REZENSION: Elke Berninger-Schäfer – Online-Coaching. Springer 2018.
Die Autorin ist Professorin, Coach und Inhaberin der CAI GmbH, die sich auf Online-Coachingangebote spezialisiert hat. Diese beiden Aspekte bestimmen denn auch den Charakter des Buches. Natürlich ist es hochspannend, endlich etwas mehr über das Thema Online-Coaching zu erfahren, über Möglichkeiten, Grenzen, Formate und die Entwicklung dieses Formats am Coachingmarkt.
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Ihre Motive treiben Sie an - Ihre Werte bieten Ihnen Orientierung - Ihre Begabungen ermöglichen Ihnen Ihre Ausführungsfreude. Die Analyse Ihrer drei eigenen Emotionsbereiche zeigen Ihnen Ihr Potenzial für förderliches oder hinderliches Verhalten in verschiedenen Kontexten auf. Warum? Ihre Entscheidungen basieren auf Ihre Emotionen. Sie analysieren und bewerten sich selbst - kein anderer. Sie sind für Ihr psychologischen Wohlbefinden selbst verantwortlich, in deutsch oder englisch. Zur Website...
Das Buch ist also zum einen im wissenschaftlichen Duktus geschrieben, was dazu führt, dass das Thema sehr umfangreich abgehandelt wird. Das umfasst Grundsätzliches zum Thema Coaching, ebenso grundsätzliche Ausführungen zu Themen wie Schreibkompetenz, Zuhören etc. – Fähigkeiten, die ohne Frage im Onlinebereich gefragt sind. Man wundert sich, was alles bereits zum Online-Coaching gehört. Das ist z.B. Coaching per E-Mail und Chat (wie Skype, Whatsapp etc.), also heute schon verbreitete technische Varianten, die auch schon seit längerem praktiziert werden.
Coaching im virtuellen Raum
Was aber wirklich interessant aus meiner Sicht war, sind Formate, die weit darüber hinausgehen, die z.B. virtuelle Räume nutzen, in denen sich Klienten als Avatar dreidimensional bewegen können. Tatsächlich gibt es solche Angebote bereits, wenn auch nur wenige. Ihre Handhabbarkeit ist unterschiedlich. Die Autorin stellt in Ihrem Buch hier vor allem die eigene Plattform dar, die sogenannte CAI-World. Hier gibt es unterschiedliche Arbeitsmöglichkeiten, Chat, Online-Whiteboards und Video-Funktion, aber eben auch visuelle Möglichkeiten wie die Kreation eines Bildes in 3D-Optik mit großer Auswahl an Hintergründen, unterschiedlicher Avatare für Klienten und ihre Protagonisten.
Der Klient kann also Aufstellungen vornehmen, zwei und auch dreidimensional. Die Autorin führt aus, dass diese virtuellen Räume auch dazu geeignet sind, Körpersignale (somatischen Marker) zu erzeugen, ein emotionales Erleben, wie es eben insbesondere im Face-to-Face-Coaching möglich ist.
Dem Coach wiederum werden anlassbezogene Fragenkataloge angeboten, aus denen er auswählen kann, aber nicht muss. Insgesamt stellt Berninger-Schäfer sicher zutreffend fest, dass im heutigen, demnächst zunehmend durchdigitalisierten und globalisierten Umfeld Coaching mehr und mehr auch online durchgeführt werden wird, so auch als „Coaching on demand“ und vor allem auch kurzzeitorientiert. Die Coachingszene muss sich also auf neue und veränderte Nachfragesituationen einstellen. Das bietet Chancen im Markt, wohl dem, der hier die Nase vorn hat.
Plattform CAI-World
Insgesamt gibt das Buch zwar einen guten Überblick, wer es aber liest, um sich umfassend über bereits existierende Angebote zu machen, wird hier gezielt auf das Angebot der Autorin geleitet. Sie stellt die von ihr selbst entwickelte Plattform CAI-World umfangreich vor, andere Anbieter – auch wenn es wenige sind bisher – bleiben zurück. Der coachingkundige Leser muss sich zudem durch viel Grundsätzliches „durchlesen“, was durch die Zitierweise nicht gerade lesefreundlicher wird.
Tatsächlich hatte ich mir von dem Buch mehr versprochen. Zwar tut es auch dem erfahrenen Coach immer mal ganz gut, Grundsätzliches wieder zu lesen, wer aber im Kern wissen möchte, welche Möglichkeiten und Grenzen Online-Coaching bietet und vor allem einen breiteren Überblick über verschiedene Anbieter erwartet hat, sieht sich einer ausführlichen Werbebroschüre der Plattform der Autorin gegenüber.