PRAXIS: Sind Sie jemand, der sich immer mal wieder vornimmt, doch mehr zu lesen? Um dann am Ende eines Tages festzustellen, dass Sie Ihre Zeit doch wieder mit ganz vielen anderen Dingen verbracht haben. Oder zu dem Ergebnis kommen, dass Sie einfach nicht genug Ruhe und Muße haben, um sich einem Buch zu widmen. Und das Lesen anschließend auf den nächsten Urlaub oder mindestens auf das nächste Wochenende zu vertagen.
Wenn all das nicht hilft, dann versuchen Sie mal, eine Gewohnheit zu entwickeln. Sie wissen schon: Nach dem „Wenn-dann-Prinzip“. Wie das mit der Lesegewohnheit funktioniert? Ganz einfach: Sie legen das Buch an einen Ort, an dem Sie regelmäßig vorbeikommen. Also nicht ins Bücherregal stellen. Auch nicht auf einen Tisch zu anderen Büchern. Wichtig ist, dass Sie auf jeden Fall beim Vorbeikommen darauf aufmerksam werden. Neben die Fernbedienung des Fernsehgerätes vielleicht. Oder im Bad neben das Klo.
Und nun kommt die „Wenn-dann-Regel“ ins Spiel. Immer, wenn Sie daran vorbeikommen – und zwar wirklich IMMER! – lesen Sie darin. Egal, ob eine halbe Seite oder fünf Seiten. Hauptsache, Sie lesen. Wichtig ist die Regelmäßigkeit, nicht die Menge. Irgendwann ist die Verknüpfung in Ihrem Hirn angekommen. Sie greifen zum Buch, weil es Ihnen der Griff „in Fleisch und Blut“ übergegangen ist. Dazu ist dann gar keine bewusste Entscheidung mehr nötig (Gewohnt zum Erfolg).
Ich überlege gerade, bei welchem Vorsatz mir dieses Prinzip helfen könnte. Und habe eine Idee. Ich schiebe das Üben des Klavierspiels immer wieder vor mir her. Würde es mir helfen, wenn ich, wann immer ich das kleine Zimmer, in dem das Instrument steht, mich daran setze? Einfach wenige Minuten spiele, egal, wie viel Zeit ich gerade habe, egal, was ich mir sonst vorgenommen habe? Ich werde es probieren. Und bei Gelegenheit an dieser Stelle berichten. Versprochen!
Ach, noch eine kleine Ergänzung: Wussten Sie, dass es im Japanischen einen Begriff für das Phänomen gibt, Bücher zu kaufen und sie dann im Regal verstauben zu lassen? Er lautet „Tsundoku“.

Oh, wie schön, dann hab ich dafür also endlich ein Wort: Tsundoku! 😉 Jaja, die vielen „muss-ich-unbedingt-noch-lesen“ Bücher. *hüstel
Hallo, lieber Johannes!
Vielen Dank für diese Idee – immer, wenn ich daran vorbeigehe, dann ….
Ein guter Impuls.
ICh finde generell Routinen für all diese … hmmm, wie nenne ich sie….halbherzigen Mussichs oder Möchteicheigentlichs immens hilfreich. Eine krieg ich ganz gut hin: Morgens nach dem Aufstehen 15 Minuten schreiben und 15 Minuten Sach-/Fachbuch lesen (das konkretisiere ich deshalb, weil ich fürs Romanlesen keine Disziplin brauche, das läuft gut!).
Im Augenblick lese ich mit großer Freude ein Buch, auf das ich gefühlt seit langem warte und wo ich jetzt, nach dem Lesebeginn mich eigentlich ärgere, das nicht selbst geschrieben zu haben:
Negative Psychologie. Wie Angst, Zweifel und Scheitern zu essenziellen Ressourcen werden. Ein praktischer Gegenentwurf zum Diktat der positiven Psychologie. Oliver Hoffmann, BusinessVillage Verlag.
Jetzt wünsche ich Ihnen ein lese- und klavierspiel-freudiges Wochenende!
Herzlichst, Bettina