1. Februar 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Umstrittene Arbeitgeber

KRITIK: Ganz nach oben in den Rankings der beliebtesten Arbeitgeber schaffen es Unternehmen der Tabakindustrie, der Rüstungsbranche oder Hersteller von Legebatterien wohl nie. Wie kommen sie überhaupt an ihren Nachwuchs? Eine interessante Frage, die im Sonderteil Rekrutierung der Wirtschaftswoche 51/2015 gestellt wird (Bewerbung mit Gewissensfrage). Allerdings ist sie offenbar nicht so einfach zu beantworten. 

Transparenz ist ein häufiger verwendetes Schlagwort in diesem Beitrag. Die Personaler müssen viel reden, den Konflikt ansprechen, ihn sogar verdeutlichen. Denn er besteht, egal wie man es dreht und wendet. Oder kann sich jemand vorstellen, dass Mitarbeiter eines Zigarettenhersteller gute Argumente für seine Produkte hat?


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Der Headhunter, der hier zu Wort kommt, macht deutlich, dass er auf beiden Seiten, beim Arbeitgeber und beim potenziellen Kandidaten, für die jeweils andere Seite Verständnis wecken muss. Das stelle ich mir schwierig vor. Der Bewerber muss sich „neuen Sichtweisen“ öffnen. Welche könnten das sein? In dem Beitrag kommt ein junger Mitarbeiter eines Hühnerkäfig-Herstellers zu Wort, der damit wirbt, dass den meisten Bauern das Wohl der Tiere am Herzen liegt und ohne die Intensivhaltung nun mal die hohe Nachfrage nicht befriedigt werden kann.

Das ist also ein Argument – es gibt Kunden, die bestimmte Produkte wünschen und kaufen. Ein weiteres: Gute Bezahlung – das taucht hier mehrfach auf. Ein schlagendes Argument. So wie auch dieses: Faszination Technik. Gemeint ist die Rüstungsindustrie. 

Auf der anderen Seite müssen die Unternehmen lernen, Diskussionen über die Schattenseiten ihrer Branche zuzulassen. Genau diese Diskussionen seien es, die manche Bewerber überzeugen: Das offene Gespräch über die negativen Seiten des Geschäftes motiviert Kandidaten, dort einzusteigen. 

Wie muss ich mir das vorstellen? „Ich weiß, dass unsere Produkte Menschen umbringen. Und das werden sie auch in Zukunft tun. Wir tun alles, um Kunden davon abzubringen, sie zu kaufen. Sie tun es trotzdem, da können wir nicht viel machen…“ – „Wow, diese Ehrlichkeit. Sie stehen zu dem, was sie tun, das gefällt mir…“

Würde es gute Argumente für das Geschäft der genannten Branchen geben, würden sie sicher in solchen Artikeln auftauchen. Ist aber nicht der Fall. Was bleibt dann – außer dem guten Gehalt? Und der Satz: „Wenn ich dort nicht arbeiten würde, dann würden es andere tun.“ So ist es wohl. Würde niemand die Jobs annehmen, gäbe es die Branchen nicht. Tja, und wenn niemand die Produkte kaufen würde.

Ich weiß, naiv, naiv. Aber morgen ist Weihnachten, da darf man mal naiv sein…

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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