21. Juli 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Muss Feedback weh tun?

INSPIRATION: Was würde man wohl zu hören bekommen, wenn man altgediente ehemalige CEOs nach ihren wichtigsten Erlebnissen, Erkenntnissen und ”Learnings” nach vielen Jahre an der Spitze eines Konzerns fragte? Oder auch andere Top-Manager, egal auf welcher Hierarchiestufe? Ich bin mir ziemlich sicher, dass unter all den Antworten immer wieder irgendein besonderes Feedback, das ihnen im Gedächtnis geblieben ist, auftauchen würde.

So auch beim ehemaligen Lego-CEO Jørgen Knudstorp, der im Harvard Business Manager interviewt wurde (Du bist so ein Arschloch). Nicht irgendein Feedback natürlich, sondern eines, das richtig weh getan hat. In seinem Fall lief die Geschichte so: Nachdem er ca. 4 Jahre im Amt war, stellten sich die ersten Erfolge ein. Das Unternehmen kam aus der Krise und florierte, entsprechend wurde er „von einem CEO, an dessen Eignung Zweifel bestanden hatten, zu einer Art Supermann …”. Gefeiert von den Medien gab er fleißig Interviews, in denen er erklärte, wie er das angestellt hatte.


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Demut verloren

Bis zu dem Moment, in dem ihn der damalige CFO, ein 20 Jahre älterer Manager, ansprach und erklärte, dass er ”so ein Arschloch” sei, dass er nicht nur die Leistung seiner Kollegen im Vorstand, sondern auch die harte Arbeit der ganzen Belegschaft unerwähnt ließ und offensichtlich glaube, es ginge immer nur um ihn.

Heute sagt er, dass er offenbar zuvor seine Demut verloren hatte. Weil Erfolg blind macht. Interessant ist, dass ihm dies noch einmal passierte. Da war er Chef des Aufsichtsrates und hatte einen hervorragenden Nachfolger als CEO. Nun fühlte er sich als Vertreter der Eigentümerfamlie und wollte das in ihn gesetzt Vertrauen rechtfertigen. Mit der Folge, dass er sich zu sehr einmischte und überkritisch war.

Dank vieler Coachings und dank der Reflexion seiner Persönlichkeit, u.a. als Folge eines Persönlichkeitstests am IMD in Lausanne, musste er erkennen, dass er dazu neigte, andere zu manipulieren. Das folgende Beispiel finde ich aufschlussreich. Früher pflegte er, wenn er mit der Äußerung eines anderen nicht einverstanden war, zu sagen: ”Das ist sicher ein wichtiger Aspekt, aber …” Heute sagt er einfach: ”Das sehe ich anders!” Und es macht ihm auch nichts mehr aus, in einer Diskussion zu sagen: ”Liebe Leute, ich werde hier mit Nein stimmen, sonst werdet Ihr in einem Jahr kommen und sagen: Warum hast du damals nicht mit Nein gestimmt, das wäre besser gewesen!“

Mut und Ehrlichkeit

Das schlichte Prinzip dahinter: Ehrlichkeit. Kein drumherum Reden, kein vorsichtiges Taktieren. Das zweite Prinzip: Es gehört Mut dazu, eine andere Meinung als alle anderen zu vertreten und offen zu sagen, was man denkt und fühlt.

Kennen Sie auch solche Momente? In denen schmerzhaftes Feedback Ihnen die Augen geöffnet hat? Knudstorp behauptet, auch privat dadurch ein besserer Mensch geworden zu sein. Sagt jedenfalls seine Frau. Ich nehme es ihm mal ab. Unter anderem deshalb, weil ich auch einen anderen Typ Manager kenne. Oder besser einen anderen Typ Mensch, denn das Prinzip gilt sicher für jeden.

Zu spät bereut

Führt also schmerzhaftes Feedback zur Verhaltensänderung? Sicher nicht immer. Denn da gibt es diejenigen, die zum Ende ihrer Karriere erklären, dass sie vieles bereuen und so manche Dinge heute anders machen würden. Was keine große Leistung mehr ist.

Entweder gab bei ihnen niemanden, der ihnen ähnliches Feedback gegeben hat. Niemand, der den Mut hatte, Klartext zu reden. Oder aber es gab diese Feedback-Geber durchaus, aber der Betreffende hat ihnen nicht zugehört, mehr noch: Er hat sie es spüren lassen, so dass sie ihrer Offenheit bitter bereut und danach lieber die Klappe gehalten haben.

Ob das Feedback bei Knudstorp wirklich den beschriebenen Effekt hatte, kann ich nicht beurteilen. Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, wie sich eine solche Situation ins Gedächtnis eingräbt. Ich glaube, dass die massive Wirkung vor allem in Situationen eintritt, in denen der Feedbacknehmer gerade ein besonderes Hochgefühl empfindet, sich unantastbar und besonders geschmeichelt fühlt – und dann der Kontrast der deutlichen Kritik zu einem echten Schock führt.

Bei dem einen kann das zu einem Umdenken führen, der andere kann mit der Verletzung nicht umgehen und wird sich böse rächen. Wohl dem, der stark genug ist, eine solche Rückmeldung zu verkraften und für sich zu nutzen.

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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Ein Kommentar zu „Muss Feedback weh tun?

  1. „Du bist so ein A…“ ist für mich kein Feedback, eher sehr drastisch die Meinung sagen, das braucht’s auch!

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