KRITIK: Muss ich jetzt einfach mal loswerden: Wie kann es sein, dass seit Jahren in regelmäßigen Abständen Beiträge zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden und offenbar so gar keine Resonanz finden? Das ist das eine große Rätsel. Das andere: Wie kann es sein, dass auf der einen Seite die Lautsprecher, die harten Entscheider, die Helden und Macher wieder gefragt sind, egal, wie viel Unsinn sie erzählen, und auf der anderen Seite eine Fähigkeit ganz anderer Art allen Führungskräften wieder und wieder ans Herz gelegt wird?
Die Rede ist vom Zuhören. Oder besser: Vom Hinhören (Da sein. Zuhören. Aushalten.). Sicher, es ist schon klar, dass Zuhören etwas eher Passives hat, eine Art ”Nicht-Aktivität”. Zumindest ist kein aufwendiges Verhalten erkennbar. Menschen, die zuhören, bleiben still. Neigen sich dem anderen eventuell sanft zu. Oder legen den Kopf leicht auf die Seite. Schauen ihr Gegenüber hin und wieder direkt an. Oder senken sogar den Blick, um sich zu konzentrieren. Nicken hin und wieder. Geben Töne von sich, die in Romanen mit ”hmm” beschrieben werden.
Anzeige:
VOLLMAR Wissen+Kommunikation unterstützt Sie durch Beratung, Training, Coaching dabei, Ihr Wissen zu organisieren, weiter zu entwickeln, zu sichern und Gewinn bringend einzusetzen. Unsere Arbeitsweise lässt sich am besten mit ‚pragmatisch’ umschreiben; wirkungsvolle Maßnahmen sind uns wichtiger als akademische Modelle.
Zur Webseite...

All das lässt sich natürlich beobachten. Nur: Ob sie bei all dem das aufnehmen, was die andere sagt, kann man daran nicht erkennen. Und selbst wenn es ihr Hirn erreicht, wissen wir noch nicht, ob sie es so verstanden haben, wie wir es gemeint haben.
Warum wir lieber reden
Erzählen Sie mal jemanden davon, dass Sie ein tolles Gespräch hatten. Dass Sie die ganze Zeit ungestört erzählen konnten und der andere die ganze Zeit aufmerksam zugehört hat. Damit ist Ihre Erzählung auch schon beendet. Während wenn der andere Ihnen von seinen tollen Erfahrungen berichtet hat, Ihnen zahlreiche wertvolle Tipps mit auf den Weg gegeben hat, Ihnen neue Perspektiven aufgezeigt hat – dann können Sie etwas berichten.
Mit anderen Worten: Es bleibt alles beim Alten. Wir reden lieber als dass wir zuhören. Und wissen doch nur zu gut, dass wir selbst beim Reden ach so gerne gehört werden. Was dazu führt, dass viele Gespräche so ablaufen, dass beide gleichzeitig reden. Achten Sie mal in der Bahn darauf – es ist faszinierend.
Was es wirklich braucht
Was brauchen wir eigentlich, um tatsächlich die Kunst des Zuhörens zu erlernen? Gutes Werkzeug (MORE PIES)? Mehr Training in der Kunst des Zuhörens (Generativ Zuhören)? Eine bestimmte Haltung wie die ”Liebende Akzeptanz (Charismatische Zuhörer?)? Oder zielloses Zuhören (Ohne Ziel zuhören)? Oder gar Selbstliebe (Vom Zuhören und Senden)? Vielleicht also damit anfangen, sich selbst einmal zuzuhören (Selbstreflexion)?
All das sicherlich. Aber es geht noch viel weiter: Wer Sorge vor einer Spaltung der Gesellschaft hat, der sollte auch weniger reden (Aushalten lernen). Zuhören ist vermutlich die wesentliche Voraussetzung für Demokratie (Wer Ohren hat zu hören …). Und damit ist es nun mal leider zur Zeit auch nicht so weit her. Daher ist es ja schön, dass uns all die Experten immer wieder daran erinnern, endlich mit dem Zuhören anzufangen – aber so richtig kommt die Botschaft irgendwie nicht an. Bitter.
