14. Juli 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Es tut sich was

INSPIRATION: Sagen Ihnen die Unternehmen Spotify, Klarna und Hellofresh etwas? Was könnten sie gemeinsam haben? Die Antwort: Sie haben einen Betriebsrat. Nicht unbedingt üblich in der Tech-Branche, dort galten Mitarbeitervertretungen bisher als ”Relikt aus einer anderen Arbeitswelt”. Warum?

Ich stelle mir das so vor: Die schöne neue Welt der Start-ups versprach, dass es in ihnen hierarchiefrei oder zumindest hierarchiearm abläuft. Alle sind gute Freunde, arbeiten bis spät in die Nacht an der großen Vision, von der am Ende alle profitieren. Und womöglich Millionäre werden.


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Dazu die Idee, dass alles mit Technologie gelöst wird. Man arbeitet mithilfe von Kollaborationstools wie Slack oder Trello auf Augenhöhe zusammen. Jeder kann auf das komplette Wissen zugreifen. Alles ist transparent. ”Wir sitzen alle in einem Boot” – so dürfte es sich zumindest angefühlt haben.

Permanente Leistungsbewertung

Was aber spätestens dann, wenn es mal weniger gut läuft und das mit dem Millionärwerden nur für wenige gilt (wenn überhaupt), zur großen Enttäuschung führen muss. Dann stellt man nämlich fest, dass es doch handfeste Hierarchien gibt, dass diese aber ziemlich intransparent sind. An einem Beispiel: Da erhält jemand die Kündigung, aber niemand will es gewesen sein. Jeder zeigt auf den anderen (Die brancheneigenen Verheißungen machen nicht satt).

Nicht nur das: In diesen Branchen finden sich die gleichen ”Performance Improvement Programme” wie überall, vielleicht sogar extremer. Da werden Mitarbeitende genauso bewertet, Noten verteilt, auf Normalverteilung Wert gelegt. Alles soll ja messbar sein – ”eine Kultur der permanenten Leistungsbewertung”.

Der Einzug der Betriebsräte

Und dann kommt jemand auf die Idee, einen Ableger der Arbeitsrechtsgruppe Tech Workers Coalition (TWC) zu gründen. Das ist keine Gewerkschaft, sondern ein Netzwerk, das im Silicon Valley entstand und inzwischen weitere Ableger, zum Beispiel auch in Berlin, hervorgebracht hat. Und siehe da, die Techies stellen fest, dass es hierzulande doch so etwas Nützliches wie die Mitbestimmung gibt. Es passierte etwas Erstaunliches: TWC, IG Metall und Verdi arbeiten zusammen, inzwischen gibt es die ersten Betriebsräte (siehe oben). Wobei der Erfolg bei der Online-Bank N26 wegweisend war, wo erst mit allen Mitteln versucht wurde, diese Gründung zu verhindern.

Ist das nun eine gute Nachricht? Für alle, die gedacht hatten, dass die neuen Technologien und New Work irgendwie Hand in Hand gehen, eher nicht. Solange der Unternehmer sich als Arbeitgeber versteht und Angestellte vor allem ein Kostenfaktor sind, wird das nichts mit der Augenhöhe. Für alle, die sich über die Bürokratie am Standort Deutschland beklagen, bleibt aber die Erkenntnis, dass hierzulande eben doch nicht alles so furchtbar ist.

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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