INSPIRATION: GenKI ist nicht GenKI. Die großen Tech-Corps kreieren jeweils ihre eigenen Sprösslinge und überbieten sich laufend gegenseitig. Je nach „Kinderstube“ sind die sogenannten „Gesprächspartner“ unterschiedlich drauf.
Autor Tilman Baumgärtel (Du hast ja so recht!) ist wahrlich ein schönes Stück gelungen: Er liefert eine kleine, lustige Typenkunde der „Labertaschen“ (aka Chatbots). Gleich zu Beginn lässt er keinen Zweifel an seinem globalen Eindruck: Sie „haben sich in unserem Leben eingenistet wie Gäste auf einer WG-Party, die keiner eingeladen hat“. Tja, aber jetzt sind sie nun mal da … Wie kommt man mit ihnen klar?
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Eigentlich sind die Chatbots nur „Papageien“ (KI – es ist nicht drin, was draufsteht), die auf statistischer Basis (Large Language Models) ihren Sermon absondern, den viele für sinnvoll erachten. Wie kann es sein, dass man sie so unterschiedlich wahrnimmt, dass man bereit ist, ihnen einen Charakter oder eine Persönlichkeit anzuhängen? Haben sie nicht alle dasselbe Junk Food (Wikipedia, Social Media & Co.) gefressen? Offensichtlich haben ihre „Väter“ sie jedoch unterschiedlich erzogen …
Eine kleine, lustige Typenkunde
Autor Baumgärtel hatte offensichtlich viel Spaß daran, die Herrschaften (sic!) zu porträtieren:
- ChatGPT – Der windige Streber. Dieser Chatbot „kann alles, weiß alles, kennt alles. Man sollte es bloß nicht zu genau wissen wollen“. Der Bot verzapft so einiges an Quatsch, wie der Autor genüsslich darlegt, ist dabei aber „eilfertig und von öliger Freundlichkeit“.
- Meta AI – Die Trantüte. In Whatsapp, Facebook und Instagram implementiert, hilft der Chatbot, wenn er gefragt wird.Der „öde Kollege“ bleibt aber „funktional, effizient und distanziert“. Flutet dafür seine Nutzer mit zielgruppengenauer Werbung.
- My AI – Der Creep. Dieser Chatbot wartet in Snapchat auf seine Opfer. Autor Baumgärtel erinnert dieser Chatbot an „Pennywise, den Horrorclown aus Stephen Kings Schauerroman ‚Es‘ mit den bunten Haaren, der roten Nase und den Pompons“. Er lockt Kinder und Jugendliche mit lustigen Sprüchen an, um sie dann für die Werbekundschaft zu scannen.
- Grok – Stimme der Vernunft. Auf X (das früher Twitter hieß) positionierte sich der ChatBot als allwissendes „Orakel von Delphi“ und somit „vernünftiger als die meisten menschlichen Shitposter auf X“. Doch diese Haltung ist wohl letztens gekippt: „Neuerdings betet Grok zunehmend die Talking Points von Kulturkämpfern und rechten Spinnern nach“.
- Gemini – Das Nepo-Baby. Der Nachzügler aus dem Hause Alphabet (Google) wurde überstürzt auf den Markt geworfen. „Das Schweizer Allzweckmesser unter den KI-Bots“ wirkt oft „überambitioniert und getrieben“.
- DeepSeek – Die Labertasche. Der ChatBot liefert nicht nur Antworten, sondern „lässt seine Nutzer auch an seinem ‚Räsonieren‘ teilhaben“, wirkt dabei aber eher wie ein Schwafler. „Vielleicht dient das endlose Gelaber nur dazu, uns besser auszuspionieren,“ mutmaßt der Autor mit Blick auf dessen Heimat China.
Welches Schweinerl hätten Sie denn gerne?
Sollte man nun Überlegungen zum Matching anstellen? Welcher Bot zu welchem User passt? Autor Baumgärtel wirft die Frage erst gar nicht auf. Aus der Coaching-Forschung wissen wir allerdings: Es ist egal, wer wen coacht. Persönlichkeit spielt keine Rolle. Man muss nicht perfekt passen, man muss nur gut zusammenarbeiten können (Coaching-Beziehung). Tilman Baumgärtel würde hier vermutlich mit einem „Passe partout“-Argument sekundieren: Die Bots sind in der Regel darauf getrimmt worden, dem Anfragenden nicht zu widersprechen. Das liebt die narzisstische Moderne. Insofern: egal …
Irgendwie ist es schon beachtlich, dass viele Menschen gerne die Hilfe durch Chatbots in Anspruch nehmen. Auch wenn das dann häufig in Slop-Schlachten ausartet. Slop nennt man den „Matsch“, der oft als Output solche Chatbot-Befragungen zum Vorschein kommt und dann – nicht gegenrecherchiert oder kritisch hinterfragt (KI soll ja Zeit sparen und nicht fressen!) – beim Arbeitskollegen als hochqualitative Erkenntnis abgeliefert wird.
„Man möchte sich kaum vorstellen, was es langfristig mit der Menschheit anrichten wird, wenn sie immer mehr Zeit mit diesen Bots verbringt,“ lästert Autor Baumgärtel zum Schluss.
