INSPIRATION: Was ist eigentlich aus den Alternativen zu hierarchischen Strukturen in Unternehmen geworden? Zumindest in den von uns betrachteten Medien ist es stiller geworden, und hin und wieder drängt sich der Eindruck auf, dass der Trend eher in die entgegengesetzte Richtung geht. Mehr hin zu starken Figuren an zentralen Positionen, die für klare Entscheidungen sorgen, in Krisenzeiten durchgreifen und nicht lange fackeln.
In Barcelona haben sich kürzlich Menschen getroffen, die sich in einem Netzwerk namens ”Corporate Rebels” organisieren. Sie betreiben lose Zellen, in denen sich Menschen austauschen, die sich für alternative Formen der Organisation interessieren, mit ihnen experimentieren oder sie schon eingeführt haben und in ihnen arbeiten (Was ist aus den Organisationsrebellen geworden?). Das Personalmagazin war vor Ort, und der Beitrag macht Hoffnung. Zumindest dem MWonliner, der bekanntlich viel Sympathie für alles hat, was auf Hierarchien (weitgehend) verzichtet.
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Keine Rezepte
Was sind die wesentlichen Erkenntnisse? Alle nicht sonderlich überraschend, aber durchaus wert, mal wieder in Erinnerung gerufen zu werden. Also: Es gibt keine allgemein gültigen Rezepte – weder für den Wandel noch für alternative Organisationsformen überhaupt. Die ”Corporate Rebels” bieten deshalb auch keine Bauanleitungen oder Zertifizierungen an, sie wollen durch Austausch untereinander helfen, passende Lösungen zu finden.
Es geht nicht ohne Regeln und Strukturen. Da hatten wohl die ganz großen Enthusiasten am Anfang etwas missverstanden. Natürlich brauchen auch selbstorganisierte Teams Strukturen – nur eben andere. Was unmittelbar einleuchtet. Wobei ich wieder die Augen verdrehe, ist bei einem Satz wie: ”Menschen wünschen sich Freiheit, aber innerhalb einer hierarchischen Struktur … Das sei im Bewusstsein verankert, wie eine Art Muskelgedächtnis.” Vielleicht ist damit gemeint, dass wir alle von Kindheit an trainiert haben, Menschen auf bestimmten Positionen Macht über uns einzuräumen. Zwar zwischendurch mal kurz rebelliert haben, aber uns dann wieder brav eingereiht haben in ein hierarchisches System. Die meisten jedenfalls.
Zentrale Entscheidungen bei Krisen
Nächste Erkenntnis: ”Auch dezentrale Systeme brauchen zentrale Entscheidungen.” Na klar, es gibt immer wieder Situationen, da muss etwas entschieden werden, was die ganze Organisation betrifft. Die Frage ist aber, wie genau das geschieht. In kleinen Unternehmen können sich alle zusammensetzen und eine Entscheidung fällen. Aber in größeren? Da kann man solche Entscheidungen delegieren. Zum Beispiel an einen Kreis, in den alle Teams ihre Vertreter entsenden. Oder aber man richtet einen Krisenstab ein, der dann die notwendigen Entscheidungen trifft. Das gab es wohl bei der Beratung Visii. Interessanter Satz: ”Der Erfolg lag darin, die Prinzipien der Selbstorganisation so weiterzuentwickeln, dass sie auch unter extremen Druck erhalten bleiben.”
Aber auch das sollte erwähnt werden: So etwas sei nur deshalb erfolgreich verlaufen, weil zuvor acht Jahre lang Vertrauen in die Selbstorganisation aufgebaut worden ist. Das kann ich nachvollziehen. Wer die Hierarchie abbaut und kurz danach in eine Krise gerät, wird viel eher in Gefahr sein, zurückzukehren zu den alten Strukturen.
Hoffnungsträger Bayer
Und mal wieder Bayer (Gleiche Regeln für alle). Viele scheinen die Hoffnung auf das gewaltige Experiment zu setzen. Wenn es gelingt, eine solch große Organisation komplett umzubauen nach dem Prinzip der Selbstorganisation, wäre das mehr als ein Leuchtturm-Projekt. Scheitert es, werden die Stimmen laut, dass es ja gar nicht klappen konnte – selbst wenn die Ursachen eher im Geschäftsmodell liegen sollten.
Zum Schluss drei Fragen, die Frédéric Laloux vorschlug. Und die sich Organisationen oder Teams so zwischendurch mal stellen sollten (wobei das sicher auch für hierarchisch organisierte Unternehmen spannend wäre):
- Was würde mit unserem Umsatz passieren, wenn Werbung verboten wäre?
- Was würde wohl passieren, wenn sich unsere Kunden ein fünfminütiges Video über die Herstellung unserer Produkte anschauen müssten?
- Was wäre, wenn der Preis für unsere Produkte alle gesellschaftlichen Kosten enthielte?
Da kommt man schon ein wenig ins Grübeln, oder?
