INSPIRATION: Hand auf’s Herz – glauben Sie, dass in dem von Ihnen verantworteten Bereich – also in Ihrem Unternehmen oder in Ihrer Organisation – Menschen kriminellen Machenschaften nachgehen? Unterschlagen, bestechen, Bestechungsgelder annehmen, geheime Informationen preisgeben? Vermutlich nicht, oder? Sie haben als Manager selbst die Kontrolle in der Hand – allerdings in der Regel keine Erfahrung mit Korruption oder Betrug. Keine gute Mischung, das führt zu einem trügerischen Gefühl der Sicherheit (Von innen ausgenommen).
Zäumen wir die Sache mal anders auf. Hier kommt eine kleine Checkliste. Wenn Sie darin Ihre Organisation wiedererkennen, dann sollten Sie sich ernsthaft Gedanken machen. Los geht es:
Anzeige:
Menschen mögen - Gesund führen - Fehlzeiten senken: Das sind die Themen von "do care!" Meine Materialien und Ausbildungen richten sich an Profis, die mit Führungskräften arbeiten - ob im BGM, im HR oder in Training und Beratung. Zur Webseite...

- Sie haben ein umfangreiches Regelwerk und eine Menge Vorschriften, die eine Vielzahl Passivkonstruktionen enthalten oder im Befehlston verfasst sind. Wirklich einleuchtend sind viele aber nicht. Präsenzschulungen mit echten Fällen aus dem Alltag zum Thema ”Wirtschaftskriminalität”, zugeschnitten auf die jeweilige Zielgruppe, gibt es keine.
- Sie als Chef oder Ihre Führungskräfte setzen herausfordernde (Umsatz-)Ziele, loben für die Erreichung attraktive Prämien aus und erhöhen auch mal gerne den Druck, wenn nicht genügend Aufträge herangeholt werden. Es ist auch durchaus üblich, hier und da mal ein Auge zuzudrücken, auch wenn der Kunde nicht besonders vertrauenserweckend ist.
- Es gibt kein Vieraugen-Prinzip, für die Vergabe von Aufträgen und das Abzeichnen der Rechnungen ist in der Regel nur eine Person zuständig.
- Beschäftigte haben keine Anlaufstelle, wo sie Missstände melden können. Wer es dennoch wagt, wird als Nestbeschmutzer und Petze gebrandmarkt (Ein Whistleblowingsystem ist übrigens für Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden gesetzlich vorgeschrieben!).
- Wenn doch mal ein Fall auftritt, in dem Mitarbeitende sich als korrupt herausstellen oder andere bestochen haben, regeln Sie das auf Ihre Art. Sie ziehen keine juristischen Experten hinzu und versuchen, den Fall möglichst unter den Teppich zu kehren.
Hohe Dunkelziffer
Wenn Sie immer noch glauben, dass bei Ihnen Fehlverhalten der genannten Art nicht vorkommen: Ein Drittel der deutschen Unternehmen ist von Wirtschaftskriminalität betroffen. Und die entstandenen Verluste sind immens, wie reale Beispiele im Originalbeitrag zeigen. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein, da fast 50% der Unternehmen aus Sorge vor Reputationsverlust die Fälle gar nicht zur Anzeige bringen.
Das aber ist riskant, denn es spricht sich auch so herum. Da ist vielleicht Transparenz doch die bessere Alternative. Und zwar intern an alle Mitarbeitenden, bevor sie es aus der Presse erfahren.
Hilfreiche Kontrolle
Ich habe oft genug gehört, dass schon beim Vier-Augen-Prinzip viele Führungskräfte zucken. Sie wollen nicht als Kontrollfreaks gelten und lieber Vertrauen signalisieren. Aber ist eine derartige Regel wirklich ein Zeichen von Misstrauen? Vielleicht geschieht sogar das Gegenteil: Die Betroffenen sind froh, wenn jemand noch einmal auf die Rechnung oder den Auftrag schaut, bevor sie rausgehen. Es könnten ja auch unbeabsichtigte Fehler geschehen, die für alle Beteiligten ärgerlich sind.
Was die Ziele und Herausforderungen angeht – hier noch ein kleines Gedankenexperiment. Wenn Sie Boni, Beförderungen und andere Incentives an zu erreichende Zahlen koppeln, spielen Sie doch in Gedanken mal durch, welche Möglichkeiten die Beschäftigten haben, die Ziele auf unerwünschten Wegen zu erreichen.
Ungestraft Straftaten planen
Das können Sie einfach mal im Team als Trockenübung durchführen. Dürfte den meisten sogar richtig Spaß machen, mal ungestraft Straftaten zu planen. Und sich dann überlegen, wie hoch das Risiko wohl ist und ob der Aufwand für mögliche Gegen- oder spätere Reparaturmaßnahmen die Sache wirklich lohnt (Nachdenken hilft).
Ach, noch was: ”Der typische Täter ist zwischen 30 und 50 Jahre alt und arbeitet im höheren Management.” Falls Sie die Idee haben, sowas könne auf Ihrer Ebene nicht passieren.
