3. April 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Schöne Schrottplastiken bewundern

Schöne Schrottplastiken bewundern

INSPIRATION: „Denn sie wissen nicht, was sie tun,“ hört man von Expertenseite zunehmend als Kommentar, wenn diese den KI-Praktikern über die Schulter schauen. Oder noch so ein Spruch: „Ist das Kunst oder kann das weg?“

Gerade erst habe ich meinen Unmut darüber kundgetan, dass alte, überholt geglaubte Vorstellungen von Change-Management, solche aus der technokratischen, patriarchalischen Ecke wieder fröhliche Urständ feiern (Der Konjunktiv ist dem Genitiv sein Freund). Und in der Tat bezieht sich meine Kritik nicht bloß auf einen Beitrag. „So wie Henry Ford einst Produktionsprozesse zerlegte, zerlegen wir heute Denk- und Organisationsprozesse,“ lesen wir auch an anderer Stelle (KI im Change Management). Und da wird dann von KI als einem maschinellen Muskel geschwärmt – neben Herz und Hand. Soll man da etwa in Verzückung verfallen?


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Doch es gibt in der letzten changement-Ausgabe des Jahres 2025 auch differenziertere Beiträge. Autor Jonas Polfuß (Wie das Change Management von KI profitieren kann) beispielsweise warnt vor zu viel Euphorie: „Der Markt ist jedoch noch jung und viele der Angebote befinden sich weiterhin in Pilotphasen.“ Insbesondere warnt er eben auch davor, Change-Management zum reinen Technikprozess degenerieren zu lassen, und erinnert an das alte Mantra „Mensch im Mittelpunkt“.

Seine Gliederung folgt Change-Phasen, was grundsätzlich zu kritisieren wäre (Change im Dreivierteltakt), es aber übersichtlich (simpel) erscheinen lässt:

  • Vorbereitungsphase: KI-Tools können Daten von Mitarbeiterbefragungen aufarbeiten (auch die Freitextantworten) oder Wettbewerbsanalysen liefern.
  • Planung und Umsetzung: KI-Tools können Stakeholder-Matrizen basteln, Change-Roadmaps entwerfen oder Kommunikationspläne vorschlagen, FAQ-Listen erstellen, Newsletter verschicken.
  • Verstetigung: KI-Tools können Videoschulungen und Lernmodule basteln. Auch für die kontinuierliche Evaluation kann man sie einspannen.

Technikakzeptanz

Der Autor stellt den Erfolgsfaktoren erfreulicherweise Risiken gegenüber und kritisiert, dass „nicht selten KI-Tools ohne ausreichende Schulung eingesetzt oder Standardvorlagen unreflektiert übernommen [werden].“ Es scheint also nicht selten das tayloristische „One fits all“ zu regieren, was leicht in ein „ohne Sinn und Verstand“ umschlagen kann. So dass sich nicht nur die Frage nach den Risiken, sondern auch die nach den Nebenwirkungen aufwirft. Potenzielle Konsequenzen: „Wenn Mitarbeitende das Gefühl entwickeln, dass ihre Anliegen einem Chatbot überlassen werden, besteht die Gefahr, dass das Vertrauen nachhaltig beschädigt wird.“

Das Thema Technikakzeptanz ist nun nicht neu (Die Maschine als sozialer Akteur im organisationalen System). Man hat allerdings heute zunehmend den Eindruck, es bleibe außen vor. Viele User scheinen derart „besoffen“ und vernarrt in den KI-Einsatz zu sein, dass sie wie im Tunnelblick weder rechts noch links schauen wollen und alles Mögliche in die Black Box werfen. Nach dem Motto: Irgendetwas Schlaues wird schon dabei herauskommen. Und um Workslop (=KI-Schrott) erkennen zu können, braucht es ja schon Intelligenz, Wissen, Kompetenz …

Was sind also die Erfolgsfaktoren? Autor Polfuß notiert:

  • Transparente Kommunikation über den KI-Einsatz
  • Kombination von KI mit menschlicher Expertise
  • Gezielte (Basis-)Schulung aller Beteiligten
  • Datenschutz und klare Regeln
  • Organisationsspezifische Anpassung
  • Empathie und persönlicher Kontakt

Wie war das gleich noch mit dem alten Mantra „Mensch im Mittelpunkt“? Oswald Neuberger kolportierte vor vielen Jahren schon süffisant die folgende Lesart: „Der Mensch ist Mittel. Punkt.“

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Thomas Webers

Dipl.-Psych., Dipl.-Theol., Fachpsychologe ABO-Psychologie (DGPs/BDP), Lehrbeauftragter der Hochschule Fresenius (Köln), Business-Coach, Publizist

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