMs, Tendenz steigend. Bis Mitte 2025 hat sich dieser Anteil jeden Monat verdoppelt.“

Das Interessante: Die Jugendlichen starten ihre Recherche nicht mit präzisen Fragen nach bestimmten Ausbildungsberufen, sondern eher unspezifisch (generisch) – und lassen sich dann auf den Dialog mit der KI ein, der sie dann irgendwann irgendwohin führt. Dann schaut man sich so einiges an, bis es dann den sog. Click-out auf ein relevantes Online-Angebot gibt. Und da bewirbt man sich dann.

Die Recruiter warten vergeblich

Das heißt auf der anderen Seite: Die Suchenden gehen nicht mehr über die einzelnen Unternehmensseiten, sondern landen beim Portal Ausbildung.de. Und gelangen so zu spezifischen Angeboten, die dort eingestellt sind. Die Recruiter der Unternehmen stehen im Regen, es kommt niemand mehr vorbei wie früher. Die Musik spielt woanders.

Die große Frage, so der Autor: „Wenn KI der neue Einstiegspunkt ist – wie verlässlich ist sie? Welche Empfehlungen gibt sie, welche blendet sie aus? Und was bedeutet das für Sichtbarkeit, Vielfalt und Fairness in der Berufswahl?“ Die Antwort folgt auf den Fuß und kann die Zeitgenossen, die sich ein wenig kritisch mit KI beschäftigt haben, nicht überraschen:

Der Teufel macht immer auf den dicksten Haufen

Die Empfehlungen der LLMs basieren auf Wahrscheinlichkeiten. Es geht nicht um Persönlichkeit, Potenzial oder Passung. Es geht darum, dass der Teufel immer auf den dicksten Haufen macht. Und das sind Stereotype: Jungs wollen was mit Autos machen … beispielsweise. Differenzierung wäre das Gegenteil davon. „Das Ergebnis: Eine vermeintlich neutrale KI trifft Vorauswahlen, ohne dass das jungen Menschen bewusst ist.“

Und dass lässt sich schon statistisch belegen: Im Jahr 2025 waren die Top-of-the-Pop-Suchen bei Ausbildung.de Einzelhandelskaufmann/frau, Verkäufer/in oder Pflegefachkraft. Aber nicht Geigenbauer, Glasveredlerin etc. Na ja, das war früher auch nicht groß anders: Stereotype Vorstellungen dominierten, Marken zogen an … Die Spezialisten und die kleinen Unternehmen hatten Mühe, die Großen und Bekannten wurden überhäuft.

Fazit und Tipps

Der Autor, seines Zeichens CEO von Ausbildung.de, hat da ein paar Ratschläge für die Unternehmen:

  • SEO bleibt wichtig, aber es braucht ein Update: Nicht mehr Keywords, sondern semantische Relevanz ist Trumpf. Weil die Kids nicht präzise suchen, sondern generisch, also in ihrer Alltagssprache. Daher muss man nicht bei Google gefunden werden, sondern bei ChatGPT auftauchen. Statt SEO also GEO (Generative Engine Optimization). „Zeit, sich starke Partner zu suchen, die dieses Spiel beherrschen,“ sagt der Autor. – Und da scharren bestimmt schon so einige mit den Hufen.
  • Jobportale bleiben relevant, aber ihre Rolle verändert sich: Plattformen sind zwar Gewinner im Spiel, aber auch sie müssen umlernen, und die von KI angespülten Scharen da abholen, wo sie (verpeilt?) stehen, und sie ggf. neu orientieren. Im Klartext: Noch mal ganz von vorne anfangen mit der „User Journey“, niedrigschwellige Orientierungen anbieten, an die Hand nehmen und dann ganz langsam aufbauen …
  • Die eigene Marke stärken und Berufsbilder branden: Employer Branding und Markenbekanntheit werden extrem wichtig, damit man als Unternehmen in das „Relevant Set“ der Bewerber kommt. Nischenberufe werden es extrem schwer haben.
  • Nicht-digitale Kanäle ausbauen: Die Alternative zum KI-Zirkus klingt old-fashioned, aber erfolgversprechend: Man lauert der Zielgruppe wieder aktiv an Schulen auf, bietet Schülerpraktika an etc.

Ist das nicht zum Schreien komisch? War die KI nicht angetreten, uns Arbeit abzunehmen? Jetzt macht sie uns neue – oder legt uns altbekannte wieder ans Herz. Aber ob die neue die schönere Art von Arbeit ist?

Die Jugend von heute

Und der Nachwuchs (Scheue Youngster)? War er nicht früher auch schon verpeilt? Nicht wenige haben dann den Beruf von Papa oder Mama angenommen. Oder wurden Lehrer*innen – ok, ich geb’s zu, ich bin gehässig … wiewohl ich vor Jahren mal eine Studie gelesen habe, die … Die Schlaueren haben auch früher schon damit begonnen, sich erst einmal über die eigenen Stärken und Interessen klar zu werden und dann nach Passung geschaut. – Doch „Intelligenz“ scheint heute ja die Maschine gepachtet zu haben.

Und so verfalle ich ins Grübeln: Warum bloß habe ich meine alte Schreibmaschine zum Schrott gebracht? Bei der neuen muss ich mich beim Denken immer gegen KI wehren, die sich immer und überall einmischen will …

Werden Sie diesen Beitrag weiterempfehlen?
Teile diesen Beitrag:

Thomas Webers

Dipl.-Psych., Dipl.-Theol., Fachpsychologe ABO-Psychologie (DGPs/BDP), Lehrbeauftragter der Hochschule Fresenius (Köln), Business-Coach, Publizist

Alle Beiträge ansehen von Thomas Webers →

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert