21. Mai 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Sanftes Umsteuern oder Paukenschlag?

INSPIRATION: Wie gelingt es, Dinge grundlegend zu ändern? Eingefahrenes zu lösen? Veraltete Systeme, bürokratische Monster und ”bewährte Muster” abzulösen? Wäre es besser, ganz von vorne anzufangen? Auf der grünen Wiese ohne Beschränkungen neu planen? Radikal Altes abzureißen und auf den Trümmern Neues zu errichten? Auf die Katastrophe zu hoffen und dann alles neu aufzubauen?

Oder ist es viel erfolgversprechender, mit kleinen Schritten die Veränderung anzustoßen und zu hoffen, dass sie irgendwann eine eigene Dynamik entwickelt und sich gegen das Alte durchsetzt? Und noch eine letzte Frage: Braucht es dafür (ob radikal oder schrittweise) eine Vision, ein klares Zukunftsbild?


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Warum zurück auf Null nicht hilft

Die Brand eins hat die April-Ausgabe 2026 dem Thema gewidmet und wie immer viele höchst anschauliche Beispiele aufgespürt. Womit wir schon bei der Frage nach dem Start sind: Entsteht aus großen Krisen und Katastrophen das Neue? Wenn plötzlich notgedrungen alles auf ”Null gestellt” wird? Nicht unbedingt. Denn Menschen haben eine Geschichte, ein Gedächtnis und ihre ”bewährten Praktiken”, mit denen sie durch den Alltag kommen. Auf die greifen sie auch nach gravierenden Einschnitten zurück. Nach dem 2. Weltkrieg kamen Nazis wieder in wichtige Positionen, zerstörte Städte wurden ähnlich wie vorher aufgebaut oder man verwendete die Pläne der Nazi-Architekten.

Und selbst wenn große Krisen wie Pandemien oder Kriege oder der drohende Untergang eines Unternehmens ganz neue Kräfte freisetzen und als Befreiungsschlag wirken – zu warten, bis ein System (wie z.B. eine demokratische Ordnung) zusammenbricht, ehe man bereit für Neues ist, dürfte keine gute Strategie sein (Vorbau vor Umbau).

Schrittweise verändern?

Klappt es denn auf der grünen Wiese mit dem Neuanfang? Um bei der Städteplanung zu bleiben: Die Retortenstädte in China sind nicht gerade ein Beleg dafür. Oder wie war das mit den Mega-Fabriken, die an verschiedenen Orten entstanden oder auch nicht? Ich weiß nicht, wie es heute um den Berliner Flughafen steht – aber ist er das geworden, was mal als Vision im Raum stand?

Dann vielleicht doch eher die Strategie des sanften Umsteuerns. Auch hierfür gibt es schöne Beispiele. Zwar mag die Frauenbewegung einen Anteil an der Veränderung der Geschlechterrollen gehabt haben, aber erst der Bedarf an Fachkräften in der Wirtschaft hat die klassische Rollenverteilung unattraktiv gemacht und zu Gesetzesänderungen geführt. Ähnlich war es beim 8-Stunden-Tag. Oder der Ehe für alle. Auch die Firmenbeispiele in der Brand eins (Change happens) zeigen, dass nicht ein großer Befreiungsschlag den Wandel herbeiführt, sondern erst kleinere Erlebnisse, die zum Umdenken führen.

Radikale Ideen helfen

Bleibt noch die Frage nach der Vision: Eine Erkenntnis aus den verschiedenen Beiträgen lautet, dass es schon eine radikale Idee braucht. Zumindest das Nachdenken über radikale Veränderung „hilft bei der Analyse der gegenwärtigen Lage”. Wenn niemand da ist, der das Undenkbare denkt, wird es nicht passieren. Auch wenn er es nicht mehr selbst erlebt – er bereitet den Weg hierfür vor.

Obwohl auch das nicht unbedingt nötig zu sein scheint. Manchmal ist es auch die Not, die eine neue Idee gebiert. So wie bei Enrico Piaggio, der in Italien im Krieg Flugzeuge baute. Was von den Alliierten verboten wurde. Also erfand er die Vespa, die viele Elemente aus dem Flugzeugbau enthielt und zum Verkaufsschlager wurde. Aber vielleicht hatte ihr Erfinder ja doch das Bild von Männern und Frauen vor Augen, die durch die engen Gassen der Städte Italiens brausen (Was würde Batman tun?).

Tja, was nun? Am Ende bleibt eine Erkenntnis: Veränderungen geschehen, sie lassen sich nicht verhindern. Die Frage ist aber offen, was genau sie geschehen lässt. Wie so oft scheint die Antwort zu lauten: Kommt drauf an.

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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