31. August 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Chatbot (KI-generiert)

Neues Reinheitslabel?

INSPIRATION: So viel vorweg: Bisher ist noch kein einziger Text bei MWonline mithilfe von KI produziert worden. Wir haben auch noch keinen der von uns besprochenen Fachartikel von einer KI zusammenfassen lassen. Soll heißen: Bisher lesen wir alle Fachartikel persönlich und schreiben unsere Texte komplett selbst.

Von daher sind wir ganz gelassen, was den EU AI Act betrifft. Der nämlich schreibt vor, dass KI-erzeugte Texte kenntlich gemacht werden müssen. Und dass Interaktionen auf einer Webseite mit Chatbots als solche transparent sein müssen. Haben wir auch nicht (bis jetzt). Wenn uns jemand anschreibt oder anruft, antworten wir persönlich oder gehen ans Telefon.


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KI-frei

Interessiert das jemanden? Vermutlich nicht. Aber woanders scheint sich etwas zu bewegen. Es gibt Verlage, die auf ihre Produkte den Hinweis anbringen lassen: ”Ohne KI”. Sie haben festgestellt, dass Kunden zunehmend genervt sind, wenn sie feststellen, dass Hersteller Geld sparen wollen und zum Beispiel für Werbekampagnen schlecht gemachte KI-Spots einsetzen. Die wahrgenommene Botschaft lautet nicht: „Schaut her, wie fortschrittlich wir sind!”, sondern: ”Mit KI sparen wir noch mehr Kosten zu Lasten der Qualität!” Und das mögen Kunden so gar nicht, vor allem nicht bei Premium-Produkten.

Werden wir also ein neues Label erleben? Nach ”Ohne Gentechnik” und ”Ohne Plastik” und ”Ohne Kükentöten“ und ”Ohne Laktose” und ”Glutenfrei” jetzt also ”KI-frei”? Kein Witz: Bei Spotify sollen von echten Menschen erstellte Songs mit einem grünen Haken versehen werden. Es gibt eine Organisation, die schon seit „2023 eine Art Reinheitslabel für Filme” vergibt. Und die Wäschemarke Arie will nur noch echte Menschen und echte Emotionen zeigen und hat schon 2014 aufgehört, Fotos zu retuschieren (Die Rückkehr des Menschen).

Zurück zum Menschen

Da habe ich kurz selbst innegehalten: Es stimmt ja, die Bearbeitung von Fotos hat uns ja lange vor KI schon scheinbar ”echte” Menschen präsentiert, die aber in Wirklichkeit ganz anders aussehen. Und wer hat nicht bei Bewerbungsanschreiben ein Passfoto von sich verwendet, bei dem ein paar Falten und Pickel entfernt wurden? Die Vorläufer von KI.

Kommt also jetzt der Stimmungsumschwung? Die Sehnsucht nach dem ”Echten”. Dass wir von Maschinen erzeugte Songs, Fotos und Filme ablehnen? Sichergehen wollen, dass der Kommentar beim Sport von echten Menschen gesprochen wird? Die Stimme des US-Schauspielers wieder vom Synchronsprecher stammt? Offenbar setzt schon eine Art KI-Müdigkeit ein. Oder anders: Wir werden immer misstrauischer, ob das, was uns vorgesetzt wird, ”echt” ist. Da kommt die Kennzeichnungspflicht der EU vielleicht doch genau richtig.

Menschen statt Chatbots?

Und dann ist da noch die Geschichte mit dem Kundenservice. Da scheint auch der Lack zu bröckeln (Zurück zum Menschen). Laut einer Studie beurteilen Kunden einen Servicefehler deutlich gnädiger, wenn ihn ein Mensch begangen hat als wenn sie annehmen, dass ein Roboter mit ihnen spricht. Es gibt die Beispiele, dass große Player (Trade Republic, Klarna) inzwischen zurückrudern und damit werben, dass man bei ihnen wieder echte Menschen erreicht. Lustig: Was früher als normal galt, wird zum heute zum Marketing-Instrument.

Aber vermutlich ist das wie überall: Im Premium-Bereich, wo Kunden viel Geld hinblättern, werden sie in Zukunft mit echten Menschen zu tun haben. Der Rest wird sich mit KI abfinden müssen und das wohl auch akzeptieren. Zumal diese vermutlich irgendwann so perfektioniert wird, dass es uns egal sein wird, ob da ein KI-Label drauf klebt. Nur hin und wieder werden wir uns dann etwas mit ”echten Menschen” gönnen. So wie MWonline.

Übrigens: Das Bild zu diesem Beitrag ist – KI-generiert. Gar nicht so einfach, ein Bild eines ”echten” Chatbots zu finden …

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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