8. Februar 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Miese Tricks

INSPIRATION: ”Frau Dr. X leitet ab sofort das Ressort Y, der bisherige Leiter, Herr Dr. Z., übernimmt Aufgaben im Rahmen des Projektmanagements.” Wenn wir früher solche Mitteilungen lasen, war klar, dass sich etwas Gravierendes ereignet hatte. Für Herrn Dr. Z. war die Karriere beendet. Der Trick dabei, so ein Fachanwalt für Arbeitsrecht im Harvard Business Manager („Ihre Zeit hier ist um“): Irgendwann wird das Projekt eingestellt und damit hat man einen schönen Kündigungsgrund.

Ginge es nicht auch einfacher? Offenbar nicht, in den oberen Führungsebenen geht es rau zu, wenn jemand in Ungnade gefallen ist. Ganz oben ist man sich der Gefahr vermutlich bewusst, ungefähr so wie ein Fußballtrainer in der Bundesliga. Solche Vorsicht ist angebracht, erklärt der Anwalt. Wenn der Druck von außen steigt, kann man sich auch nicht mehr „auf alte Weggefährten und Netzwerkpartner verlassen”.


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Anzeichen von ”Entleitung“

Auf den Ebenen unter dem Vorstand hingegen rechnen Führungskräfte eher nicht mit einem solchen Schritt und fallen dann aus allen Wolken. Dabei gibt es immer Anzeichen, wenn sich die Stimmung gegen einen wendet. Da bekommt jemand plötzlich einzelne Aufgaben entzogen, die Budgetverantwortung wird reduziert, man bindet ihn nicht mehr in Abstimmungsprozesse ein und der eigene Chef übergeht ihn bei der Kommunikation mit seinem Team. Die Sichtbarkeit im Unternehmen geht verloren.

Weniger subtil ist es, wenn man plötzlich in Meetings persönlich angegriffen wird. Wenn praktisch Regeln von Anstand und Respekt ignoriert werden mit dem Signal an die anderen: Dieser hier wird bald nicht mehr zu uns gehören, er ist zum Abschuss freigegeben. Und dann gibt es irgendwann den Wechsel auf der Position, derjenige findet sich auf einem Projekt wieder.

Reden hilft

So weit sollte man es nicht kommen lassen, sagt der Anwalt. Wer erste Anzeichen von ”Entleitung” bemerkt, sollte das nicht aussitzen. Vielleicht erst einmal mit einem guten Freund oder mit seinem Partner darüber reden. Indizien sammeln und bewerten. Vor allem: Nicht emotional reagieren oder gar Rachegelüste hegen. Stattdessen sich bis zur letzten Minute korrekt verhalten, tadellose Arbeit leisten und ein Protokoll der eigenen Arbeit anfertigen. Sich genau notieren, was Sie tun, wen Sie informiert und eingebunden haben, was Ihnen verweigert wurde und wodurch Sie in Ihrer Arbeit behindert wurden. Mitunter engagieren Unternehmen sogar Privatdetektive, um etwas zu finden, dass man Ihnen anhängen kann.

Vor allem aber: Wenn Sie sich sicher sind, dass da etwas gegen Sie läuft, ist der beste Rat: Sprechen Sie es offen mit den Entscheidern an. Mit Fragen wie: ”Was passt für euch und was passt für mich?” Dann gibt es durchaus Lösungen, die beiden Seiten gerecht werden. Lassen Sie sich nicht mit Parolen abspeisen nach dem Motto: ”Warten Sie mal ab, vielleicht finden wir ja wieder eine passende Position für Sie!” Das dient nur dazu, Zeit zu gewinnen in der Hoffnung, dass Sie sich selbst nach einem neuen Job umschauen und dann von selbst gehen.

Vorsicht vor Headhuntern

Dann lieber einen Arbeitsrechtler hinzuziehen. Und sich um alternative Karriereschritte kümmern. Aber Achtung: Auch hier lauern Fallstricke. Manche Unternehmen schicken Headhunter vor, die dann Angebote unterbreiten. So hofft man, teure Abfindungen zu vermeiden. Also nur Personalberater ansprechen, die man selbst kennt und misstrauisch sein, wenn sich plötzlich neue Headhunter bei Ihnen melden.

Schlecht ist die Welt. Ich kannte mal eine Personalleiterin, die mir erzählt hat, dass man von ihr solche Tricks anzuwenden verlangt hat. Und die in der Regel Lösungen fand, die selbst für Manager, die völlig verbittert waren, weil man ihnen die langjährige Loyalität so garnicht dankte, annehmbar waren. Auch das geht.

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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