15. April 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Ein Bergführer an einem Berghang mit einem weiteren Bergsteiger

Echte Leader

KRITIK: Das ist doch mal eine weise Definition von wahren Führungskräften. Während alle Welt immer noch auf der Suche nach Persönlichkeitseigenschaften ist, die erfolgreiche Führungskräfte auszeichnet, macht es sich der Berater Marcus Buckingham ganz einfach. ”Wirkliche Leader haben Follower”. Soll heißen: Führung zeigt sich in der Gefolgschaft. Und die kann man messen (Ohne Liebe ist Exzellenz nicht erreichbar).

Echt jetzt? Also, falls Sie Führungskraft sind, schauen Sie sich mal um und zählen Sie, wie viele Ihnen folgen. Ach was, wieso Führungskraft? Jeder von uns kann genau das probieren, und vermutlich werden die einen feststellen, dass es so einige sind, während andere erkennen müssen, dass die Zahl eher gering ist. Interessant daran ist, dass es keine Gemeinsamkeiten zwischen wahren Führungspersönlichkeiten gibt. Wie sie es schaffen, dass andere ihnen folgen, ist höchst individuell. „Manchmal hat das fast etwas von Alchemie.“


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Also muss man sich damit abfinden, wenn es nicht klappt? Natürlich nicht ganz, denn auch hier kommt Trost. Denn es gibt Fähigkeiten, die man erlernen kann. Z.B. Optimismus. Na ja. Oder die Fähigkeit, anschaulich die Zukunft beschreiben zu können. Verlässlichkeit. Klar kommunizieren, was man schon weiß, was mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten wird. Erklären, wie man sein Ziel erreichen möchte und warum es sich lohnt. Sprich: Unsicherheit in Zuversicht umwandeln.

Womit schon mal so viel klar ist: Ein wahrer Leader zu sein, bedeutet noch lange nicht, dass man damit ein Gewinn für die Menschheit ist. Wie viele Schaden so jemand anrichten kann, zeigt die Geschichte.

Manager statt Leader?

Mal ganz hart ausgedrückt: Warum muss jeder Leadership lernen? Vermutlich nur aus einem Grund: Weil Berater kein Produkt hätten, wenn sie erklärten: „Nicht jedem ist es gegeben, dass Menschen ihm folgen. Finde dich damit ab.“ Wer will diese Botschaft schon hören? Dabei haben wir auch kein so großes Problem damit, wenn uns ein Trainer erklärt: „Sie sind nun wirklich kein geborener Tennisspieler, über ein gewisses Niveau werden Sie nicht hinauskommen.” Kein guter Tennisspieler werden zu können, ist offenbar weniger erniedrigend als dass uns keine Menschen folgen werden.

Reicht es dann wenigstens zum Manager? Schauen wir uns mal an, was diesen vom Leader unterscheidet. Anders als dieser konzentrieren sich Manager auf das Individuum. Sie sorgen dafür, dass Menschen ihre Stärken in Leistung umwandeln. Wenn Sie herausfinden möchten, ob diese Rolle besser zu ihnen passt, dann stellen Sie sich diese Frage: ”Möchte ich meine Aufgaben lieber selbst lösen und dafür allein die Verantwortung tragen oder möchte ich die Verantwortung für die Arbeit anderer übernehmen?” Anders gefragt: „Blühe ich auf, wenn ich sehe, dass andere besser werden in dem, was sie tun?” Gute Fragen.

Tätigkeiten, die man liebt

Und wie findet man heraus, über welche Stärken andere verfügen? Indem man sie fragt, was sie an ihrer Arbeit lieben. Das ist das eigentliche Thema von Buckingham, aber darüber haben wir schon geschrieben (20% Liebe). Als Manager haben Sie die Chance, dazu beizutragen, dass Menschen wirklich das tun können, was sie lieben. Dazu sollten Sie erst mal bei sich selbst anfangen. Mit einer einfachen Übung.

Sie nehmen sich ein Blatt Papier, ziehen einen Strich in der Mitte und notieren auf der linken Seite Tätigkeiten in der Rubrik ”Das habe ich geliebt”. Über der anderen Spalte steht: ”Das habe ich verabscheut.” Woran erkennen Sie, was Sie wirklich lieben? Daran, dass die Zeit wie im Flug vergeht.

Maker oder Mover

Wenn Sie diese Übung für sich selbst praktiziert haben, können Sie andere auffordern, auch eine solche Liste zu führen. Dann sind Sie ein ”Maker”. Ein Mensch, der für andere Erlebnisse schaffen möchte, die diese lieben. Und das schafft: Ein guter Manager. Der anderen zuhört, ihnen zeigt, dass sie ihm wichtig sind. Indem er sich regelmäßig mit ihnen austauscht. Sie ernst nimmt. Buckingham nennt das ”Light Touch Attention”: Ehrliche, aber unaufdringliche Aufmerksamkeit.

Vielleicht sind Sie aber auch ”nur” ein ”Mover”. Jemand, der sein Arbeits- und Privatleben so gestaltet, dass er lebendig bleibt. Bewusst dafür sorgt, dass er regelmäßig Dinge tut, die er liebt. Und dass diese mindestens 20% seines Lebens ausmachen.

Klingt alles nicht so schwer. Und falls Sie das Gefühl haben, dass Sie weder Leader noch Mover noch Maker sind, sondern einfach nur Ihren Job machen, dann wäre das mit der beschriebenen Liste vielleicht ein Anfang. Aber was, wenn Sie nun gar nichts finden, von dem Sie sagen können: ”Ich liebe es, wenn ich …” Dann ist guter Rat teuer.

Können Sie die Kritik nachvollziehen?
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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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