INSPIRATION: Was rät man jungen Menschen, die vor der Wahl stehen, in das Unternehmen ihrer Eltern einzusteigen? Mehr noch: Die es in jungen Jahren komplett übernehmen sollen? Und die dann plötzlich eine große Zahl von Menschen führen sollen, die deutlich älter als sie selbst sind? Die Wirtschaftswoche hat zwei von ihnen aufgespürt und nach ihren Erfahrungen befragt. Und natürlich die passenden Experten zu Wort kommen lassen. Deren Tipps sind so ein bisschen wir die Ratschläge der modernen KI (wobei die KI sie vermutlich genau von diesen ”Experten” hat).
Wichtig seien Konsistenz, Klarheit und Verlässlichkeit. Ein klassisches Vorurteil gegenüber jüngeren Führungskräften lautet angeblich, dass diese wankelmütig, eigennützig und impulsiv seien (Ich hab hier jetzt das Sagen). Dem kann man in der Tat entgegenwirken. Indem man hält, was man verspricht. Und klar sagt, was man denkt und vorhat. Ratschläge, die sicher jeder Führungskraft weiterhelfen.
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Klarer Schnitt
Da finde ich das Beispiel in der Brand eins schon interessanter (Passend gemacht). Hier stand die Tochter des Gründers plötzlich vor der Entscheidung, einen Maschinenbauer im ehemaligen DDR-Grenzgebiet zu übernehmen. Genau das, was sie auf keinen Fall wollte. Aber dann stellte sie sich die Frage, ob sie das Unternehmen so umbauen könnte, dass es zu ihren Vorstellungen von Unternehmen passte. Mehr noch: Dass es auch in ihr Leben passte.
Und siehe da, es gelang. Auch wenn die Zukunft immer noch nicht rosig aussieht – das Unternehmen ist auf einem guten Weg. Unter anderem auch deshalb, weil sie einen ganz anderen Führungsstil an den Tag legt als ihr Vater. Diesen beschreibt sie als ”impulsiv” – Moment mal, wie war noch mal das Vorurteil über jüngere Führungskräfte laut Wirtschaftswoche? Vorher wurde gemacht, was er sagte. Das stellte niemand in Frage, egal was man von seinen Entscheidungen hielt. Damit sich etwas ändern konnte, musste ein klarer Schnitt sein. Das gefiel dem Gründer gar nicht, aber die Tochter stellte ihn vor die Wahl: ”Du oder ich!”
Die 4-Tage Woche
Und dann? Musste sie viele Baustellen angehen. Führte sie Teambesprechungen ein, plötzlich sollten die Beschäftigten ihre Ideen einbringen. Wo es früher geheißen hatte: ”Du wirst hier nicht fürs Denken bezahlt!” Und sie engagierte eine Co-Geschäftsführerin, die, anders als sie selbst, regelmäßig vor Ort ist. Denn die Unternehmerin lebt in Berlin, arbeitet im Co-Working-Space mit anderen Unternehmern und ist nur eine Woche im Monat in der Firma.
Gravierendste Veränderung: Man beschloss, die Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich zu testen im Rahmen eines Forschungsprojektes. Und behält sie bei, denn die Folgen waren die erhofften: Weniger Krankentage, höhere Zufriedenheit, gestiegene Produktivität. Wobei auch klar wurde: Einmal einführen und damit ist die Sache durch, funktioniert so nicht. An dem Modell wird stetig gearbeitet. So vereinbarte man mit den Beschäftigten, dass in Wochen mit einem Feiertag diese als Vier-Tage-Woche gelten – denn nur drei Tage zu produzieren rechnet sich nicht.
Auch spannend: Ein Maschinenbau-Unternehmen, das von zwei Frauen geführt wird, ist sicher noch lange keine Selbstverständlichkeit. Eins hat sich damit noch verändert: Fast die Hälfte der Belegschaft sind Frauen. Das lässt hoffen.
